Soli-Flüchtlings-Fonds

In der Flüchtlingshilfe ist ein langer Atem nötig

Das Vergabegremium des Soli-Flüchtlings-Fonds (von links): Günter Braselmann, Friedrich Döpp, Cornelia Jähnke, Bettina Frauenstein, Karl-Heinz Henkel und Bruno Hessel.

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Das Vergabegremium des Soli-Flüchtlings-Fonds (von links): Günter Braselmann, Friedrich Döpp, Cornelia Jähnke, Bettina Frauenstein, Karl-Heinz Henkel und Bruno Hessel. Foto: privat

Ennepetal.   Vor zwei Jahren wurde der Soli-Flüchtlings-Fonds gegründet. Die Bilanz der bisherigen Arbeit fällt trotz mancher Probleme positiv aus.

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„Wir müssen die Menschen, die wir brauchen, für uns und auch für den Arbeitsmarkt gewinnen, dann können wir auch denen Schutz gewähren, die uns brauchen.“ Das war der Tenor bei der letzten Sitzung des Vergabegremiums des Soli-Flüchtlings-Fonds (SFF). Seit zwei Jahren besteht die Institution, die sich für die Belange von Flüchtlingen einsetzt und sich um deren Unterstützung bemüht. Fast 25 000 Euro wurden für eine Vielzahl von Maßnahmen aufgewendet, insgesamt etwa 540 Menschen erreicht.

Die Mitglieder des Vergabegremiums bedauerten zwar die zuweilen bürokratischen, teilweise auch zermürbenden Hürden bei der Einstellung von kompetenten und motivierten Flüchtlingen, freuten sich aber auch darüber, dass die Vermittlung in Arbeit und Ausbildung in Einzelfällen gelungen sei. Das mache Mut, so Bruno Hessel, einer der SFF- Initiatoren, aber man brauche einen langen Atem.

Möglichst viele in Arbeit bringen

„Wann kommt endlich in Deutschland ein Einwanderungsgesetz, dass wir qualifizierten Einwanderern und Geflüchteten ohne großen Verwaltungsaufwand Stellen anbieten, wie es auch in anderen Ländern üblich ist“, fragte Karl-Heinz Henkel. Und Friedrich Döpp weist darauf hin, dass in Deutschland der Facharbeitermangel zunehme und dringend Fachkräfte gebraucht würden.

Die Initiatoren des SFF, Günter Braselmann und Karl-Heinz Henkel, zogen zwei Jahre nach Gründung eine sehr positive Bilanz: Das gute Spendenaufkommen mache es möglich, konkret zu helfen: zum Beispiel bei der Finanzierung von zusätzlichen Sprachkursen, durch Hilfestellung bei Asylanträgen, aber auch durch die Zahlung einer Starthilfe bei Abschiebungen, wenn Geflüchtete in eine ungewisse und bedrohliche Zukunft ihres Herkunftslandes zurückkehren müssten. Die Finanzierung der Fahrradwerkstatt, des Trommelkurses, von Schwimmkursen sei ebenso gefragt wie die Mitfinanzierung von Bustickets, wenn Geflüchtete in Hagen die Schule besuchen müssten. Oft sei der SFF die letzte Adresse auch für die städtischen Flüchtlingsbetreuerinnen, wenn die öffentlichen Gelder ausgeschöpft seien und dringend und unbürokratisch Hilfe benötigt würde, erklärten die Aktiven.

Aber auch Probleme wurden angesprochen: Die hohe Kinderzahl würde nicht selten die Weiterbildung und den Spracherwerb der Frauen erschweren bzw. sogar verhindern. Geflüchtete, die ein unangemessenes „Anspruchsverhalten“ an den Tag legten, sollten nach Auffassung des Vergabegremiums keine Unterstützung des SFF erhalten.

Helferinnen und Helfer gesucht

Die Unterstützung bei Familiennachzug könne nur in humanitär dringlichen Fällen gewährt werden, zum Beispiel bei der Zusammenführung der Kernfamilie. So habe im August der Fonds den Nachzug einer syrischen Mutter mit ihren drei kleinen Kindern nach Ennepetal finanziell unterstützt. Der Vater lebt schon seit Herbst 2015 hier.

Der SFF sucht – ebenso wie der Kinderschutzbund – neue Flüchtlingshelferinnen und -helfer, die etwas Zeit erübrigen können und Familien betreuen oder zum Beispiel Geflüchtete bei Behördengängen begleiten. Schwerpunkt der Arbeit war und wird sein, möglichst viele Flüchtlinge in Praktika, Ausbildung oder Beschäftigung zu bringen. Deshalb appelliert der SFF an alle Betriebe und Unternehmen, zu prüfen, ob nicht auch ein Geflüchteter eingestellt werden könnte. Einige geflüchtete Frauen würden auch gerne in der Altenpflege arbeiten. Vor allem Günter Braselmann hält den Kontakt zur heimischen Wirtschaft.

Petra Backhoff vom Kinderschutzbund, die ebenfalls dem Vergabegremium angehört, betonte, dass sich andere Städte und die dort ehrenamtlich Tätigen nach einer ähnlichen unterstützenden Initiative wie dem SFF sehnen würden.

Das Vergabegremium dankt allen Spendern, vor allem auch den regelmäßigen, für die großzügige Unterstützung der Flüchtlingsarbeit. „Diese Unterstützung macht deutlich, dass Ennepetal eine gastfreundliche Stadt ist, die nicht nur einmal im Jahr ein Internationales Freundschaftsfest feiert, sondern auch im Alltag zusammensteht.“

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