Kultur

Ohne Publikum fehlt den Schwelmer Musikern etwas

Seit fünf Jahren gibt Open Stage Streetstyle Künstlern ein Podium, ihr Können zu beweisen – diesmal Open-Air im Jugendzentrum.

Seit fünf Jahren gibt Open Stage Streetstyle Künstlern ein Podium, ihr Können zu beweisen – diesmal Open-Air im Jugendzentrum.

Foto: Heike Büchsenschütz

Schwelm.  Bereits im 5. Jahr bietet „Open Stage Streetstyle“ in Schwelm Künstlern eine Bühne. Sowohl Akteure als auch Publikum genießen das Live-Musizieren.

Einen Tag vor dem Weltkindertag erklang aus dem Atrium des Jugendzentrum wieder Musik. Möglich gemacht hatten es dieses Jahr wieder Jens Barnstein vom Jugendamt und der Schwelmer Musiker und Lehrer Daniel Hinzmann im Rahmen der Konzertreihe „Open Stage Streetstyle“. Mittlerweile im 5. Jahr, planen die beiden drei Veranstaltungen im Jugendzentrum und sie sind optimistisch: „Wir schaffen das auch dieses Jahr – mit oder ohne Corona.“

Junge und jung gebliebene Künstler aus der Umgebung haben hier die Möglichkeit, sich einem neugierigen Publikum vorzustellen. Die erste Veranstaltung ging vor dem Lockdown auf die Bühne, die zweite konnte als traditionelle Open-Air im Rahmen des Weltkindertages angemeldet werden – nur eben mit erheblich weniger Zuschauern (50) und sehr viel mehr Aufwand. Finanziell unterstützt wurden sie von dem Kulturrucksack NRW.

Großer Aufwand seit Corona

Das dritte Konzert soll auf jeden Fall im Rahmen der Suchtwoche „Sucht hat immer eine Geschichte“ am 14. November stattfinden. „Ob mit oder ohne Publikum – je nach Corona-Lage – eventuell zeichnen wir es auf und stellen es ins Internet.“ Da sind sich die Veranstalter einig. Barnstein hatte mit seinen Mitarbeitern ein beeindruckendes Hygienekonzept (Einbahnstraßen-Verkehr, mehrfach wurde desinfiziert, Kontaktformulare, gesperrte Sitzreihen...) unter Einhaltung des Datenschutzes umgesetzt. Dies alles frisst Zeit, Kosten, Manpower.

Nicht nur das Publikum genoss die harmonische Atmosphäre – , auch die Künstler genossen den Anblick des Publikums. Da waren sich das Duo Troyh & Aign, Nils Rauhaus, der „VUCHS“! (Luc Packlidat) und die Jugendzentrumsband The Speroes alle einige „Es ist toll, vor Publikum spielen zu dürfen.“ Und Nils Rauhaus, (24, angehender Lehrer für Physik/Englisch) sinnierte: „Es war zudem mein erster Soloauftritt und die meisten Lieder habe ich jetzt zum ersten Mal vor Publikum gespielt – das ist etwas total anderes, als wenn man sie allein im Zimmer spielt.“ Er sei sonst ein Part des Duos „Ruins!“, was aber auch Corona-bedingt pausiere. Das Lampenfieber hielte sich in Grenzen - „es liegt wohl an meiner Heimatstadt Schwelm.“

Viele Zuschauer waren konkret für einen Musiker gekommen – „endlich wieder Schwelmer Musiker live hören“ – und waren überrascht, was man so um seinen „Favoriten“ noch für ausgezeichnete Musik zu hören bekam. Der Gevelsberger Andreas Baumeister (53): „Ich bin wegen Karsten da. Wir sind zusammen im Sportverein - wir wollten ihn einfach mal wieder richtig live hören.“ Sein Lob umschloss aber alle Akteure: „Da waren viele gute Sachen dabei. Hip-Hop ist nicht so ganz meins, aber da werden einige wohl ihren Weg machen.“

Mit Karsten war der vielseitig talentierte Bildhauer Karsten Müller (54) gemeint, der mit Jürgen Janßen (53) das Duo „Troyh & Aign“ (ein Wortspiel aus „treu & eigen“) bildet. Auch wenn Müller als Mitglied des Rockorchester Ruhrgebeat einige Konzerte hatte, mit seinen eigenen Liedern stand er ebenfalls zum ersten Mal wieder auf der Bühne. Das Duo zeigte, zu was für einer musikalischer Leistung man sich in 30 Jahren entwickeln kann, wenn man genauso wie die jüngeren Künstler für die Musik brennt. Aber auch Profis sind vor Lampenfieber nicht gefeit. Jürgen Janßen, vor Corona jeden Abend für den perfekten Ton beim Musical Starlight Express in Bochum verantwortlich: „Ich hatte heute morgen doch ein leicht kötzeliges Gefühl.“

Nach dem „Papa“ der Ennepetaler Fuchsskulpturen eroberte Luc Packlidat als der „VUCHS“! die Bühne. Dort zeigte sich besonders die Solidarität unter den Künstlern – Packlidat hatte zu seinem Auftritt Freunde aus Ennepetal und den Rapper El Maxx aus Lüdenscheid mit gebracht. „Sie brennen für die Musik – sie müssen einfach raus – sonst gehen sie kaputt.“ Kai-Conner Zanetti (16) sprudelte los: „Ich habe in der Schwelmer Fußgängerzone gespielt – ich will Schwung reinbringen – möchte den Menschen wieder ein Gefühl von Normalität vermitteln.“

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