Jubiläum

Kinderschutzbund Schwelm: Lieblingsorte entstehen einfach

Für die Kinder gibt es nicht nur den einen Lieblingsort in Schwelm. Lieblingsorte können Kinderspielplätze, der Wald, aber auch das Heimatfest sein. Umgesetzt haben sie ihre Vorstellungen in Collagen, Bildern, Fotografien, aber auch Liedern, Gedichten und Videos.

Für die Kinder gibt es nicht nur den einen Lieblingsort in Schwelm. Lieblingsorte können Kinderspielplätze, der Wald, aber auch das Heimatfest sein. Umgesetzt haben sie ihre Vorstellungen in Collagen, Bildern, Fotografien, aber auch Liedern, Gedichten und Videos.

Foto: Heike Büchsenschütz / Verein

Schwelm.  Der Kinderschutzbund hat aus Anlass seines 40-jährigen Bestehens Jungen und Mädchen befragt, wo sie sich in Schwelm am liebsten aufhalten.

Am Weltkindertag wollten der Kinderschutzbund Schwelm im Kinderhaus Blauer Elefant seinen 40. Geburtstag feiern. Aber dann kam Corona und die Idee zu einer Ausstellung über die Lieblingsorte in Schwelm.

Mit Unterstützung der Reifenberger Stiftung wurde in den Sommerferien das Projekt „Lieblingsort #Schwelm“ gestartet und die beeindruckenden Ergebnisse der Kinder (9 und 15 Jahren) sind jetzt der Öffentlichkeit vorgestellt worden. Um die Hygienevorschriften einhalten zu können, - es durften sich nur jeweils 30 Personen gleichzeitig in den Räumen aufhalten – erhielt jeder Besucher am Eingang ein schickes Radiergummi. So trugen in den vier Stunden an diesem Nachmittag rund 80 Personen ihr Radiergummi ohne eine Zeitvorgabe durch die informative Ausstellung.

Nicht nur die Teilnehmer mit ihren Eltern waren gekommen, sondern auch viele Politiker, engagierte Bürger und auch Eltern, die von ihren Kindern mitgezogen wurden. Max (9) und Maja (6) hatten in der katholischen Grundschule davon gehört und wollten „einfach mal gucken, was es hier gibt“. Klar, dass die Eltern da mit kamen. Und es gab vieles zu entdecken. Die Ausstellung spiegelte die abwechslungsreichen Projektwochen gekonnt wieder. Die Lieblingsorte wurden als Lied oder Geschichte, in einer Fotostory, Videoclips, in Skulpturen und Gemälden umgesetzt.

Die Umsetzung war genauso überraschend und vielfältig, wie auch die Wahl der Lieblingsorte selbst (vom heimischen Wohnzimmer bis hin zum Heimatfest). „Wo fühlen Sie sich in Schwelm wohl?“ Zur Einstimmung auf die Aufstellung stellte die Sozialarbeiterin Layla Peschke (27) jedem Besucher diese Frage. Für Maja war die Antwort sofort klar - „der Kletterbaum“ und der Vater erklärt „an der Nordstadt-Schule. Wir sind von Wuppertal nach Schwelm gezogen, da Schwelm mit der kleinen Fußgängerzone uns schon immer sympathisch war.“ Mit seinen Kindern kennt er sich ausgezeichnet auf den Spielplätzen aus – beschreibt begeistert die „gedrehte Raupe“ auf dem Blücherplatz und wünscht sich neue anspruchsvolle Geräte. Bemerkt aber auch: „Im Grundschulbereich bietet Schwelm viel Auswahl, aber bei den weiterführenden Schulen leider nicht.“ Zum Lieblingsort „Sportverein“ habe er die Beobachtung gemacht, dass vielen Mannschaften in Schwelm aktuell die personelle Verstärkung fehle.

