Geschichte

Nachtwächter nimmt Leser mit auf Zeitreise durch Schwelm

| Lesedauer: 4 Minuten
Die Nachtwächterführung mit Christian M. Fasel macht Station in der Brauereigasse.

Die Nachtwächterführung mit Christian M. Fasel macht Station in der Brauereigasse.

Foto: Bernd Richter

Schwelm.  Das erlebten unsere Zeitungsleser auf ihrer exklusiven Nachtwächtertour durch Schwelm mit Christian M. Fasel.

Zeitungsleser wissen mehr. Auch die Leser dieser Zeitung, die das Glück hatten, einen der begehrten Plätze für die Nachtwächterführung mit Ehrenobernachtwächter Christian M. Fasel zu ergattern, können das bestätigen. Die Redaktion hatte im Rahmen der Serie „Freizeit erleben - Ab vor die Tür“ über den 60-Jährigen berichtet, der seit mehreren Jahren Grundschulklassen und private Gruppen im Gewand eines Nachtwächters mit auf eine Zeitreise durch Schwelm nimmt. Als besondere Dreingabe hatten wir zur exklusiven Leser-Nachtwächtertour eingeladen und die zur Verfügung stehenden Plätze im Rahmen eines Gewinnspiels verlost.

Berühmte Schwelmer

Seit dem Dienstagabend wissen die Gewinner, dass auf dem Altmarkt einst ein Brunnen stand, die Christuskirche lange Jahre „nur“ große Kirche hieß und erst 1930 ihren heutigen Namen bekam und der Schalker Fußballspieler Rolf Rüssmann († 2009) neben Bundespräsident Gustav Heinemann, dem Sänger Franz Josef Degenhardt († 14. November 2011), dem Kardinal und Erzbischof Johannes Joachim Degenhardt († 2002) und auch der Autobauer Erich Bitter alle Schwelmer Jungs waren. Der Chronistenpflicht genüge getan sei erwähnt, dass Gustav Heinemann bei einem Zwischenstopp seiner Eltern in Schwelm geboren wurde und von den Stadtvätern am 7. September 1969 zum Schwelmer Ehrenbürger ernannt wurde. Das waren nur einige der interessanten Ausführungen, die Ehrenobernachtwächter Fasel auf seiner Runde durch Schwelm kundtat.

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In seinem Nachtwächteroutfit mit langem Mantel, Horn, der Hellebarde in der Hand und der Laterne mit brennender Kerze ist Christian M. Fasel schon eine eindrucksvolle Erscheinung. Das Gewand war bei seiner jüngsten Tour ganz praktisch. Es hielt warm und den leichten Regen stand, der die Tour mit den Gästen dieser Zeitung zeitweise begleitete. Da war auch der eingeplante Zwischenstopp für die Gewinner in der Gaststätte Am Müöllendiek in der Oberstadt eine willkommene Pause. Bei einer heißen Gulaschsuppe samt Getränk konnten die Teilnehmer sich wieder aufwärmen und neue Kräfte schöpfen.

Altmarkt-Brunnen

Besonders das Kapitel Brunnen, das der Nachtwächter auch angeschnitten hatte, ist es wert, einmal näher aufgegriffen zu werden. Schwelm hat heute drei Brunnen im Bereich der Innenstadt, die in den Sommermonaten munter sprudeln. Einer steht vor Tchibo, der Kaal & Krißjan-Brunnen in der Nostalgiezone aus der Werkstatt von Steinmetz Kessler und der Wasserträger-Brunnen am Fronhof. Doch es hätte nicht viel gefehlt, dass die Schwelmer noch einen weiteren Brunnen bekommen hätten und zwar auf dem Altmarkt. 1993 gab es sogar einen Ideen-Wettbewerb, in dessen Rahmen vier Modelle angefertigt wurden, die damals in der Sparkasse ausgestellt waren. Zwei stammten von Walter Kessler und sollten zwischen 120.000 und 200.00 Mark kosten, zwei weitere Entwürfe lieferte der Gevelsberger Metallgestalter Walter Hoppe. Ihre Umsetzung war mit 100.000 Mark veranschlagt. Doch damals wie heute war in der Stadt Schwelm das Geld knapp, so dass der Kulturausschuss im Oktober 1993 entgegen des Beschlussvorschlags der Verwaltung einen Schlussstrich unter die Brunnen-Pläne für den Altmarkt zog. Die hätte das Projekt gerne verwirklicht gesehen mit dem Ziel, zum 500-jährigen Stadtjubiläum 1996 einen weiteren Brunnen einweihen zu können. Verschönerungsverein und Verein für Heimatkunde, die als Sponsoren auftreten wollten, konzentrierten sich von da an auf den Erhalt der Kapelle am Haus Martfeld.

Mit dem Bau eines Brunnens wollte der Verschönerungsverein an die Steinfontäne erinnern, ein städtisches Brunnenbecken, das dort einst zu finden war und wahrscheinlich um 1756 einen alten hölzernen Brunnen ersetzte. In späteren Jahren als der Brunnen versiegte bzw. nicht mehr gebraucht wurde, wurde der Brunnenschacht mit einer runden Abdeckung verschlossen, auf der fortan eine Laterne stand und auf alten Fotos noch zu entdecken ist. Ein Asphaltkreis auf der sonst gepflasterten Fläche des Altmarkts erinnert heute an den Standort der Fontäne. Auch die Bestrebungen der Nachbarschaften und der Dacho in späteren Jahren, dort einen Nachbarschaftsbrunnen zu bauen, waren letztendlich nicht von Erfolg gekrönt.

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