Heimatfest Schwelm

Kirmes in Schwelm nein, Heimatfestzeitung ja

Auf das Riesenrad werden die Schwelmer in diesem Jahr verzichten müssen. Die Stadt hat die Heimatfestkirmes wegen Corona abgesagt.

Auf das Riesenrad werden die Schwelmer in diesem Jahr verzichten müssen. Die Stadt hat die Heimatfestkirmes wegen Corona abgesagt.

Foto: Bernd Richter / WP

Schwelm.  Schaustellervertreter Dirk Wagner, Stadt und Dacho-Chefin Christiane Sartor bedauern die coronabedingte Absage des Volksfests in Schwelm.

In Sachen Schwelmer Heimatfest und der damit verbundenen Kirmes sitzen alle in einem Boot. Das machten am Dienstag Schausteller, Stadt und Dacho bei einem Treffen im Rathaus deutlich. Sowohl Christiane Sartor als Vertreterin aller 13 Nachbarschaften als auch Beigeordneter Ralf Schweinsberg sprachen Dirk Wagner, dem Vertreter der rund 160 auf der Kirmes zu findenden Schaustellern, ihr Bedauern über die Absage des Volksfestes aus und stärkten dem Hagener moralisch den Rücken.

Auf Grund der Entscheidung der Regierungschefs in der Konferenz mit der Bundeskanzlerin am 17. Juni, Großveranstaltungen, bei denen eine Kontaktverfolgung und die Einhaltung der Hygieneregelungen nicht möglich sind, bis mindestens Ende Oktober 2020 nicht durchzuführen, hatte Schweinsberg die Heimatfestkirmes in der Sitzung des Rates der Stadt am Donnerstag abgesagt (wir berichteten).

„Wir als Kommune allein werden die Schausteller nicht retten können. Aber wir wollen einen kleinen Beitrag leisten und ein deutliches Signal setzen, dass ihr nächstes Jahr wiederkommen sollt“, kündigte Schweinsberg ein Schreiben an. Das wird in den kommenden Tagen an die Schausteller gehen, die bereits für dieses Jahr eine Zusage für einen Standplatz auf der Kirmes in Schwelm hatten. Ihnen bietet die Verwaltung an, dass die Zusage für die Kirmes auf das Jahr 2021 übertragen wird. Gleichzeitig versprach der Beigeordneter, dass der im September neu gewählte Rat über die Standgebühren reden wird, mit dem Ziel, für die Schausteller dort eine Entlastung herbeizuführen.

Schausteller-Vertreter Dirk Wagner nutzte die Gelegenheit, noch einmal auf die schwierige wirtschaftliche Lage seines Gewerbes aufmerksam zu machen. „Wir sind eine der wenigen Berufsgruppen, die ein Arbeitsverbot haben“, so Wagner. In Berlin werde es am Donnerstag vor dem Brandenburger Tor eine Großkundgebung geben. Mit 300 Fahrzeugen wollen sich über 100 Schaustellerverbände in der Bundeshauptstadt Gehör für ihre Sorgen verschaffen. Für unsere Branche ist es nicht 5 vor 12, sondern 5 nach 12.“

Auch bereite sein Verband gerade eine Klage vor, ein Teilbereich werde sich mit der Ungleichbehandlung befassen. „Es ist mir unverständlich, dass Kindergärten und Schulen wieder öffnen, dass Gastronomiebetriebe wieder öffnen, aber dass kein Volksfest möglich ist. Wir sind enttäuscht und frustriert“, sagt der Schausteller aus Hagen, dessen Familie in der siebten Generation in dem Gewerbe tätig ist. Er und seine Berufskollegen seien seit Monaten ohne Einkommen. „Ich weiß nicht, wie viele Schausteller Anfang nächsten Jahres noch existieren werden“, befürchtet Wagner.

Ihre ganze Hoffnung setzen die Schausteller nun auf das Geschäft mit den Weihnachtsmärkten. Fällt auch noch dieses Geschäft aus, sieht er für viele Vertreter seiner Branche schwarz. Mittlerweile erwirtschafte das Schaustellergewerbe 30 bis 50 Prozent des Jahresumsatzes auf Weihnachtsmärkten.

Dirk Wagner sieht auch in den temporären Freizeitparks keine Alternative für das weggebrochene Kirmesgeschäft. „Die Besucherzahlen in Dortmund, Hagen und Düsseldorf sind nicht so, wie wir es uns vorstellen.“ Der Aufwand steht für den Schausteller in keinem Verhältnis zum Ertrag, spricht von Aufbaukosten in Hagen von 40.000 Euro und Investitionskosten in Dortmund von 1,5 Millionen Euro. „Am Sonntag hatten wir 400 Besucher in Hagen und 900 Besucher in Dortmund“, so Wagner. Ein temporärer Freizeitpark als Ersatz für die Kirmes in Schwelm sei deshalb für ihn undenkbar.

So ganz sang und klanglos will die Dacho das Schwelmer Heimatfest jedoch nicht ausfallen lassen. „Ich denke, wir werden auch Akzente setzen wie in Gevelsberg. Wir haben auch schon Ideen und das Stadtmarketing ist auch mit dabei“, verspricht die Vorsitzende Christiane Sartor. Am Freitag, 21. August, sollte ursprünglich der historische Stadtrundgang stattfinden. Nun stellt an diesem Datum die Dacho die Corona-Ausgabe der Heimatfestzeitung vor. „Sicherlich wird am Heimatfestsonntag auch etwas stattfinden. Aber noch haben wir ja Zeit“, wagt Christiane Sartor einen Blick in die Zukunft.

Dacho-Vorstand und Vertreter aller 13 Nachbarschaften werden sich übrigens erstmals seit Ausbruch der Pandemie wieder von Angesicht zu Angesicht versammeln. Das Treffen findet diesen Mittwoch im Vereinsheim der Heimatfreunde Loh statt. „Da haben wir genug Platz“ so Christiane Sartor. Auf dem Treffen sollen auch Ideen entwickelt werden, damit das Heimatfest in Zeiten von Corona nicht sang und klanglos in der Versenkung verschwindet.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben