Gehölzpflege

Mit dem Baumprüfer von Straßen NRW unterwegs

Diese Kastanie an der Eichholzstraße, Ecke Hagener Straße, wird besonders in den Blick genommen, weil sie geschädigt ist.

Diese Kastanie an der Eichholzstraße, Ecke Hagener Straße, wird besonders in den Blick genommen, weil sie geschädigt ist.

Foto: Carmen Thomaschewski / WP

Gevelsberg.  Gehölzschnitt in Gevelsberg: Die Arbeiten rechts und links entlang der Eichholzstraße beginnen in der 44. Woche.

Für Sven Kottsieper ist ein Baum nicht gleich ein Baum. Er hat einen ganz besonderen Blick auf viele Dinge. Wie sieht die Baumkrone aus? Wie ist der Blattbewuchs, sind Pilze zu sehen, ist ein Schädlingsbefall zu erkennen? Rücken Bäume zu nah an die Straße und Bauwerke heran? Stehen die Stämme zu dicht beieinander? Wie ist das Verhältnis Höhe zum Baumdurchmesser? Viele Fragen, auf die er als Baumkontrolleur Antworten finden muss, um entscheiden zu können, was mit dem Baum passieren muss.

Eichholzstraße, Ecke Hagener Straße: Dort steht eine prachtvolle Kastanie, die meisten Blätter hat sie schon verloren, ein Pilzbefall ist deutlich zu erkennen, ausgehöhlte und vertrocknete Äste. „Diesen Baum haben wir sehr intensiv im Blick“, sagt Sven Kottsieper. Die Kastanie ist mindestens 100 Jahre alt und eine beachtliche Landmarke – und sie hat einige Nägel im Stamm. „Die werden für die Schallthomographie benötigt“, erklärt Kottsieper. Diese zeigt, wie es um das Innere des Baumes bestellt ist, wie standfest die Kastanie noch ist. „Ziel ist es, jeden Baum so lange, wie die Sicherheit es zulässt, zu erhalten. Wir machen es uns nicht leicht.“ Bäume seien wichtig, erklärt Kottsieper. Auch aus Sicherheitsaspekten. Sie festigen Böschung, dienen als Sicht-, Blend- und Windschutz bautechnisch, unterstützen die landschaftsgerechte Einbindung der Straße.

600.000 Bäume im Blick

Etwa 600.000 Bäume haben die Baumkontrolleure im Blick. Sven Kottsieper ist mit einem Kollegen für den Ennepe-Ruhr-Kreis, Hagen und den Märkischen Kreis zuständig und jeden Tag unterwegs. Wenn er nicht auf seinen regelmäßigen Kontrollfahrten ist, schaut er sich Bäume an, die durch Stürme oder Unfälle beschädigt wurden, immer dann, wenn Gefahr in Verzug ist. Ist diese zu groß, muss er auch mal ganze Straßenabschnitte sperren lassen. Die Zeit für die Kastanie ist noch nicht gekommen. Sie darf noch stehen bleiben.

Die Brücke, etwa 100 Meter weiter auf der Eichholzstraße in Richtung Silschede. Elf Bauwerke befinden sich auf der Eichholzstraße, die in diesem Jahr im Fokus der Gehölzpflegearbeiten von Straßen NRW steht. Etwa zehn, 20 Meter davor und danach würden die Brücken und Anlagen vom Grün frei gehalten, erklärt Kottsieper. Gehölze dürfen nicht die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer gefährden, indem sie die Sicht auf Schilder, Ampeln oder Kreuzungen verdecken. Los geht es mit den Arbeiten in der kommenden Woche.

Ecke Berchemallee. Hier ist eine von vielen Stellen entlang der Eichholzstraße, die eine wichtige Rolle beim Artenschutz einnehmen. Das hat ein Gutachten ergeben, das im Vorfeld der Maßnahme von der Landesbehörde in Auftrag gegeben wurde. Spechthöhlen, Eichhörnchennest, wichtiger Totholzbestand: Sven Kottsieper erklärt, dass behutsam vorgegangen werde, jeder einzelne Baum in einem Computerprogramm verzeichnet sei. Nicht nur das: Dort ist auch die gesamte Geschichte des Baumes aufgeführt, angefangen mit dem vermutlichen Pflanzdatum, wann er das letzte Mal begutachtet wurde, Fotos, Hinweise, die bei der Entscheidung helfen, was zu tun ist.

Sven Kottsieper erklärt, dass die Gehölzarbeiten entlang der Straße schachbrettartig alle 50 Meter vorgenommen werden. Gefahrenbäume werden gefällt, Kronen gepflegt, einzelne Gehölze entfernt, damit die verbleibenden neue Seitentriebe ausbilden.

Durch das abschnittsweise Vorgehen bei der Gehölzpflege haben Kleintiere und Insekten die Möglichkeit, sich auf die neue Situation einzustellen. Durch den Rückschnitt soll sich der Bestand insgesamt verjüngen und widerstandsfähiger zu werden.

Pendlerparkplatz Ecke Wittener Straße. Rund um die Parkfläche steht ein Blühstreifen in voller Pracht. „Wo es möglich ist und auch die Städte nichts dagegen haben, lassen wir immer häufiger Blühstreifen pflanzen“, erklärt Kottsieper und betont: Der Umweltschutz und Nachhaltigkeitsaspekt spiele bei den Arbeiten immer eine große Rolle. Auch das Holz, das im Rahmen der Gehölzpflegearbeiten zusammenkommt, werde verwertet und zu Ökostrom verarbeitet. Die Kosten für die Maßnahmen seien dennoch erheblich. 2017 waren es etwa 23 Millionen Euro.

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