Kultur

Gevelsberger Jazz-Gala auf absolutem Top-Niveau

Die „Jazz-Gala-Allstars“ mit Waldemar Kowalski aus Ennepetal (Saxofon), Volker Albrecht aus Bonn (Posaune) und Dian Pratiwi (Gesang).

Foto: HB

Die „Jazz-Gala-Allstars“ mit Waldemar Kowalski aus Ennepetal (Saxofon), Volker Albrecht aus Bonn (Posaune) und Dian Pratiwi (Gesang). Foto: HB

Gevelsberg.   Internationale Künstler locken Besucher aus dem ganzen Bundesland ins Zentrum für Kirche und Kultur. Improvisationen bis Mitternacht.

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Trotz den Verlockungen beim Mondscheinbummel auf der Mittelstraße strömten die Besucher in das Zentrum für Kirche und Kultur zur großen Jazz-Gala 2017. Erneut waren hochkarätige Musiker am Start – „ME Lounge“, Joe Bawelino, Christof Söhngen, Sven Vilhelmsson, „Jazz-Gala-Allstars“ mit Waldemar Kowalski, Volker Albrecht und die „Old Friends“.

Programm bis Mitternacht

Federführend für das Programm war Wolf Ossenberg, der nicht nur die Moderation übernahm, sondern auch selbst musizierte. Für Verpflegung war gesorgt, denn der Abend wurde lang aber nicht langweilig. Neben vielen spontanen Besuchern aus ganz NRW waren selbstverständlich Hilde (91) und Ulla (86) aus Gevelsberg-Berge wieder mit dabei. Die beiden regelmäßigen Besucher des Jazz-Clubs urteilten um Mitternacht: „Ein hervorragender Abend mit fantastischen Künstlerinnen und Künstlern.“ Wie viele im Publikum konnten sie sich nicht auf einen Favoriten einigen, dafür war das Programm viel zu abwechslungsreich.

Den Abend eröffneten drei Damen: „ME Lounge“. Das sind die Geigerin Freya Deiting, die Gitarristin Sandra Wilhelms und die Sängerin Dian Pratiwi. Die Herren hatten die Frauenpower zum Eisbrechen vorgeschickt – was der sympathischen Pratiwi bei dem Dialog mit dem Publikum von Song zu Song leicht gelang. Erst wurde zaghaft mitgeschnipst, bis dann sogar richtig mitgesungen und -gepfiffen wurde – bei „Smile“ lächelte das gesamte Publikum glücklich. Klar, das die Frage von Ossenberg, „Dürfen die noch mal wiederkommen?“, einstimmig mit „Ja“ aus dem Zuschauerraum beantwortet wurde.

Musiker mischen sich bunt durch

Je später der Abend voranschritt, desto mehr Leute standen auf der Bühne und um so jazziger wurde es. Die Übergänge waren fließend. Die ursprünglichen Formationen lösten sich auf, es wurde gemischt, getauscht, gejammt. Auf einmal sang der Bonner Posaunist Volker Albrecht und auch die Stimme des Schlagzeugers der „Old Friends“ (Werner Towet) erklang. Aus dem berühmten Song „Georgia“ wurde bei Pratiwi mal eben „Gevelsberg“. Saxofonist Waldemar Kowalski wünschte sich zu zwei Stücken den Gitarristen Joe Bawelino hinzu, den er selbst gerade erst gehört hatte. Dieser ließ sich nicht lange bitten. Der Münchner Sinti Bawelino spielt seit seinem fünften Lebensjahr Gitarre – mittlerweile hat er die 70 hinter sich gelassen. Er wird zu den besten Gitarristen Europas gezählt und lächelte bescheiden: „Wenn man sein ganzes Leben nichts anderes macht...“. Er spielte nicht nur mit den Fingern, sondern mit Kopf und Herz.

Bawelino ergänzte nach seinem Solo das heimische Trio: an den Gitarren Christof Söhngen – der sich mittlerweile vom Studenten zum Gitarren-Professor in Essen entwickelt hat – und Wolf Ossenberg sowie Sven Vilhelmsson am Kontrabass. Die Musiker waren so im Fluss, dass sie ohne Ansage der Stücke durchspielten.

Improvisation vom Feinsten

Jazz ist Improvisation. Man sprach schnell den Titel und die Tonart ab – dann ging es los. Die Musik im Konzertsaal war „handgemacht und mundgeblasen“. Unter den Profis wurde im Gespräch gescherzt: „Das gemeinsame Anfangen des Songs ist nicht das Schwierige – aber wir wundern uns auch immer, dass wir gemeinsam ein Ende finden.“ Und weiter: „Wenn wir eine Sängerin nicht mögen, dann können wir sie durch den Wechsel der Tonart super hängen lassen.“ Aber Dian Pratiwi aus Bali mochten die Jungs: „Die Frau hat so eine Bandbreite, die falsch zu erwischen, ist echt schwer.“ Zur Freude des Publikums flirtete das Energiebündel Pratiwi stimmlich mit jedem einzelnen Instrument.

Keiner wollte es wahrhaben, als die „Old Friends“ im Zentrum ihr Abschlusslied „Going Home“ anstimmten.

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