„Im Wald kannst du ich sein“

Für Seraphin (10) und Aaliyah (9) ist auf jeden Fall der Wald ihr Lieblingsort. Während Aaliyah ihn in einer stimmungsvollen Skulptur würdigte, hat Seraphin extra ein eigenes Lied (in Anlehnung von „Ich bin bereit“ aus dem Disney-Film Vaina) geschrieben und vor der Gruppe vorgesungen. „Ich kann im Wald meine Wut rauslassen. Er ist total schön und wichtig mit seinen vielen Tieren und Bäumen. Da kannst du ich sein.“ Eigentlich mag sie auch den Parkourplatz (hinter dem Jugendzentrum), aber oft würden die „kleinen“ von den „großen“ dort beleidigt.

„Lieblingsorte kann man nicht machen, die entstehen einfach“, so bringt es der Stadtplaner (Stadt Wuppertal) Dieter Bieler-Giesen (57) aus Gevelsberg auf den Punkt. Er nutze die Ausstellung, um zu „schnuppern, was andere machen.“ Er habe auch in Schwelm einige Lieblingsorte und hoffe, dass es hier ebenfalls viele geheime Orte gäbe, die trotz der Verkehrssicherheitspflicht geduldet werden - „wo Kinder richtig wild sein können.“ Auch wenn diese anscheinend im Laufe der Jahre immer weniger wild seien und sich im geordneten Raum aufhalten. „Wilde Orte am Rande der Stadt lassen sich schlecht planen und sollten geheim bleiben.“

Ein anderer Familienvater vermisst in Schwelm die Individualität, ein Rock-Kaffee, etwas für die Subkulturen mit außergewöhnlichen Konzerten. Daher ziehe es ihn eher nach Wuppertal oder Hagen-Wehringhausen. Für seine Tochter hingegen schätze er das Kinderhaus sehr „ Sie macht hier andere Erfahrungen, als sie in der Schule macht. Sie ist richtig mutig und kreativ geworden.“

Auch externe Kochevents möglich

Der Blaue Elefant hat nun eine weiße Küche. Die engagierten Damen vom Kinderschutzbund Schwelm strahlen: „Sie steht“. Sie, das ist eine supermoderne Küche mit hochwertigen Geräten, die jeden Koch begeistern würde.

Man habe insgesamt darauf geachtet, ortsansässige Handwerker zu wählen. Noch ist die Küche ein bisschen kahl, Corona bremst in allem. Nicht nur die Deko fehlt, sondern auch die Schränke sind noch leer. Der Verein freut sich über Geld- und Sachspenden. Viele Dinge hätte man vom ehemaligen „Haus Wünsche“ übernehmen können, aber für ein gelungenes Event fehle noch einiges. Susanne Fischer (Vorstand) ist da optimistisch „Sie wird noch aufgehübscht.“ und „wir haben ganz viele Ideen und Pläne. Kochevents mit Köchen für Kinder und/oder Eltern, unterschiedliche Themen, von der Warenkunde bis zum Kochnachmittage.“ Die Küche des Kinderschutzbundes laut Auskunft des Vereins die einzige mietbare Lehrküche in Schwelm. Die Küche in der Schule am Ländchenweg sei durch die Offene Ganztagsschule ausgelastet.

Fischer ist erleichtert, denn „wir bekommen täglich mit, was in den Butterdosen der Kinder drin ist – so haben wir nun eine Möglichkeit, Eltern und Kinder gemeinsam zu erreichen.“ Eine selbst geschnippelte Möhre schmecke immer besser und wenn man als Kind mit schnippeln kann, dann wird auch vieles auf einmal gegessen. Das Einweihungskochen (intern mit den Mitarbeitern) und das Studieren der Bedienungsanleitungen stehe noch aus, aber schon bald gäbe es eine Küchenbeauftragte und einen Vermietungsplan. Interessierte, die ein eigenes Kochevent planen – Firmen, Vereine, Privatpersonen – können sich gegen eine Spende ebenfalls in der Küche verwirklichen und im Blauen Elefanten schlemmen. Angelegt sei die Küche für 2 Gruppen á 8 bis 10 Personen (vor Corona). Der ideale Platz für Köche aus der Region und die, die es noch werden wollen.

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