Brandopfer

Keine neue Wohnung für Schwelmer Seniorin in Sicht

Renate Path wohnte 40 Jahre im Brandhaus Möllenkotter Straße 1 nun ist sie wohnungslos und in den Altdeutschen Bierstuben untergekommen. Sie sucht nach einer neuen Wohnung

Renate Path wohnte 40 Jahre im Brandhaus Möllenkotter Straße 1 nun ist sie wohnungslos und in den Altdeutschen Bierstuben untergekommen. Sie sucht nach einer neuen Wohnung

Foto: Bernd Richter / WP

Schwelm  Renate Path wohnte 40 Jahre im Brandhaus Möllenkotter Straße 1. Nun sucht sie nach einer neuen Wohnung. Sie will aus dem Hotel raus.

. In der Nacht auf Mittwoch, 29. Mai, hat Renate Path ihr Zuhause verloren. Die 79-jährige Rentnerin ist eine der 13 Bewohner des Hauses Moltkestraße 1, die von der Feuerwehr aus der brennenden Immobilie gerettet werden mussten. Seitdem ist die gebürtige Berlinerin quasi wohnungslos. Sie schläft zwar nicht auf der Straße oder unter einer Brücke, aber auch in ihrer jetzigen Unterkunft fühlt sie sich nicht wohl. Sie wohnt im Hotel „Altdeutsche Bierstuben“ an der Bahnhofstraße. Aber ein Leben im Hotel – dafür ist die Seniorin nicht geschaffen.

Bisher vergebliche Suche

Ob das Brandhaus, in dem im Untergeschoss einst die Dresdner Bank zu finden war, nach dem verheerenden Feuer wieder saniert oder abgerissen und dort ein Neubau hochgezogen wird, steht noch nicht fest. Eins ist jedenfalls sicher: Eine Lösung wird eher Monate, wenn nicht sogar Jahre auf sich warten lassen. Und so lange will Renate Path jedoch nicht untätig warten. Deshalb hat sie sich in diesen Tagen selbst auf die Suche nach einer neuen Wohnung gemacht. Bisher leider vergeblich. Ein passendes Angebot gab es für die Seniorin noch nicht. Entweder lagen die Wohnungen zu weit außerhalb der Innenstadt, oder sie waren schlichtweg zu teuer. 450 Euro warm kann sich die 79-Jährige gerade noch leisten. Besonders wichtig ist ihr jedoch, in ihrem alten Umfeld bleiben zu können, mitten im Zentrum unter den Menschen – und nicht entwurzelt an den Stadtrand zurückgedrängt.

Von ihren Misserfolgen lässt sich Renate Path dennoch nicht entmutigen. Nun hofft sie, über eine Berichterstattung in unserer Zeitung eine geeignete Wohnung zu finden. Die Versicherung würde zwar für maximal 150 Tage die Kosten für die Hotelrechnung übernehmen, sagt sie, doch im Hotel fühlt sie sich nicht wohl. „Ich möchte dort weg, dort kann ich nicht einmal meine Wäsche waschen“, sagt sie.

Bei ihrem Besuch in der Redaktion fühlt sich Renate Path sichtlich unwohl. Sie ist aufgeregt. Es ist für sie eine ungewohnte Situation, als Bittstellerin auftreten zu müssen. „Ich hab mir noch nie fremde Hilfe geholt, habe bisher mein Leben immer allein bestritten“, so Renate Path. Vor dem 1. Juli hätte sie 40 Jahre lang in dem Haus am Neumarkt gewohnt. Jetzt sucht sie eine ebenso zentral gelegene, kleine, maximal 60 qm große Wohnung, die sie sich von ihrer Rente leisten kann. „Wenn ich nur schon einmal ein möbliertes Zimmer hätte, das wäre etwas für den Übergang“, erzählt sie im Gespräch mit unserer Zeitung.

Über die Drehleiter gerettet

Die Erinnerungen an die Brandnacht sind noch frisch. „Ich bin durch den Brandgeruch aufgewacht, war im Halbschlaf, da ich zuvor noch Radio gehört hatte“, erzählt sie über die Ereignisse am Mittwochmorgen gegen 2 Uhr. Ihre Küche sei voll Qualm gewesen, mit einem nassen Handtuch vor dem Gesicht habe sie dort erst den Wohnungsschlüssel holen müssen. Bevor sie beim Nachbar unterkommt, ruft sie noch die Feuerwehr.

Über die Drehleiter wird sie schließlich, nachdem sie dem Nachbar, seinen zwei Kindern und dessen schwangerer Ehefrau den Vortritt lässt, aus einem Fenster in der zweiten Etage gerettet. Jetzt hofft sie nur noch, das möglichst schnell in ihrem Leben wieder der Alltag Einzug hält und sie die Erinnerungen an die Brandnacht in einer neuen Wohnung verarbeiten kann.

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