Kultgaragen-Gewinnerin 2016

Kleiner Fuchs für große Komödiantin

Dutt, Stirnband und jede Menge Temperament: La Signora nimmt im Café Kartenberg den Kultgaragenfuchs entgegen. Heike Gräfe (links) und Johannes Dennda (beide Sparkasse Ennepetal-Breckerfeld) und Anke Lohmann (rechts, Kluterthöhle + Freizeit GmbH & Co. KG) gratulieren der vielseitigen Künstlerin.

Foto: Hans-Jochem Schulte

Dutt, Stirnband und jede Menge Temperament: La Signora nimmt im Café Kartenberg den Kultgaragenfuchs entgegen. Heike Gräfe (links) und Johannes Dennda (beide Sparkasse Ennepetal-Breckerfeld) und Anke Lohmann (rechts, Kluterthöhle + Freizeit GmbH & Co. KG) gratulieren der vielseitigen Künstlerin. Foto: Hans-Jochem Schulte

Ennepetal.   „La Signora“ alias Carmela de Feo hat den „Kultgaragenfuchs 2016“ gewonnen. Nun holte sie sich die Auszeichnung in Ennepetal ab.

Mit Dutt, Stirnband und im Bühnen-Outfit steht sie Punkt 12 Uhr im Café Kartenberg. „Hallo insgesamt. Ich bin mal hier!“ La Signora, die Komödiantin, Schauspielerin und Musikerin, hatte vor wenigen Menschen einen ganz besonderen Auftritt. Sie holte sich den Preis ab, den die Sparkasse Ennepetal-Breckerfeld für die Leistungen in der Reihe „Kultgarage“ seit dem Jahre 2010 jährlich vergibt, den „Kultgaragen-Fuchs“, eine goldfarbene Skulptur mit Gravur, 500 Euro in bar, ein Erinnerungsfoto vom Auftritt in Ennepetal und natürlich Blumen dazu.

Heike Gräfe und Johannes Dennda übergaben mit sehr persönlichen Worten den Preis, assistiert von Anke Lohmann, die den Mitveranstalter, die Haus Ennepetal, Kluterthöhle + Freizeit GmbH & Co. KG, vertrat. Die Jury für die Vergabe des Preises ist bekanntlich das Publikum. Die Künstlerin will den Fuchs in ihrer Wohnung platzieren. „Ist ja auch aus Gold“, scherzte sie.

Programm „Träume und Tabletten“

Als La Signora im Juni des vergangenen Jahres über die Bühne des Industriemuseums wirbelte, gab es – wie damals in dieser Zeitung berichtet – ein begeistertes Publikum . Was dann passierte, das gibt es nicht oft in der Reihe Kultgarage. Für La Signora landeten nur grüne Abstimmungskarten im Körbchen. Grün, das bedeutet: volle Zustimmung. Heike Gräfe und Johannes Dennda gaben das bei der Preisübergabe bekannt. La Signora, eigentlich eine kleine Person, quittierte dies komödiantisch mit schrägen Gesichtsausdrücken.

„Wo ist die Chefin?“, hatte sie schon vorher gefragt. Mit Chefin meinte sie Bürgermeisterin Imke Heymann. Man muss wissen, die Bürgermeisterin hatte sich nach dem Auftritt La Signoras im Juni 2016 sehr beeindruckt gezeigt und auch öffentlich geäußert. Zur Preisverleihung sei es aber üblich, keine Stadtoberhäupter einzuladen, erfuhr La Signora.

Wie war das im Industriemuseum? Es war dort die erste Veranstaltung in der Reihe Kultgarage. Die Frau aus dem Ruhrpott ging gesellschaftliche Befindlichkeiten mit Ironie an, spottete über die zahlreichen Männer in karierten Hemden, ging, nein lief mehr Akkordeon spielend durch die Reihen, stand wieder auf der Bühne und sang bitter-böse Texte. Als sie später noch einen Abstecher in die Welt des Tangos machte, war es endgültig um das Publikum geschehen. „Träume und Tabletten“, hieß damals ihr Programm. Und die zierliche La Signora war zur Powerfrau geworden. Johannes Dennda erinnert sich an den Auftritt: „Wir hatten Spaß, ja bis in alle Backen!“ Im Café Kartenberg wurde das auch im Gespräch deutlich. La Signora erzählte warmherzig, wie sie in Freiburg bei der jährlichen Künstlermesse die Werbeauftritte von Kolleginnen und Kollegen moderiert. „Da geht es um Existenzen“, sagt sie und man spürt, wie sie sich um das Wohl der Kollegen sorgt.

Mischung aus Ruhrpott und Italien

Heike Gräfe übrigens lobte im Gespräch das heimische Publikum: „Es ist nie unangenehm mit den Künstlern umgegangen.“ La Signora überzeugte mit ihrer Kunst die Besucher der Kultgarage als fürchterlich schrille und auch mal burschikose Frau, mitleidend und oft voller Glückseligkeit. Sie verkörpert auf der Bühne eine Mischung aus Ruhrpott und Italien, eine geglückte Symbiose. Im Café Kartenberg plauderte sie über das Netzwerk von Komödiantinnen, von den Plänen der Frauen im kommenden Jahr. Sie erzählte auch von ihrem privaten Glück – das Gärtnern und Kochen.

Nach zwei Stunden: Eine Frau mit offenem Haar und Straßenkleidung steigt auf dem Parkplatz zwischen Friedrich- und Voerder Straße in ihr Auto. Es ist Carmela de Feo, die wir als Bühnenfigur La Signora schätzten gelernt haben. Sie fährt nach Köln ins „Gloria“. Dort wird ihre Mitwirkung bei der „Ladies Night“ aufgezeichnet.

INFO:

La Signora, bürgerlich Carmela de Feo, stammt aus Oberhausen. Sie studierte an der Folkwang-Hochschule Akkordeon, war auch Meisterschülerin.

La Signora wurde mit zahlreichen Preisen geehrt, unter anderem mit dem „Bochumer Frechdax“ und der „Goldenen Berta“ bei den Eifeler Kulturtagen. Im Jahre 2008 erhielt sie den Schwelmer Kleinkunstpreis.

Mit dem „Kultgaragen-Fuchspreis“ wurde La Signora für ihren Auftritt im Jahre 2016 ausgezeichnet. Aus terminlichen Gründen konnte sie ihn erst jetzt entgegennehmen. Der Preis für die Spielzeit 2017 werde in Kürze vergeben, kündigten Johannes Dennda und Heike Gräfe an.

Bisherige Preisträger sind Max Uthoff und Michael Steinke (2010), Franziska Mense-Moritz und Sebastian Puffpaff (2011), Chin Meyer (2012), Barbara Ruscher (2013), Torsten Sträter (2014), Timo Wopp (2015) und La Signora (2016).

Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik