Rassismusvorwürfe

Kroatischer Prediger bringt Kirche in Bedrängnis

Zlatko Sudac gilt als charismatischer Prediger. Auf Einladung der kroatischen Gemeinde ist er in Ennepetal.

Zlatko Sudac gilt als charismatischer Prediger. Auf Einladung der kroatischen Gemeinde ist er in Ennepetal.

Foto: WP

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Ennepetal.  Der Besuch eines charismatischen Predigers und eines Musikers im Rahmen von Besinnungstagen an diesem Wochenende in der kroatischen Gemeinde in Ennepetal bringt die Propsteigemeinde St. Marien in die Bredouille. Es besteht der Verdacht, dass unter dem Dach der Kirche St. Martin Personen eine Bühne bereitet wird, die der nationalistischen beziehungsweise rechtsradikalen Bewegung in Kroatien nahestehen. Weil sich das nicht wasserfest belegen lässt, sieht Propst Norbert Dudek aber keine Handhabe, vom Hausrecht Gebrauch zu machen und die Veranstaltung zu unterbinden.

Hinweis aus Siegen

„Ich finde das persönlich nicht gut, aber ich habe nichts in der Hand“, erklärte Dudek im Gespräch mit unserer Zeitung. Dass ihm nicht wohl bei der Sache ist, gibt er unumwunden zu.

Darum geht’s: Ein Siegener hat sich bei Dudek gemeldet und ihn darauf hingewiesen, dass es sich bei den eingeladenen Prediger Zlatko Sudac und seinem Begleiter, dem Musiker Ivan Puljic, um zwei dubiose Figuren handele. Sie seien verbandelt mit der rechtsradikalen Bewegung in Kroatien. Zlatko Sudac gilt als charismatischer Priester, dem zwei Stigmatisierungen widerfahren sein sollen. Er hält in Europa und in den USA Glaubensseminare ab. Viele sehen in ihm einen Heilsbringer. Der Informant erklärte, er trete als „neuer Jesus“ auf.

Ivan Puljic soll Freund des Rockmusikers Marko Perković sein, der mit seiner Rockband „Thompson“, benannt nach einem Maschinengewehr, in Kroatien sehr populär ist. Die Schweiz verhängte 2009 ein Einreiseverbot gegen Perković mit dem Verweis auf hetzerische, rassistische und den kroatischen Faschismus verherrlichende Texte seiner Band. Im Internet kursieren Fotos, die Ivan Puljic mit Marko Perković zeigen. Perković soll auf seinen Internetseiten regelmäßig für die gemeinsamen Auftritte von Zlatko Sudac und Ivan Puljic werben.

Dem Siegener geht es um Aufklärung. Er will verhindern, dass unter dem Dach der Kirche einer Bewegung eine Plattform geboten wird, die mit christlichen Werten nicht in Einklang zu bringen ist. Er selbst habe miterlebt, wie dies die kroatische Gemeinschaft in Siegen gespalten habe, wo Pfarrer Vinko Puljic, Bruder des Musikers Ivan Puljic, die Gemeinde leitet. Auch Pfarrer Vinko Puljic sei ein Freund des rechten Rockmusikers Marko Perković. Es gibt gemeinsame Fotos.

In Siegen wurde der Auftritt von Sudac und Puljic im April zum Fall für den Pfarrverbund Siegen-Mitte und das Bistum Köln. Auch dort standen Hinweise auf faschistoide Hintergründe im Raum, die letztlich nicht belegt werden konnten. Der Pfarrverbund dort entschied, die Veranstaltung in der Kirche aus organisatorischen Gründen zu untersagen – weil das Gotteshaus für die erwarteten 500 bis 600 Gäste zu klein gewesen wäre. Die kroatische Gemeinde wich daraufhin kurzerhand in eine Halle aus.

Mit den Befürchtungen des Informanten konfrontiert, machte sich Propst Dudek sofort daran, alles über Zlatko Sudac und Ivan Puljic in Erfahrung zu bringen. „Ich habe alles rauf- und runtergegoogelt“, erzählt er. Bei Sudac sei die Nähe zu nationalistischen Kreisen „nicht ganz von der Hand zu weisen“. Das würden auch Fotos belegen. Aber: „Es gibt nichts Handfestes, nichts Belastbares, wo er selbst etwas in dieser Richtung gesagt hat.“ Dudek vermutet, dass der Charismatiker sehr darauf achte, was er öffentlich von sich gibt. Was die theologische Einordnung betrifft, hält Dudek Sudac für „wenig glaubwürdig“. Ein wasserdichtes Urteil darüber zu fällen, sei aber „sehr, sehr schwierig“.

Anders bewertet Dudek den Musiker Ivan Puljic. Bei ihm gebe es „nachweisbare Verbindungen“ und engen Kontakt zu den Rechten. Dass er, Dudek, die Veranstaltung unter dem Dach der Kirche dennoch nicht verbiete, begründet er damit, dass Sudac der eigentliche Gast sei, Puljic nur sein Begleiter. Wäre Puljic alleiniger Gast, hätte er die Veranstaltung in der St.-Martin-Kirche untersagt.

Bistum Essen trägt Entscheidung mit

Das Bistum Essen, das von Dudek informiert wurde, trägt die Entscheidung mit. Seine Bedenken habe er der kroatischen Gemeinde übermittelt, erklärte Dudek. „Ich hätte mir gewünscht, früher davon zu erfahren.“ Dann wäre es möglich gewesen, ausführlicher zu recherchieren.

Das Büro der kroatischen katholische Gemeinde Ennepetal/Lüdenscheid bezeichnete das Ganze als „Quatsch“. Man habe die Veranstaltung in Siegen besucht und sei begeistert gewesen vom Auftritt des Zlatko Sudac. Der Prediger verkaufe sich nicht als neuer Jesus. Wäre es so, hätte man ihn nie eingeladen. Aussagelos seien auch die Internet-Fotos – wie die des kroatischen Pfarrers Vinko Puljic aus Siegen mit dem rechten Rockmusiker Marko Perković. Das sei bei der Festmesse für den entlassenen Dario Kordic in Zagreb aufgenommen worden, hieß es. Beide seien dort gewesen, mehr nicht.

Zur Einordnung: Kordic ist veurteilter Kriegsverbrecher, der für die Ermordung von 116 Menschen in Bosnien-Herzegowina verantwortlich gemacht wurde.

Der Staatsschutz in Hagen teilte auf Nachfrage mit, dass über Zlatko Sudac und Ivan Puljic keinerlei Erkenntnisse vorlägen. Nach einer ersten schnellen Recherche könne man die Befürchtungen des Siegener Informanten und auch die Entscheidung von Propst Dudek nachvollziehen. Man könne nichts Handfestes finden, und doch habe man das Gefühl, dass es sich um schräge Typen handelt. „Das ist unangenehm für die Gemeinde“, hieß es beim Staatsschutz.

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