Energie

In diesem Schwelmer Haus kommt die Wärme aus der Kälte

„Die Technologie macht es möglich, dass wir rund 80 Prozent der Energie, die wir für das Beheizen des Gebäudes und für das Erwärmen des Brauchwassers benötigen, selbst gewinnen“; Jürgen Rahmer vor seinem Neubau.

„Die Technologie macht es möglich, dass wir rund 80 Prozent der Energie, die wir für das Beheizen des Gebäudes und für das Erwärmen des Brauchwassers benötigen, selbst gewinnen“; Jürgen Rahmer vor seinem Neubau.

Foto: Andreas Gruber

Schwelm.   Unternehmer Jürgen Rahmer baut an der Prinzenstraße ein Wohn- und Geschäftshaus, das mit einer zukunftsweisenden Haustechnik ausgestattet wird.

Das Wohnen der Zukunft wird an der Prinzenstraße Realität. Unternehmer Jürgen Rahmer lässt auf seinem Grundstück gerade ein mehrgeschossigen Wohn- und Geschäftshauses errichten, das später einmal fast autark beheizt werden kann.

Möglich wird das durch eine Eisspeicher-Heizung, von denen es in ganz Deutschland erst gut 1000 Anlagen gibt, wie der Bauherr erzählt. Erstmals werde die Technik auch in unserer Region verbaut.

Der eigentliche Eisspeicher, ein 56 000 Liter umfassender Tank in gut 1,5 Meter Bodentiefe, befindet sich auf der Rückseite des Neubaus und sieht derzeit aus wie ein riesiger Kanalschacht, aus dem fünf Rohranschlüsse ragen. Er wird bald zugeschüttet und im Erdreich verschwunden sein.

Strom und Wärme vom Kraftdach

Um dem Eisspeicher die Energie zu entziehen, braucht es Wärmepumpe und Absorber. Der Strom und die Wärme dafür kommen vom leicht gewölbten Tonnendach, auf das eine kombinierte Photovoltaik- und Solarthermie-Anlage gesetzt wird. „Das ist unser Kraftdach“, sagt Jürgen Rahmer und fasst zusammen: „Die ganze Technologie macht es möglich, dass wir rund 80 Prozent der Energie, die wir für das Beheizen des Gebäudes und für das Erwärmen des Brauchwasser benötigen, selbst gewinnen“.

Um den Energiebedarf so gering wie möglich zu halten, wird das Gebäude gerade in dickes Dämmmaterial verpackt und hat selbstverständlich gut isolierende Thermofenster nach neuesten Vorgaben, wie Jürgen Rahmer ausführt. „Wir brauchen hier kein Erdöl. Wir brauchen kein Gas. Wir verbrennen nichts.“ Das sei ihm wichtig.

Der Clou dabei: Die umweltfreundliche Haustechnik ermöglicht nicht nur angenehme Raumtemperaturen von bis zu 25 Grad. Sie kann im Sommer umgekehrt zum Kühlen verwendet werden. „Wir schaffen laut Hersteller eine Reduzierung von 2 bis 3 Grad. Das klingt wenig, ist aber erstaunlich viel, weil sich ja der gesamte Baukörper erst gar nicht aufheizt“, erläutert Jürgen Rahmer.

Der ökologische Aspekt liegt dem Bauherrn dabei sehr am Herzen. Als Renditeprojekt sei das Wohn- und Geschäftshaus hingegen kaum geeignet. „Es wirft gerade mal soviel ab, dass die Kosten gedeckt sind“, erzählt Rahmer.

Doch es gibt auch ein unternehmerisches Motiv für die Investition. „Ich wollte ein Ladenlokal für die Karl Krebs GmbH haben“, sagt Jürgen Rahmer. Noch befindet sich das im dahinterliegenden Unternehmensgebäude eher klein und versteckt. Im Basement des viergeschossigen Neubaus wird eine 220 Quadratmeter große Ausstellungsfläche entstehen, wo die Firma die von ihr vertriebenen Türen, Tore und Markisen präsentiert.

In dem Geschoss darüber befinden sich Büroräume, die der Bauherr selber nutzen wird, sowie Flächen für Dienstleister, von denen noch 70 Quadratmeter zu haben sind. Das von Architekt Klaus Lange geplante Gebäude ist so konzipiert, dass die großen Räume auf Wunsch durch Trennwände neu eingeteilt werden können.

Darüber folgen zwei Etagen mit jeweils zwei Wohnungen (106 und 116 qm) und das leicht eingerückte Staffelgeschoss, in dem ein 136 qm großes Penthouse mit Terrasse Platz findet. Die Kaltmiete sei zwar höher als woanders, sagt der Bauherr. Auf der anderen Seite seien die Nebenkosten deutlich geringer.

Von außen besticht der Bau durch eine modern gegliederte Fassade, die von viel Glas und anthrazitfarbenen Fenstern bestimmt wird. Auf der Rückseite und neben dem Gebäude, dass im März 2018 bezugsfertig sein soll, entstehen 14 Parkplätze, von denen zwei mit Ladesäulen für Elektroautos ausgestattet werden.

Der Strom dafür kommt ebenfalls vom „Kraftdach“, dass in Zukunft möglicherweise noch effektiver sein wird, sobald die Photovoltaik- und Solarthermie-Technologie weiter ausgereift sind. Davon zumindest träumt der Bauherr, der seinen Neubau am liebsten zu 100 Prozent autark beheizen würde.

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