Verbrechen

Große Anteilnahme nach Tabernakel-Diebstahl in Gevelsberg

Der gestohlene Tabernakel im Dezember 2017. Rechts daneben liegt das Evangeliar. Aus ihm wird während der Adventszeit in den Gottesdiensten in der St.-Engelbert-Kirche vorgelesen.

Der gestohlene Tabernakel im Dezember 2017. Rechts daneben liegt das Evangeliar. Aus ihm wird während der Adventszeit in den Gottesdiensten in der St.-Engelbert-Kirche vorgelesen.

Foto: Carmen Thomaschewski / WP

Gevelsberg.  Viel Anteilnahme gab es nach dem Diebstahl des Tabernakels aus der Gevelsberger St.-Engelbert-Kirche. Über die Täter gibt es wilde Vermutungen.

Die Nachricht über den Diebstahl des Tabernakels aus der St.-Engelbert-Kirche vor etwas mehr als einer Woche hat hohe Wellen geschlagen. „Das trifft die Gemeinde bis ins Mark“, erklärte Propst Norbert Dudek danach gegenüber unserer Zeitung. Die Gemeinde behilft sich bei Gottesdiensten seitdem mit einer provisorischen Lösung. Hinweise auf den Verbleib des Diebesguts gibt es laut Polizei bislang keine – Anteilnahme gibt es dafür eine Menge.

„Ein Diebstahl wie jeder andere auch“, kommentiert ein Nutzer des sozialen Netzwerks Facebook das Geschehene. „Ein Tabernakel ist das wichtigste Relikt in der Kirche“, hält eine Nutzerin dagegen. Andere pflichten ihr bei. Auch die Propstei St. Marien schaltete sich in die Diskussion ein: „Es ist eben kein Diebstahl wie jeder andere, weil der Wert für die Gemeinde weit über den Materialwert des Tabernakels hinausgeht. Wir bitten den oder die Täter darum, der Gemeinde den Kultgegenstand zurückzugeben“.

Menschen sind fassungslos

Norbert Dudek hat den Gottesdienst in der St.-Engelbert-Kirche am vergangenen Sonntag gestaltet. Zeitnah nach dem Diebstahl wurde dort ein Tabernakel aus Holz aufgestellt (wir berichteten). Ein Provisorium, das während der Fronleichnamsprozessionen zum Einsatz kommt. In seiner Ansprache am Sonntag habe er Bezug auf den Diebstahl genommen, so der Propst.

Wichtig sei ihm dabei gewesen, dass das Liebesgebot allen gelte – eben auch den Dieben des Tabernakels. „Klar ist es um das Materielle schade, das Wichtige aber sind die Hostien“, sagt Dudek. Diese werden im Inneren des Tabernakels aufbewahrt und stehen für den Leib Christi.

Der Propst berichtet von einer großen Anteilnahme. „Viele sprechen mich auf den Diebstahl an“, sagt er. Die Stimmung dabei sei vor allem von Fassungslosigkeit geprägt. „Es gibt aber auch wilde Vermutungen, was die Täter angeht“, schildert Dudek.

Zentrale Rolle in Gottesdienst

Diese seien Satanisten, die Hostien klauen, oder Vertreter anderer Religionen. „Das unterbinde ich dann direkt“, macht der Propst klar. „Wir wollen keine Vermutungen streuen.“ Dabei verweist er auch auf den Respekt der Religionen untereinander.

In der nächsten Zeit würde man erstmal auf das Provisorium zurückgreifen. „Wenn Pastor Martin Stais wieder da ist, gucken wir, wie es weitergeht“, so Dudek.

Der gestohlene Tabernakel sieht aus wie ein kleiner metallener Schrank, der mit Bergkristallen besetzt ist. Er ist kunstvoll gestaltet und spielt in jedem katholischen Gottesdienst die zentrale Rolle. Über Jahrzehnte hinweg hatte er seinen Platz links vom Altar.

Das Kästchen, in dem wiederum die Hostien seien, bestehe entweder aus Silber oder sei vergoldet, das sei von Kirche zu Kirche unterschiedlich, erklärte Norbert Dudek nach dem Diebstahl. Manchmal stehe dort auch ein Glas Wein, symbolisch für das Blut Christi.

Der Tabernakel sei im Mittelpunkt. Vor jeder Messe werde er geöffnet, um die Hostien herauszuholen, für das Abendmahl, der Danksagung am Ende einer Messe, das Sakrament der Eucharistie.

„Es steht für die Gemeinschaft mit Gott und untereinander. Das Tabernakel ist ein wichtiges Zeichen für Gottes Gegenwart“, so Dudek.

Keine Hinweise bislang

Der Tabernakel aus der St.-Engelbert-Kirche sei mit Sicherheit beschädigt. Mehrere Teile hätten verstreut auf dem Boden gelegen, als der Diebstahl bemerkt worden sei. Dudek geht davon aus, dass mehrere Täter an der Aktion beteiligt gewesen sein müssen.

„Einer alleine kann den Tabernakel nicht tragen.“ Weitere Spuren von den Tätern habe es nicht gegeben. Die Kirche sei, wie immer, am Morgen auf- und am Abend abgeschlossen gewesen.

Hinweise auf die Diebe oder den Verbleib des Tabernakels hätten ihn bislang nicht erreicht, so der Propst am Freitag. Auf Nachfrage erklärte auch Sonja Wever, Pressesprecherin der Kreispolizeibehörde: „Bislang wurden noch keine Hinweise an mich herangetragen.“

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