Lösung für Silschede

Im „Löwenkäfig“ durch den Gevelsberger Tunnel radeln

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So sieht der geplante Käfig aus. 

So sieht der geplante Käfig aus. 

Foto: Büro Ahlenberg

Gevelsberg.   Die Gevelsberger Stadtverwaltung und das Ingenieur-Büro Ahlenberg in Herdecke präsentieren eine pfiffige Lösung für den Silscheder Tunnel.

Große Probleme können nur durch ungewöhnliche Ideen aus der Welt geschafft werden. So sieht es die Gevelsberger Stadtverwaltung bei der Planung des Radweges von Silschede bis zum Bahnhof-West. Da geht es eigentlich darum, das Ei des Columbus zu finden.

Lebenswelt vernichten

Der Radweg sollte ursprünglich durch den Silscheder Tunnel gehen. Dagegen protestierten die Naturschutzbehörden. Aus einem guten Grund: Hinter dem Tunnel auf der lange stillgelegten Bahnstrecke erheben sich 35 Meter hohe Hänge, die eine hohe ökologische Bedeutung haben. Wenn diese Hänge zur Sicherheit der Radfahrer befestigten werden müssen, würde dort erst einmal die Kettensäge regieren und dann der Hang mit einem Netz abgesichert werden. Das würde Pflanzen vernichten und Tiere vertreiben.

14 Prozent statt 2,5 Prozent Steigung

Also entschloss sich die Straßenbaubehörde des Landes NRW – Straßen.NRW – als Bauherr, den Radweg um den Tunnel herum zu leiten. Das, so die Planer der Stadt und das Gevelsberger Radfahrforum, würde allerdings einen Steigungsbereich von 14 Prozent gegenüber 2,5 Prozent beim Weg durch den Tunnel bedeuten. Die, so waren sich alle Parteien im Ausschuss für Stadtentwicklung, Umwelt und Wirtschaftsförderung einig, würde den Wert des Radweges für den Tourismus und die Naherholung nahezu auf „null“ bringen. Georg Schäfer, sachkundiger Bürger im Ausschuss, war dabei, als das Radfahrforum, eine Probefahrt unternommen hat: „Nur Werner Engelhardt als trainierter Radfahrer hat die Steigung geschafft, ohne abzusteigen.“ Keine Chance, dass zum Beispiel eine Mutter mit Kind die Bergwertung schafft. Die Steigung, so Bernhard Bösken von der SPD, würde „eine erfolgreiche Nutzung“ ausschließen.

195 000 Euro pro hundert Meter

Aber, die Stadtverwaltung hat sich mit der Entwicklung nicht zufrieden gegeben. Was Fachbereichsleiter Björn Remer den Politikern vorstellte, wurde von der Grünen Susanne Dippel dann „als sehr pfiffige Lösung“ bezeichnet. Und damit stand sie nicht allein. Das von der Stadtverwaltung beauftrage Ingenieurbüro Ahlenberg aus Herdecke schlägt vor, dass die Radfahrer sozusagen durch einen Käfig fahren. Verankerte Rundbögen von 5,90 Meter Breite und 4,75 Meter Höhe würden mit Netzen bespannt. Die Konstruktion, das haben Tests ergeben, würde selbst herabstürzende Bäume auffangen. Sogar ein Rettungswagen könnte durch die Fachjargon Einhausung genannte Konstruktion ungefährdet zu einem Unfallort gelangen. Eine zusätzliche Sicherung des Hanges und damit ein Eingreifen in den schützenwerten Hangschluchtenwald wäre nicht mehr notwendig.

Beispielhafte Lösung

Nicht nur die örtlichen Landschaftsbehörden haben signalisiert, dass sie diese Lösung für beispielhaft halten. Selbst im Berliner Verkehrsministerium wurde laut Bürgermeister Claus Jacobi von einer möglichen Musterlösung für ganz Deutschland gesprochen.

Bleibt nur die Frage: Wer soll das bezahlen? Hundert Meter der Konstruktion, auch das hat das Ingenieurbüro ausgerechnet, kosten eben einmal 195 000 Euro. Fünfhundert Meter Einhausung, schätzt Bereichsleiter Björn Remer, würden gebraucht. „Wir haben das Geld nicht, um diese Pläne zu verwirklichen“, machte Bürgermeister Claus Jacobi unmissverständlich klar.

Also, geht es darum, andere Geldquellen zu erschließen. „Wir müssen gegenüber Straßen.NRW hartnäckig bleiben“, forderte Hans-Günther Adrian von der CDU, „die Fahrt über das Viadukt und durch die Tunnel machen den eigentlichen Reiz der Strecke aus.“ Nun, so beschloss der Ausschuss, soll eine „vorhabenbezogene Artenschutzprüfung“ in Auftrag gegeben werden, um die Planungen weiter voran zu treiben.

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