Kultur

Museum nun barrierefrei mit Aufzug

Die Mitglieder des Kulturausschusses im neuen Treppenhaus von Haus Martfeld. Die dunkle Tür rechts ist die Aufzugstür.

Die Mitglieder des Kulturausschusses im neuen Treppenhaus von Haus Martfeld. Die dunkle Tür rechts ist die Aufzugstür.

Foto: Bernd Richter / WP

Schwelm.  Jeder, der meint, dass er das Museum Haus Martfeld in Schwelm kennt, der irrt. Bis zum Frühjahr wird die Ausstellung komplett neu aufgestellt.

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Nicht wiederzuerkennen ist das Treppenhaus im Haus Martfeld. Die geschwungene Stahltreppe musste einem Aufzugsschacht weichen, um den herum eine eckige Treppe geführt ist. In Kombination der neuen Rampe im Innenhof ist damit Schwelms gute Stube barrierefrei und nun erstmals für Rollstuhlfahrer zugänglich-- vorausgesetzt, der TÜV gibt seinen Segen. Die technische Abnahme des Aufzugs steht nämlich in den nächsten Tagen erst an.

Freie Blick auf Park Martfeld

Bei einem Gang durch das neue Museum konnten sich die Mitglieder des Kulturausschusses selbst ein Bild der Umbaumaßnahme machen. Neues Museum deshalb, weil auch ein neues Konzept die jahrzehntealte Ausstellung aufmischt. Die Umgestaltung des ersten Obergeschosses soll noch in diesem Jahr abgeschlossen, die obere Etage mit der Textilabteilung soll im Frühjahr 2020 fertig sein.

„Das Augenmerk in diesem Bereich liegt auf den Maschinen, die wir zum Laufen bringen wollen“, sagt Dr. Bärbel Jäger. Dazu ergänzt eine Schnürsenkel-Maschine, die zuvor im Bandwebermuseum in Wuppertal stand, den Maschinenpark in Schwelms guter Stube. Im Rittersaal, in dem früher die Trauungen stattfanden, soll Rittergeschichte erlebbar gemacht werden und der Schatz des Münzkabinetts soll aufgelöst und im Museum an die Stellen kommen, „wohin sie passen“, so die Museumschefin.

Noch viel Arbeit wartet auf das Museumsteam, vieles der Planungen ist erst in Ansetzen umgesetzt worden. Was aber positiv auffällt, ist der freie Blick durch die neuen Fenster auf den Park Martfeld mit Springbrunnen, Spielplatz und Kapelle. Jahrzehntelang war der Blick durch die Glasscheiben durch die davor stehenden Exponate versperrt.

Streitpunkt ostdeutsches Kulturgut

Ein Streitpunkt zeichnete sich in der dem Rundgang anschließenden Sitzung des Kulturausschusses ab. Und zwar geht es im weiteren Sinne um die Neukonzeption der Ausstellung. Dr. Jäger und die Vertriebenen-Vereinigungen in Schwelm, die Landsmannschaften Ostseestrand und Schlesien, haben durchaus unterschiedliche Ansichten, wie und in welcher Art und Weise auf die Geschichte der Vertriebenen, die nach dem zweiten Weltkrieg in Schwelm sesshaft wurden, eingegangen werden soll. Bisher hatten sie mehrere Schaukästen, prall gefüllt mit ihrer Geschichte und Erinnerungsstücken, im Museum stehen. Dass das künftig nicht so bleiben wird, machte Dr. Jäger klar.

Die CDU-Fraktion hatte das Thema „Geschichte der Vertriebenen in Schwelm“ mit einem kurzfristig eingereichten Antrag auf die Tagesordnung gehievt. „Es geht tatsächlich um Erinnerungskultur und darum, welche Exponate in die Vitrine kommen“, so die Auffassung von Dr. Jäger. „Das Museum soll ein Lernort sein, ob wir da heute übereinkommen, weiß ich nicht“, so die Museumsleiterin zu Norbert Brosat, beratendes Mitglied im Kulturausschuss.

Der Vorsitzende der Landsmannschaft Schlesien ließ sich mit dieser Erklärung nicht abspeisen, sprach von 8000 Vertriebenen, die nach Schwelm gekommen seien und ihren Nachfahren. „Das sind 30 bis 40 Prozent der Bevölkerung“, rechnete er vor. Geschichte und Gedächtniskultur prallten aufeinander – ohne wirklich in der Diskussion inhaltlich zusammenzurücken.

Matthias Kampschulte (CDU) plädierte nach dem Schlagabtausch schließlich dafür, dass sich alle gemeinsam an einen Tisch setzen sollten, um eine tragfähige Lösung zu erarbeiten. Der Antrag der Christdemokraten wurde schließlich in den nächsten Kulturausschuss im März 2020 vertagt.

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