Atelier

In Ennepetal gibt’s für Kreative eine neue Adresse

Die neuen Räume passen für sie wie gemalt: Irmtraut Werthschulte in ihrem neuen Atelier im Zönchen.

Die neuen Räume passen für sie wie gemalt: Irmtraut Werthschulte in ihrem neuen Atelier im Zönchen.

Foto: Angelika Trapp / WP

Ennepetal.  Für die Kreativen gibt es in Ennepetal eine neue Adresse. Der Malkasten in Voerde ist ins Zönchen gezogen.

Der Pinsel ist ihr liebstes Utensil und meist ist sie passend zu ihren Bildern gekleidet. Malt sie beispielsweise „Dame in grüner Jacke“ (nach August Macke), trägt sie natürlich Grün. Die Rede ist von Irmtraut Werthschulte. Die Voerder Künstlerin ist mit ihrem Atelier „Malkasten“ vom Voerder Eck ins Zönchen, An der Kirche 7, gezogen.

„Zunächst war ich traurig, die Kündigung der Räume am Voerder Eck nach neun Jahren erhalten zu haben. Nun aber bin ich dankbar, einen Werkraum von 50 Quadratmetern, sehr hell und ansprechend, dazu noch Nebenräume, um Bilder zu verstauen, im Zönchen nutzen zu können“, so Werthschulte. Froh sei sie, dass der neue Vermieter begeistert gewesen sei, als er hörte, dass dort der „Malkasten“, ein Ort, an dem Groß und Klein Kreativität ausleben können, Einzug halte. „Auch die Nachbarläden, Kosmetik und Blumen, sind froh, dass etwas Attraktives ins Zönchen kam“, sagt sie. „Und sogar Pfarrer Kunze hat gerufen, als er sah, dass ich die Bilder eingeräumt habe: Die Kunst zieht ins Zönchen!“

Keine offizielle Eröffnung

Corona bedingt werde es keine offizielle Eröffnung geben, bedauert die Künstlerin, die seit Jahren mit ihrer Malschule das kulturelle Leben in Ennepetal bereichert. Eventuell werde das Offizielle im Rahmen einer später stattfindenden Jahresausstellung nachgeholt.

„Der neue ,Malkasten’ ist nur einen Katzensprung von meiner Wohnung entfernt, somit geradezu ideal“, plaudert Irmtraut Werthschulte. Dabei geholfen, den Umzug mit all den vielen Bildern zu stemmen, einschließlich der teilweise neuen Einrichtung, haben Malfreundinnen und deren Ehemänner sowie der eigene Angetraute, Horst Lehmann. Dabei wurden auch Plastik-Trennwände hinsichtlich der Corona-Hygiene-Regeln installiert.

Am Montag fand das erste Mal-Treffen in den neuen Räumen, die farblich bunt sind, statt. „Ich bin froh, dass es wieder los geht“, lachte Irmtraut Werthschulte, zu der 45 Frauen aus Ennepetal, Breckerfeld, Schwelm, Gevelsberg, Wetter und Halver kommen. So wie Renate Kemke aus Altenvoerde, die seit 14 Jahren dabei ist: „Mit meinen 84 Jahren bin ich die Älteste in der Runde und am längsten dabei.“ Die gelernte Schneiderin erzählt, dass sie zuvor nicht malen konnte. Heute erschafft sie wunderschöne Landschaftsbilder, die sie lieben Leuten schenke.

Malen wie die großen Meister

Die Künstlerin bietet sieben Malkurse in der Woche an, an denen jeweils sechs Frauen teilnehmen können. Samstags seien derzeit 17 Kinder ab acht Jahren (in drei Gruppen) sowie Jugendliche an der Reihe. Irmtraut Werthschulte will auch das Projekt „Malen wie die großen Meister“, das in den Kindertreff im Mehrgenerationenhauses und im Haus der Begegnung angeboten wurde, fortsetzen, wenn die Zeiten wieder „normal“ seien.

„Ich kann nicht anders, ich male fast täglich, dabei geht es mir richtig gut“, schmunzelt die Voerderin, die unter anderem Rost-Collagen gestaltet. „Durch Rost entstehen tolle Effekte“, betont Irmtraut Werthschulte, die auch dreimal an der Weihnachtskartenaktion der Stadt mit „ihren“ Kindern teilnahm.

Die ersten Anstöße zur Malerei habe sie im Jahr 1978 in einem Hotel auf Mallorca bekommen, in dem ein Künstler Malunterricht mit Autolackfarben, die schnell in der Sonne trocknen, gab. Das habe sie so fasziniert, dass sie danach in Schwelm und Gevelsberg Dozenten besucht habe, wo sie Techniken wie Öl, Acryl, Pastell, Aquarell und Batik erlernte. „Am liebsten ist mir die Aquarellmalerei, weil die Farben so schön leuchten und es spannend ist zu sehen, wie die Farben fließen.“ Irmtraut Werthschulte besuchte weitere Fortbildungen, um neue Techniken zu erlernen. Und die gibt sie gern an ihre Malfreunde weiter. „Man bringt immer etwas Neues mit nach Hause.“ Sie unternahm auch Malreisen nach Österreich zu dem bekannten Maler Bernhard Vogel: „Danach ist man voller neuer Ideen, man explodiert förmlich.“

Ausgestellt hat Werthschulte bisher in Wuppertal, Schwelm, Ennepetal, Hagen und Rietberg. Von 2007 bis 2012 war sie Mitglied des EN-Kunstforums, das in Milspe beheimatet war. 2006 hatten sie und ihr Ehemann, ebenfalls Künstler, ein Atelier im City-Center (heute Spielhalle), bis man vor neun Jahren in das größere Atelier neben der chirurgischen Praxis im Voerder Eck zog. „Nun musste ich noch einmal die Ärmel hochkrempeln und neu durchstarten, aber ich habe das gepackt, weil Malen und es zu vermitteln so viel Freude bereitet“, sagt Irmtraut Wertschulte. Es mache so viel Spaß, mit Gleichgesinnten zusammen zu sein.

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