Ennepetal.

Mädchen gießen lieber Zinn-Engel als Soldaten

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Ennepetal.  „Da kommt unser Engelspezialist“ zeigte Gerhard Preuß auf Horst Berens, der kleine Engelfiguren aus der Form gehoben hatte. Die Stimmung war gelöst, nicht so die Häkchen, die samt Engel gegossen wurden, damit man diesen um den Hals tragen kann.

Ein Engel muss nicht unbedingt nur zur Weihnachtszeit gestaltet werden. Schutzengel begleiten uns nämlich übers ganze Jahr – und so entschieden sich zahlreiche „Erstgießer“ für eine Engelform, an die man sich im Industriemuseum im Rahmen des angebotenen Zinnprojektes machte. Das Angebot der Mitglieder vom Förderkreis Industriekultur richtete sich an Mädchen und Frauen aller Altersgruppen. 18 Teilnehmer waren gekommen, wobei man ein Auge zudrückte, dass auch Yannik, der Mama Diana Gerhardt begleitet hatte, gießen wollte. Der Achtjährige hatte übrigens kürzlich im Industriemuseum den „Gesellenbrief“ erhalten, da er bereits sechs Formen gegossen habe, so Rainer Finke, der das Projekt Zinngießen ins Leben gerufen hatte und erklärt, dass die kleinste Figur, die an diesem Tag gegossen werden kann 1,3 Zentimeter, die größte etwa sieben Zentimeter misst.

Künstlerin gibt Tipps

„Der Wunsch, Zinnsoldaten herzustellen, besteht heute nicht“, sagte Rainer Finke. Das sei wohl doch eher etwas für Jungen. Die können sich dann auf September freuen, denn dann werden Männer und Jungen zum Zinngießen eingeladen. Dass man diesmal Mädchen und Frauen den Vorzug gab, habe auch einen historischen Hintergrund. „In dem Gebäude des Industriemuseums, der ehemaligen Schraubenfabrik Bödecker, Ebbinghaus & Co., haben Mädchen und Frauen gearbeitet, nicht immer zu besten Bedingungen und zu gleichen Löhnen wie die Männer“, sagte Finke. So habe sich auch ein Arbeitskreis „Frauengeschichte im Industriezeitalter“ gegründet, der sich mit dem Thema auseinandersetzt.

Hilfe bei der künstlerischen Gestaltung und beim Dioramenbau gab es von der Künstlerin Mechthild Schierhold aus Hagen. Das Projekt Zinngießen startete erstmals im vergangenen Jahr. Schon da sei das Interesse riesig gewesen, freuen sich die Mitglieder des Förderkreises.

„Früher, um 1900, gab es viel Spielzeug aus Zinn wie Ritter und Soldaten oder auch Märchenfiguren. Die wurden in festen Formen aus Holz, Ton und Gips gegossen. Das Zinn wurde in kleinen Tiegeln auf dem Ofen erhitzt, zum Schmelzen gebracht, dann in die Form gegossen“, erklärte Finke. Anschließend seien die Figuren bearbeitet, poliert und mit Öl- oder Spiritusfarben bemalt worden.

Dankbar sei man der AVU, die das Projekt durch Unterstützung und Förderung im Rahmen von „Junges EN 2014“ ermöglicht habe, erklärte Rainer Finke. Auch der Firma Jacob, die Zinn gespendet habe, sowie Privatleuten, die in Keller und Dachboden nach alten Formen gesucht haben, gebühre Dank. Auf Trödelmärkten sei man ebenso fündig geworden. Ziel soll sein, so Rainer Finke und Horst Berens, generationsübergreifend miteinander etwas zu erschaffen, Spaß zu haben und sich auszutauschen.

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