Konzert

Hochbegabte junge Musiker begeistern das Schwelmer Publikum

Judith Stapf (Geige) und Yuhao Guo (Klavier) beeindrucken bei ihrem Konzert im Ibach-Haus durch die Perfektion ihres Zusammenspiels. 

Judith Stapf (Geige) und Yuhao Guo (Klavier) beeindrucken bei ihrem Konzert im Ibach-Haus durch die Perfektion ihres Zusammenspiels. 

Foto: Lilo Ingenlath-Gegi

Schwelm.   Zauber der Musik: Die jungen Musiker Judith Stapf und Yuhao Guo stellen im Schwelmer Ibach-Haus die Werke dreier Komponisten vor.

Judith Stapf, Violine, und Yuhao Guo, Klavier, sind im Rahmen von „Best of NRW“ auf Konzertreise durch Nordrhein-Westfalen unterwegs und begeisterten nun das Schwelmer Publikum.

Judith Stapf, 1997 in Rheinbach bei Bonn geboren, begann im Alter von drei Jahren mit dem Geigenspiel. Yuhao Guo, 1992 in Köln geboren, erhielt im Alter von sieben Jahren seinen ersten Klavierunterricht. Trotz ihrer jungen Jahre sind die beiden ein hervorragend aufeinander eingespieltes Duo. In ihrem Konzertprogramm vereinen sie die Musik dreier Komponisten: Eines Polen, den es nach Frankreich verschlug, eines Franzosen und eines Österreichers.

Die Kompositionen erzählen aus der Zeit von 1860 bis 1930, die wegen ihrer Unbeständigkeit eine Sehnsucht nach Geborgenheit hervorrief. Im Saal des Ibach-Hauses, 1884 als neue Produktionsstätte der ältesten Klavierfabrik der Welt eröffnet, brachten Judith Stapf und Yuhao Guo die Klangvielfalt der Komponisten hervorragend zur Geltung.

Wohltuende Moderation

Judith Stapf stellt das erste Stück, „La Fontaine d’Arethuse“ aus den „Mythes“, op. 30/1 von Karol Szymanowski (1882-1937) vor. Wohltuend ist, wie die jungen Musiker selbst ihr Konzert moderieren. Anschaulich und lebendig erzählt Stapf die Geschichte der Nymphe Arethusa aus den Metamorphosen des Ovid: Um sie vor den Nachstellungen des Flussgottes zu schützen, verwandelte Diana sie in eine Quelle.

„Ich hoffe, dass Sie genau so viele Bilder vor Augen haben werden, wie wir sie beim Spielen haben“, wünscht die junge Violinistin. Der Mythos dient als illustrativer wie symbolischer Hintergrund für das Zwiegespräch zwischen den Instrumenten und tatsächlich erzählen Klavier und Geige ganz wunderbar den Mythos von der Nymphe und vom übernatürlichen Fließen der Quelle. Sie machen ihr Licht und ihre Transparenz hörbar und zeigen eine vollkommene Harmonie zwischen Geige und Klavier.

Als „französische Hälfte des Abends“ bezeichnet Yuhao Guo den ersten Teil des Konzerts, denn Karol Szymanowski hatte immerhin viele Jahre seines Lebens in Frankreich verbracht. Er galt zu seiner Zeit als der „Chopin des 20. Jahrhunderts“.

Wie ein Zauber

Guo stellte der nun folgenden Sonate für Violine und Klavier A-Dur von Gabriel Fauré (1845-1924)ein Zitat des zehn Jahre älteren Komponisten Camille Saint-Saëns voran:„ … und über allem schwebt ein Zauber, der die Masse der gewöhnlichen Zuhörer dazu bringt, die wildesten Kühnheiten als ganz normale Sache zu akzeptieren …“. Diese „Kühnheiten“ zeigten Judith Stapf und Yuhao Guo ganz hervorragend: Im ersten Satz spielen sie leidenschaftlich rasant, mit extrem schnellen Tempi und besonders vehementem Schluss.

Im Andante antwortet das Klavier mit zartesten Klängen auf das Vibrato der Geige, während die Instrumente im dritten Satz in einen ungeheuer schnellen Wettstreit eintreten. Es wundert nicht, dass der dritte Satz bei der Uraufführung 1877 zweimal gespielt werden musste, weil das Publikum so begeistert war. Perfekt auf einander abgestimmt beenden die Musiker die Sonate mit einem kraftvoll gespielten Allegro.

Ludwig Thuille durch Zufall entdeckt

Nach der Pause berichtete Judith Stapf, wie sie durch Zufall auf den in Bozen geborenen Komponisten Ludwig Thuille (1861-1907) gestoßen sei. Bei Recherchen über Richard Strauss erfuhr sie, dass der berühmte Komponist seine Werke gern Thuille zur Überarbeitung gab.

Der österreichische Komponist und Musikpädagoge wurde eher als Musiktheoretiker bekannt, seine Kompositionen werden kaum gespielt. Das wollen Stapf und Guo ändern und stellen Thuilles Sonate für Violine und Klavier e-Moll op. 30 vor. „Wir sind gespannt, ob Sie Ludwig Thuille nach dieser Sonate ebenso lieben wie wir“.

Stürmischer Applaus

Mit Leichtigkeit gleitet Yuhao Guo auch bei anspruchsvollen Passagen über die Tasten. Der äußerst intensive erste Satz endet bewegt (ma non troppo) und romantisch. Das „Adagio molto“ expressiv gedehnt. Köstlich ist hier der Ton der Violine, kraftvoll klingen die Akkorde des Klaviers. Exzellent entfalten die beiden den Kontrast, von dem diese Musik lebt. Mit schnellem, virtuosem Spiel endet der dritte Satz dieser nur dreisätzigen Sonate, die eine echte Entdeckung ist.

Das Publikum applaudierte stürmisch, denn Judith Stapf und Yuhao Guo faszinierten durch ihr hervorragendes Spiel, ihre konzentrierte Körpersprache und ihre spürbare Harmonie. Als Zugabe zum Abschluss spielten die jungen Musiker „Salut d’amour“ von Edward Elgar.

Hochbegabte Musiker

In der Konzertreihe „Best of NRW“ treten junge hochbegabte Musikerinnen und Musiker in insgesamt 14 verschiedenen Städten Nordrhein-Westfalens mit 48 Konzerten auf. Die Konzerte in Siegen werden vom WDR aufgezeichnet und auf WDR 3 übertragen.

Der Verein Kulturfabrik Ibach-Haus kann Dank der Werner-Richard–Dr.-Carl-Dörken-Stiftung und der Unterstützung von Wilhelm Erfurt vier Konzerte der hochkarätigen Reihe präsentieren.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben