Geschichte

Matinée zeigt, wo die Schwelme mit Füßen getreten wird

Schon früher speiste die Schwelme das alte Strandbad. Diese Postkarte stammt aus der Zeit um 1936.

Schon früher speiste die Schwelme das alte Strandbad. Diese Postkarte stammt aus der Zeit um 1936.

Foto: Privat

Schwelm.   Die Zehnte Matinée mit dem Thema Schwelme ist auf großes Interesse gestoßen. Viele Gäste kamen zu den Vorträgen ins Haus Martfeld in Schwelm.

Wer noch nicht wusste, an welchen Stellen im Schwelmer Stadtgebiet wir die Schwelme mit Füßen treten, weil sie zum größten Teil kanalisiert verläuft, wer den Sternburgbach, den Drosselbach oder den Köttchener Bach noch nicht kannte, der konnte dies und noch vieles mehr bei der Matinée im Haus Martfeld erfahren.

Das spannende Thema lockte sehr viele interessierte Bürger und so war das Haus bei dieser zehnten Matinée mehr als gut gefüllt.

Einst ein idyllisches Flüsschen

Im ersten Vortrag machte Dr. Klaus Koch deutlich, dass die Schwelme einst ein idyllisches Flüsschen mit Schwimmbädern und schönen Ausflugzielen war. Die Schnupftabaksmühle, die 1886 über 3.000 Sitzplätze verfügte und der „Döinghauser Spring“ waren Beispiele für beliebte Lokale am Wasser, die Schwelm zu einem Ausflugsparadies machten.

Mit hochinteressanten Landkarten, Luftbildern und vielen Fotos ging Koch auf Bachläufe ein, zeigte den Verlauf der Schwelme und erläuterte, dass es auch eine Nördliche Schwelme gibt. Die war allerdings namenlos, bis im Gebiet um den Brunnenhof ein Wohngebiet erschlossen wurde. Die Anwesenden erfuhren, welche zahlreichen kleinen Bäche die Schwelme speisen und dass die Brennerei Leverings ihren Schnaps wohl mit dem Wasser des Göckinghofer Bachs brannte, denn die Firma besaß die Wasserrechte daran.

„Misshandlung“ der Schwelme

Mit der Industrialisierung begann die „Misshandlung“ der Schwelme, so Koch, und er zeigte anschaulich, wann und an welchen Stellen die Schwelme in Kanäle gezwängt wurde und wo sie heute noch tief unter Straßen und bebauten Gebieten fließt. Die 80 Folien, mit denen Koch durch seinen Vortrag führte, hingen auch großformatig an Bilderwänden aus und wurden in der Pause von vielen Besuchern intensiv studiert. Da die Schwelme mit ihren Zuflüssen zur Wupper hin fließt, ist der Wupperverband zuständig.

Schon 1930 als Genossenschaft für „Flussgebietsmanagement“ gegründet, verantwortet er heute die Wasserver- und -entsorgung für circa 900.000 Einwohner, unabhängig von kommunalen Grenzen. Dr. Volker Erbe und Jens Klingebiel, die als Referenten des Wupperverbandes für diese Matinée gewonnen werden konnten, stellten in ihren Vorträgen die Verrohrung der Schwelme und die Möglichkeiten der Renaturierung dar. Jahrzehntelang habe man das Wasser in Kanäle und Rohre gepresst, auch private Grundstückseigentümer hätten die Gewässer verrohrt, so dass das natürliche Gewässer aus dem Blick der Bevölkerung verschwunden sei. „Vieles lässt sich nicht mehr in einen natürlichen Zustand zurückführen“, so Klaus Erbe. Es gelte aber „den Wasserschatz wieder zu entdecken“, und das Thema stärker in das Bewusstsein der Menschen zu bringen.

Jens Klingebiel erläuterte, warum die Verrohrung der Schwelme, die unter dem Eisenwerksgelände verläuft, dringend erneuert werden muss. Der etwa 570 m lange Kanal ist mehr als 100 Jahre alt, und Untersuchungen haben gezeigt, dass er an einigen Stellen stark einsturzgefährdet ist: „Dieses Rohr steht nur noch aus Gewohnheit“, so Klingebiel. Deshalb werden 610 m Schwelme komplett neu verrohrt.


>>>>Michael Treimer berichtet über erfolgreiche Renaturierung<<<<


Um erfolgreiche Renaturierung ging es im anschließenden Vortrag von Michael Treimer, der zusammen mit Schülergruppen des Märkischen Gymnasiums die Teiche und Tümpel im Verlauf der südlichen Schwelme entfernt, und neue geschützte Tümpel für Amphibien angelegt hatte.

Große Bedeutung der Siepen

Michael Treimer erläuterte auch die große Bedeutung der Siepen, der engen feuchten Täler mit kleinen Bächen, für das Klima in der Stadt. „Unsere Siepen versorgen uns mit frischer Luft“, betonte Treimer, und warnte vor einer Veränderung dieser Frischluftzufuhr durch weitere Bebauung z.B. der Sophienhöhe.

Im Zuge der Renaturierung wurden einige alte Feuerlöschteiche stillgelegt. Um im Falle von Waldbränden über Löschwasser zu verfügen, wurden zwei große Tanks mit je 60.000 Litern Wasser, einer an der Waldlust, einer an der „Schinkenbrücke“ (Schwelmequelle) ins Erdreich eingelassen.

Löschfahrzeug vor Ort

Matthias Jansen, Leiter der Schwelmer Feuerwehr, erklärte diese Maßnahmen und demonstrierte anschaulich, mit welcher Ausrüstung Waldbrände bekämpft werden. Nicht nur B-, C-, und D-Schläuche hatten die Feuerwehrleute mitgebracht, wer wollte, konnte in der Pause sogar in einem Löschfahrzeug Platz nehmen.

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