Historische Lkw und Industriekultur im Einklang

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Ennepetal.  „Heute wird Wassertreten angeboten“, sagte ein Besucher schmunzelnd, nachdem am Sonntagvormittag der Gewitter-Starkregen niedergegangen war und einen Teil der alten Kruse-Fabrikhalle überschwemmt hatte. „Kalli hat Tränen in den Augen“, sagten dessen Industriemuseums-Kollegen. Ach was – das waren Wassertropfen, denn: Trotz des nassen Beginns kamen gegen Mittag etliche Oldtimer zum Tag der offenen Tür auf das Gelände des Industriemuseums an der Neustraße. „Das erste Mal seit anderthalb Jahren, dass es auf unserer Veranstaltung regnet“, bedauerte Kalli Bernhard, der sich vor allem freute, dass der Wuppertaler Rainer Schildberg mit sieben alten Brauereiwagen gekommen war.

Gegen Mittag wurde es sonnig und viele Besucher verweilten, in der kühlen Maschinenhalle des alten Kruse-Gebäudes, wo eine Ausstellung der Künstlerin Brigitte Schäfer präsentiert wurde. Den Schwerpunkt hatte man in diesem Monat auf Lkw gelegt. So war auch ein Gevelsberger, der drei Lkw besitzt, der aber seinen Namen nicht nennen wollte, mit dem Mercedes 2220 mit von der Partie. Aus „Jux und Dollerei“ fahre er damit durch die Gegend.

Zerfallen, roh, rostig, schmutzig

Damit die Brummis optimal begutachtet werden konnten, sei man zusätzlich auf das Gelände der ehemaligen Garthe-Metallgießerei ausgewichen, so Mitorganisator Walter Hahn. Auf dem Programm standen Gießerei- und Schmiedevorführungen, Mitmachgießerei, Dampfmaschinenmodelle und historische Maschinen. Auf der 32 Meter langen Carrera-Bahn, der „Museumsschleife“ im ehemaligen Debomi-Gebäude, durften Runden gedreht werden. Vor dem Schieferhaus konnte man es sich bei Kaffee, Kuchen, Würstchen und frischen Backwaren gut gehen lassen, bevor man sich der Kunst widmete.

Brigitte Schäfer, bekannt als langjährige Vorsitzende des Fördervereins der katholischen Grundschule, hatte erstmals im Industriemuseum ausgestellt. Die Voerderin zeigte kleine Skulpturen und Bilder. Wie andere Leute Pilze suchen, macht sich Brigitte Schäfer immer auf Suche nach kleinen Roststückchen, ausgemusterten Teilen, eben nach Schätzen der Vergangenheit. Seit mehr als zwei Jahren beschäftige sie sich mit dem Thema Industriekultur. „Die Atmosphäre hier fasziniert mich und regt mich an zur künstlerischen Arbeit.“ Eine weitere Stätte der Industriekultur wählte Schäfer in der Henrichshütte in Hattingen, wo sie ebenfalls eine Ausstellung präsentierte. So hat Brigitte Schäfer auch Formsand und Eisenstaub in ihre Werke eingearbeitet. „Teile, die übrig blieben, fast zerfallen, roh, rostig und schmutzig sind, sollen in meinen Arbeiten zur Geltung kommen, einen zweiten Sinn erfahren“, so die Künstlerin. „Künstlerisch beschäftige ich mich mit Eindrücken von Orten, wo Industrie stark war, wo Maschinen mit Hand betrieben wurden, wo Menschen ihre Körperkraft einsetzten, um etwas zu schaffen.“

Daneben war, wie jeden ersten Sonntag im Monat, Teckeltag – und bei Vorlage der Fahrkarte erhielt man in der erfrischend kühlen Kluterthöhle 50 Prozent Ermäßigung auf den Eintrittspreis.

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