Historische Bibliothek

„Launigte Winter-Mährchen“ erzählt

Die Lesereihe „Altes neu entdeckt“ der Historischen Bibliothek hat ein Stammpublikum. 50 Gäste verfolgen die Geschichten über Märchen.

Foto: Christian Werth

Die Lesereihe „Altes neu entdeckt“ der Historischen Bibliothek hat ein Stammpublikum. 50 Gäste verfolgen die Geschichten über Märchen. Foto: Christian Werth

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Schwelm.  Nur der Kamin fehlte bei diesem wohligen Winter-Arrangement. Doch auch ohne klirrend kalte Außentemperaturen und wärmendes Feuer war es besonders gemütlich im altehrwürdigen Haus Martfeld. Die kulturelle Lesereihe „Altes neu entdeckt“ lockte zum letzten Mal in diesem Jahr rund 50 Gäste an und verzeichnete somit erneut eine große Resonanz.

50 Gäste beim Heimatkunde-Verein

Die stimmungsvolle Lesung des Vereins für Heimatkunde widmete sich diesmal alten Märchenerzählungen und präsentierte dazu das 1780 von einem unbekannten Autor veröffentlichte Werk „Launigte Winter-Mährchen beym Camin zu erzählen“. Dabei trugen die beiden Heimatvereins-Vertreterinnen Anne Peter und Heike Rudolph abwechselnd ausgewählte Geschichten der insgesamt 42, in Versform veröffentlichten Märchen vor.

Abgesehen von einigen Wasserflecken ist das historische Kulturgut erstaunlich gut erhalten und verrät durch einen Namens-Schriftzug im Innenband, dass ein Schwelmer namens Friedrich Evertsbusch der letzte Besitzer des Märchenbuchs gewesen ist. Das Werk ist wie alle anderen historischen Bücher nicht ausleihbar, steht den Bürgern jedoch in der wachsenden historischen Martfeld-Bibliothek unter Zuhilfenahme von papierschonenden Samthandschuhen zur Lektüre zur Verfügung.

Bei der Lesereise ins 18. Jahrhundert kamen einstige Alltagserlebnisse, zwischenmenschliche Kuriositäten und Lebensweisheiten ebenso zum Vorschein wie die damalige Sicht auf Mitmenschen, Natur und Witterung. Kommentierungen der beiden Rednerinnen kamen ebenfalls nicht zu kurz und präsentierten Vergleiche zu späterer Märchen-Literatur wie etwa die rund 30 Jahre später erschienenen Grimm-Märchen bis hin zu Vergleichen zwischen heutiger und damaliger Wahrnehmung der Natur. „Erzählungen nähern sich der Natur am nächsten an, wobei dieses Werk durch seine blumige Schreibweise auf einen weiblichen Autor schließen lässt“, analysierte Anne Peter und ergänzte, dass Frauen als Schriftstellerinnen damals sehr selten gewesen, jedoch Ende des 18. Jahrhunderts erstmals in Erscheinung getreten seien.

„Wir wollen mit diesem Abend damalige Themen aus neuerer Sicht widerspiegeln“, erklärte Heike Rudolph und griff zunächst die polarisierende Wetterwahrnehmung als ein im Wandel der Epochen höchst unterschiedlich bewertetes Phänomen auf. Dass die Winter damals nicht strenger gewesen seien und das Wetter heutzutage dramatisiert und durch die eigenen Sentimentalitäten in seiner Wahrnehmung verklärt würde, gab Rudolph zu bedenken und zitierte einen Blog des deutsch-russischen Schriftstellers Wladimir Kaminski.

Kulinarischer Schmaus

Zu einem gelungenen Ambiente trug auch die Bläsergruppe um Jürgen Kuss mit weihnachtlich-stimmungsvollen Klängen bei. Neben dem kulturellen Leckerbissen wurde zur Überraschung des Publikums zudem ein kulinarischer Schmaus in Form eines Bratapfels geboten, der passenderweise durch einen „Bratapfel-Bariton“ musikalisch angekündigt worden war. „Ein richtig lauschiger Abend. Ich fand es sehr spannend, etwas über die damalige Vorstellung der Menschen zu erfahren“, lobte auch Zuhörerin Doris Winkler.

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