Interview der Woche

Gevelsbergerin Manuela Rösner: „Als Erzieherin unzufrieden“

Bunt, lustig, nett und immer in Bewegung: Manuela Rösner ist Motopädin in Gevelsberg.

Bunt, lustig, nett und immer in Bewegung: Manuela Rösner ist Motopädin in Gevelsberg.

Foto: Stefan Scherer / Stefan Scherer / WP

Gevelsberg.  Manuela Rösner ist auf Umwegen Motopädin mit eigener Praxis in Gevelsberg und zieht nach zehn Jahren Bilanz.

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Am Anfang war Manuela Rösner vor allem unzufrieden. Ihr missfiel es, dass sie in ihrem Job als Erzieherin die Kinder nicht so unterstützen konnte, wie sie wollte. Eine glückliche Fügung und mehr als 20 Jahr später gilt die Gevelsbergerin als bundesweite Institution, wenn es darum geht, Kinder mit Bewegung zu therapieren, die durch erhebliche Belastungen ein schweres Leben haben. Zusätzlich schreibt sie Bücher, ist auf unzähligen weiteren Fachgebieten – beispielsweise der Legasthenie und Dyskalkulie – fortgebildet und widmet sich seit einiger Zeit einem ganz neuen Themenfeld: der Demenz.

Was ist aus Ihrer Sicht, das Wichtigste, worauf Eltern bei ihren Kindern achten sollten?

Viel zu spielen und eine intensive Zeit mit ihren Kindern zu verbringen. Der wichtigste Punkt überhaupt ist, dass meine Beziehung zu meinem Kind gut ist, dass die Zeit, die Eltern mit ihren Kindern verbringen, qualitativ hochwertig ist.

Warum kommen Kinder zu Ihnen?

Meist weil sie emotional und sozial Schwierigkeiten haben, weil sie motorisch auffällig sind. Das läuft oft Hand in Hand, wenn Kinder beispielsweise extreme Schwierigkeiten beim Klettern oder Balancieren haben, weil sie Angst haben. Natürlich sind auch viele weitere Diagnosen ursächlich dafür, dass ich von verschiedenen Stellen aus eingeschaltet werde.

Wie sind Sie Motopädin geworden?

Ich habe Erzieherin gelernt und mehr als 15 Jahre im Kindergarten gearbeitet. Irgendwann habe ich gemerkt, dass ich die Kinder nicht mehr so individuell unterstützen kann, wie ich dies gern möchte. Ich war persönlich unzufrieden und habe mich daher zunehmend mit dem therapeutischen Bereich beschäftigt. Im Jahr 1997 habe ich dann das erste Mal im Rahmen einer Fortbildung die Psychomotorik kennengelernt und wusste sofort: Das ist es, was ich gern machen möchte.

Wie verlief dann Ihr Weg in die Selbstständigkeit?

Ich habe zuletzt als Angestellte bei der Sportinsel in Gevelsberg gearbeitet. Als diese in die Insolvenz ging, stand ich in gewisser Weise an einem Scheideweg. Arbeitsplätze für angestellte Motopädinnen gibt es kaum, also habe ich zum 1. Februar meine eigene Praxis aufgemacht und bereue dies nach fast zehn Jahren nicht.

Seit einiger Zeit arbeiten Sie auch zunehmend mit Senioren zusammen. Wie kam es dazu?

Ich kam mit Daniela Alze vom Seniorenbüro der Stadt Gevelsberg ins Gespräch. Unter Motogeragogik versteht man Motopädie für Senioren. Hier steht der Mensch mit all seinen Kompetenzen im Fokus und wir versuchen, über bewegungsorientierte Konzepte alle Ressourcen zu heben, die in den Menschen stecken. Dies wende ich an.

Was heißt das konkret?

Ich arbeiten mit dem Seniorenbüro, der Evangelischen Stiftung Volmarstein und dem Hans-Grünewald-Haus zusammen. Ein ganz großer Teil meiner Arbeit findet mit demenzerkrankten Menschen statt. Diese sind alle in einem unterschiedlichen Stadium und müssen sehr individuell betrachtet werden, weil auch jeder unterschiedliche Ressourcen in sich trägt. Wichtig: Ich mache keine Fitnessübungen. Ich versuche, über viel Aufmerksamkeit und Bewegung eine Beziehung zu den Menschen herzustellen.

Welche Erfolge erzielen Sie bei Demenzerkrankten?

Gerade bei diesem Krankheitsbild ist Bewegung eine ganz wichtige Aktivierung. Die Menschen assoziieren mit mir bereits nach wenigen Besuchen etwas Schönes, erkennen mich wieder. Wenn ich mal zwei, drei Wochen im Urlaub bin, merke ich, dass ich wieder etwas weiter vorn beginnen muss.

Sie sind auch Autorin zahlreicher Fachbücher. Wie kam es dazu?

Auch das rührt noch aus meiner Erzieherinnen-Zeit. Als die U3-Betreuung eingeführt wurde, habe ich die ersten Bücher zu diesem Thema gelesen und gedacht: „Das können keine Leute geschrieben haben, die mit Kindern zusammenarbeiten.“ Das war die Initialzündung zu meinen ersten Buch.

Wie kommen Ihnen die Ideen zum Schreiben?

Das passiert nebenbei. Ich mache mir immer Notizen, habe plötzlich ein Thema, es folgt ein Konzept, und schon schreibe ich am nächsten Buch. Wenn ich eine Idee im Kopf habe, muss ich diese auch aufschreiben.

Bleibt bei diesem Programm überhaupt noch Freizeit?

Nicht viel, aber diese nutze ich sehr intensiv, bewege mich, treibe Sport.

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