Handlungskonzept

Gevelsberg sieht viel Potenzial beim Klimaschutz

Setzen sich weiter für eine umweltfreundliche Stadt ein: (von links)

Foto: Luca Samlidis

Setzen sich weiter für eine umweltfreundliche Stadt ein: (von links) Foto: Luca Samlidis

Gevelsberg.   Ein erster Schritt hin zu einem Handlungskonzept ist nun mit der Auftaktveranstaltung im Ratssaal der Stadt Gevelsberg getan.

Die Engelbertstadt macht sich auf den Weg zu einer Stadt des Umwelt- und Klimaschutzes. Ein erster Schritt hin zu einem Handlungskonzept ist nun mit der Auftaktveranstaltung im Ratssaal der Stadt Gevelsberg getan.

In Zeiten der fortschreitenden Erderwärmung soll jedoch keine Weltuntergangsstimmung entstehen, sagt Bürgermeister Claus Jacobi: „Wir müssen Freude am Klima- und Umweltschutz vermitteln“. Wie das funktionieren kann, soll bis Juni 2018 nun neben Experten aus verschiedensten Bereichen auch mit den Einwohnern direkt diskutiert werden. Im kommenden Jahr werden dazu teils offene Workshops folgen. Die aktuelle Veranstaltung war gut besucht – etwa 50 Personen wohnten der Konferenz bei und zeigten so ihr Interesse an der Klimafreundlichkeit der Stadt.

Gevelsberg hat bereits in der Vergangenheit verstärkt auf Umweltaspekte geachtet. Unter anderem wurde der CO2-Ausstoß im Rahmen von sogenannten „Teilklimaschutzkonzepten“ deutlich gesenkt. Auch durch den Austausch von Beleuchtungen im Stadtgebiet werden im Vergleich zu den konventionellen Leuchtmitteln 70 bis 80 Prozent des Energieverbrauchs eingespart. Die Modernisierung wird weiter verfolgt.

Stadt hat Vorbildfunktion

Der städtische Apparat nimmt aber nur einen verschwindend geringen Teil des Energieverbrauchs ein, berichtet Reiner Tippkötter von der Energielenker Beratungs GmbH. Diese unterstützt bei der Erstellung des Konzeptes und lieferte eine Analyse der aktuellen Situation. Die Stadt selbst sei nur für ein bis zwei Prozent des Energieverbrauchs verantwortlich, muss trotzdem weiter verbessern. „Das liegt auch an der Vorbildfunktion“, sagt Tippkötter.

Weiter wurde auch das Engagement der AVU gelobt, die sich umweltfreundlichen Energien nicht verschließe und fortschrittlich arbeite. Wie aber schon an den Zahlen erkennbar ist, müssen besonders private Haushalte und Unternehmen auf ihren Energieverbrauch achten. Der Sozialwissenschaftler Oliver Wagner vom Wuppertal-Institut spricht sogar von 20 Prozent Reduzierung des Energieverbrauchs nur durch anderes Nutzerverhalten. So sollte zum Beispiel keine Festbeleuchtung für Reinigungsmaßnahmen genutzt werden, wie das in anderen Kommunen irrtümlicherweise schon vorgekommen war.

Nun müssen die Bürger informiert werden. Wagner schlägt unter anderem Filmwettbewerbe, Poetry-Slams und andere kreative Angebote für die Jugend vor. Diese seien Maßnahmen, um das Thema nachhaltig in der Gesellschaft zu verankern. Mit Schülern erreiche man gleichzeitig auch Eltern. Gevelsberg soll außerdem mutiger in die Zukunft schauen: „Manchmal gibt es unglaubliche Sprünge“, erklärt Wagner. Es müsse aber weiter stark sensibilisiert werden.

Viele Ansätze bereits diskutiert

Ein erster Schritt in diese Richtung soll der Austausch sein, erklärt auch Umweltbeauftragter Matthias Sprenger. Die Auftaktveranstaltung ließ das bereits zu. Die Teilnehmer setzten sich mit dem Potenzial der Teilaspekte Wohngebäude/private Haushalte, Mobilität, Gewerbe und Industrie sowie Öffentlichkeitsarbeit und Bildung auseinander. Interessante Ansätze kamen schon in der kurzen Zeit zustande. So wurde eine stadtweite Infoplattform diskutiert, in der unkompliziert Auskünfte über aktuelle Geschehnisse aufgrund von Witterungsbedingungen gegeben werden können. Festivals, Waldjugendspiele und eine Kooperation mit Pfadfindern und Unternehmen stehen ebenfalls im Raum. Möglicherweise werden in Gevelsberg bald Straßenlaternen zu finden sein, an denen E-Bikes geladen werden können. Die öffentlichen Verkehrsmittel könnten auch öfter fahren, sagten die Teilnehmer der Veranstaltung. Rainer Tippkötter bringt eine Belohnung für klimafreundliches Verhalten ins Spiel.

Niemanden bevormunden

Bürgermeister Jacobi betont, er wolle niemanden bevormunden: „Jeder kennt sein Verhalten am Besten“. Die Vorschläge aus den Gruppen werden nun weiter verarbeitet. „Den überwiegenden Teil kann man auf den Weg bringen“, stellt Jacobi in Aussicht.

Sind die Ziele aber realistisch? Umweltbeauftragter Sprenger sagt: „Mal schauen“. Es bleibt also spannend – und noch viel zu tun.

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