Geschichte

Mission gestern und heute Thema im Haus Martfeld

Sorgten für einen unterhaltsamen Abend (von links): Hildegard Berg, Dr. Ipyana Mwamugobole und Anne Peter.

Sorgten für einen unterhaltsamen Abend (von links): Hildegard Berg, Dr. Ipyana Mwamugobole und Anne Peter.

Foto: HB

Schwelm.   In der Reihe „Altes neu entdeckt“ stellt Hildegard Berg den „4. Bericht der Missions-Gesellschaft in der Grafschaft Mark vom Jahre 1837“ vor

Altes neu entdecken und einen Ausflug in die Gegenwart machen, das konnten die zahlreichen Besucher wieder im Haus Martfeld. Im Mittelpunkt der Kulturreihe „Altes neu entdeckt!“ des Vereins für Heimatkunde und der Wilhelm-Erfurt-Stiftung für Kultur und Umwelt stand diesmal das historische Buch „4. Bericht der Missions-Gesellschaft in der Grafschaft Mark vom Jahre 1837“ (Unna).

Hildegard Berg (Verein für Heimatkunde) hatte es in der wertvollen Historischen Bibliothek gefunden und sich mit ihm intensiv auseinandergesetzt. Das Buch selbst, vielmehr eine 33-seitige Broschüre, konnte aus Sicherheitsgründen nicht teilnehmen. Es sei viel zu restaurierungsbedürftig. Berg: „Ich habe Angst, dass es zerfällt.“ Daher kreiste diesmal nur eine Kopie. Umso mehr freute sich die Vorsitzende Anne Peter über die großzügigen Spenden der Anwesenden, die zum Erhalt der Bücher eingesetzt werden.

Der Missionsbericht gibt Rechenschaft über das 6. Jahr des Bestehens der Missions-Gesellschaft. Er berichtet über „die stillen Vorgänge im Reiche Gottes“ und der schwierigen Arbeit, der Geduld der Missionare, weniger über die zeitgenössischen Ereignisse. Dabei hatte die Missions-Gesellschaft in der Grafschaft Mark selbst noch keine eigenen Missionare entsandt, sondern unterstütze die rheinische Gesellschaft. Die hatte 1828 mit der Ausbildung von sechs Missionaren begonnen und am 30. Juni 1829 vier Brüder nach Wupper­thal, Südafrika, geschickt. Die dort eine Kirche bauten und „still und den äußeren Augen verborgen wirkten.“ Die Autoren setzten sich vehement für weitere finanzielle und geistige Unterstützung ein - „für Schützenfeste in der Mark würde mehr Geld ausgegeben.“

Kirche in Wupperthal aufgebaut

Nachdem an die Anfänge der Missionsarbeit informativ erinnert wurde, berichtete Dr. Ipyana Mwamugobole (47) aus heutiger Sicht. Mwamugobole ging sehr vorsichtig mit dem Wort „Missionar“ um. Es sei in der hiesigen Kultur negativ besetzt, während es in seiner Heimat (Tansania) ganz anders verwendet werde. Dort würde auch ein in einem Entwicklungsprojekt tätiger Ehrenamtlicher respektvoll als Missionar bezeichnet. Aus eigener Erfahrung berichtete er: „Es waren Menschen, sie hatten Herz.“

„Soll ich nach Papier arbeiten oder meine Vernunft benutzen?“ In seinen Augen gäbe es kein Beispiel, dass Missionare die afrikanische Kultur „kaputt gemacht hätten“. Sicherlich, die Tötung von Zwillingen und die Opferung von Menschen gäbe es nicht mehr. „Das Christentum ist für uns ein Rettungsmittel.“

Lebhaft schilderte er die fünf Säulen der heutigen Missionsarbeit (Evangelisation, Diakonie, Advocacy - Anwaltliches Handeln, Entwicklung, Partnerschaft), die geleistete Arbeit in den Projekten und gab viel aus seinem Leben preis. „Am Ende aber sei die Bildung das Rettungsmittel für die Menschen.“ Er habe in seinem Vorbereitungskurs für Deutschland gelernt „Wir reden nicht über Glauben, das ist wie die Unterhose – es sei uns peinlich.“ Aber er habe umlernen müssen — jeder sei anders. Am Anfang habe er gedacht: „Die Deutschen sind nicht gläubig genug, da sie wenig in der Kirche sind. Aber es gibt so viele christliche Aktivitäten, die nicht in der Kirche stattfinden und gut besucht sind.“ Wichtig sei für ihn generell, nicht nur in der Missionsarbeit, der gegenseitige Besuch: „Wenn Leute sich nicht treffen, geht die Beziehung kaputt“. Sein Motto – ein Lied – stimmte er schelmisch an: „Gut, dass wir einander haben und einander sehen....“ Jeder kann von jedem lernen – „wir brauchen einander.“ Mit seiner humorvollen, lebendigen Art und Weise hatte er die Zuhörer in seinen Bann gezogen. Missionsarbeit heute.

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