Gericht

Gevelsberg: Stimmen sollen Vergewaltigung befohlen haben

Justitia ist die Personifikation der Gerechtigkeit (Symbolbild). Um Gerechtigkeit geht es auch in einem Prozess wegen einer mutmaßlichen Vergewaltigung in Gevelsberg.

Justitia ist die Personifikation der Gerechtigkeit (Symbolbild). Um Gerechtigkeit geht es auch in einem Prozess wegen einer mutmaßlichen Vergewaltigung in Gevelsberg.

Foto: Kurt Michelis

Gevelsberg/Hagen.  Ein Mann (23) soll eine Frau (40) in einer Flüchtlingsunterkunft in Gevelsberg vergewaltigt haben. Seine Aussage vor Gericht ist ungewöhnlich.

Erst konnte er sich gar nicht mehr erinnern, doch nach einer kurzen Unterredung mit seinem Anwalt legte der Angeklagte (23) vor der Großen Strafkammer im Landgericht Hagen ein Geständnis ab: Ja, er habe die Frau (40) vergewaltigt. Und: „Stimmen im Kopf“ hätten ihm das befohlen.

Was sich an einem Abend im April dieses Jahres in einem Zimmer der Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge am Gevelsberger Westbahnhof genau abgespielt hat, steht in den genauen Einzelheiten noch nicht fest: „Hier sind noch einige Punkte zur Sachaufklärung zu betreiben“, findet Verteidiger Christoph Wortmann.

Sein Mandant, er stammt aus Nigeria und wohnte bis zu seiner Festnahme kurz nach der Tat in dem Asylheim, fühlt sich von Dämonen, Zauberern und Hexen fremdgesteuert. Womöglich ist er für die ihm zur Last gelegte Vergewaltigung nicht mal voll verantwortlich. Dazu wird ein Gutachter noch Stellung nehmen und die Kammer ihre Feststellungen treffen müssen.

Opfer derzeit nicht aufzufinden

Die Frau, um die es in erster Linie geht und die Opfer des gewalttätigen sexuellen Übergriffs wurde, ist derzeit nicht aufzufinden und steht deshalb auch nicht als Zeugin zur Verfügung. Sie soll obdachlos sein und könnte Kontakte in die Drogenszene haben, aber das ist nicht gesichert.

Am Tatabend hatte sie am Bahnhof zunächst einen Freund des Angeklagten kennengelernt und sich diesem weinend anvertraut. Sie hätte Probleme mit ihrem Mann, wisse nicht wohin. Da sei den beiden Afrikanern die Idee gekommen, die spätere Geschädigte in die Gemeinschaftsunterkunft mitzunehmen.

Es wurde zuvor noch Bier eingekauft und Marihuana besorgt. Und während der Angeklagte, so behauptet dieser, noch vor dem Heimeingang wartete, hätte derweil sein Kumpel mit der Frau sexuellen Kontakt in dem Zimmer gehabt: „Ich sollte draußen warten, bis er fertig ist.“ Danach sei er „an der Reihe“ gewesen: „Ich kann mich erinnern, dass wir das gemacht haben. Aber ich kann mich nicht daran erinnern, ob sie das wollte oder nicht.“

Zimmernachbar wählt Notruf

Vorsitzender Richter Jörg Weber-Schmitz unterbricht an dieser Stelle und hakt nach: „Und dass Sie die Frau in den Hals und die Brust gebissen haben? Dass sie geschrien hat? Das wissen Sie nicht?“ Der Angeklagte: „Nein. Es ist alles so schnell passiert und ich kann mich nur für das entschuldigen, was passiert ist.“ Doch die Stimmen, so sagt er, hätten ihm alles das befohlen.

Ein Zimmernachbar aus der Unterkunft hatte die Hilferufe der Frau gehört und den Notruf gewählt. Der Polizist, der damals als erster am Tatort war, berichtete, dass der Angeklagte während der Festnahme psychisch gestört auf ihn gewirkt habe: „Er war aufgewühlt, lief die ganze Zeit hin und her. Sprach mit sich selbst, ohne, dass wir ihn was gefragt hatten. Er sagte auf Englisch, dass er der einzig Wahre ist. Und dass er jeden schlagen könnte, wenn er das wollte: I am the one and only.“

Der Prozess wird fortgesetzt

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben