Ausstellung

Ort für Frauengeschichte im Industriezeitalter in Ennepetal

Sabine Hofmann mit Exponaten zum Thema Kochen.

Sabine Hofmann mit Exponaten zum Thema Kochen.

Foto: Hartmut Breyer

Ennepetal.   Der „Arbeitskreis Museum - Frauengeschichte im Industriezeitalter“ hat eine Ausstellung konzipiert, die künftig im Industriemuseum zu sehen ist.

Heute gibt es die Schnittbohnen aus dem Glas, die Waschmaschine macht auf Knopfdruck alles sauber und das Mittagessen am Arbeitsplatz wird nicht selten in der Mikrowelle aufgewärmt. Was eine Schnibbelbohnenmaschine war, wie man auf dem Waschbrett Kleidung wusch und welche Rolle ein Henkelmann spielte, wissen viele heute oft gar nicht mehr. Damit all diese alten Gerätschaften und die früheren Lebensumstände, in denen sie von den Frauen verwendet wurden, in lebendiger Erinnerung bleiben, hat der „Arbeitskreis Museum – Frauengeschichte im Industriezeitalter“ eine Ausstellung konzipiert. In der zweiten Etage des Industriemuseums steht dafür nun dauerhaft ein eigener Raum zur Verfügung. Am kommenden Sonntag, 19. Mai, wird die Ausstellung „Iämpeströäter Frulüü“ eröffnet.

„Wir wollen Berichte und Fotos zu Tätigkeit von Frauen in Beruf und Haushalt mit Ausstellungsstücken unterfüttern“, erklärt Ennepetals Gleichstellungsbeauftragte Sabine Hofmann. Sechs Schränke und einige Tische stehen in dem Raum, der bisher vor allem eine umfangreiche Sammlung von Ofenplatten beherbergte. Die gusseisernen Platten sollen auch stehen bleiben, „denn sie passen zum Thema Leben der Familie“, so Hofmann. In Kategorien wie Kochen, Wäsche und Freizeit/Wochenende werden künftig Exponate wie besagte – übrigens einst von der Firma August Bilstein hergestellte – Schnibbelbohnenmaschine, eine Balkenwaage, alte Bügeleisen, eine Schranknähmaschine, Teppichklopfer und vieles mehr gezeigt. Der Schwerpunkt liegt derzeit noch auf dem Kochen. „Das ist natürlich typisch weiblich, gehörte früher eben zu den Leistungen der Frauen, neben anderen Haushaltstätigkeiten, Heimarbeit oder dem Wiederaufbau nach dem Krieg“, sagt Hofmann. Die Ausstellung soll ständig erweitert werden.

Jedes Ausstellungsstück ist mit einer Erklärung und Angaben zur Herkunft versehen. Zudem erhalten die Besucher Erläuterungen zum jeweiligen Themenbereich. Exponate vom Trödel gibt es nicht, weil dabei nicht nachzuvollziehen ist, woher sie stammen. „Unser Anspruch ist es, zu jedem Stück Herkunft und Geschichte zu kennen, außerdem soll alles mit der Region verbunden sein“, betont Hofmann.

Für Ältere und Jüngere interessant

Die Ausstellung richtet sich an alle Geschichtsinteressierten: die Älteren, die sich an Vergangenes erinnern, und auch Kinder und Jugendliche, die einen Eindruck von früheren Lebensumständen erhalten können. Der Museumsbesuch soll sich dabei nicht nur aufs Sehen und Lesen beschränken. Die Initiatorinnen planen auch Mitmachaktionen. „Ein Museum muss etwas Lebendiges sein“, meint Sabine Hofmann. Daher soll es zum Beispiel die Möglichkeit geben, dass Kinder mal in der „Dunkelkiste“ ertasten, wie sich Linsen und Erbsen anfühlen oder am Waschbrett selbst aktiv werden. „Wir können uns auch vorstellen, dass Schulklassen hierhin kommen“, sagt Hofmann.

Das Projekt hat eine längere Vorgeschichte. 2012 rief eine Gruppe engagierter Frauen aus dem Ennepetaler Frauennetzwerk den Arbeitskreis ins Leben. Firmengeschichten und die Sozialgeschichte nehmen die Aktiven seitdem in den Blick. Sie befassten sich u. a. mit der Arbeit der Frauen in der Schraubenfabrik Boedeker, Ebbinghaus & Co. (dem heutigen Industriemuseum), in der Verwaltung und in der Familie. Als erstes Projekt hatte der Arbeitskreis mit dem heimischen Dokumentarfilmer Horst Groth den Film „Frauen – Zeitzeuginnen der Industrie“ gedreht, in dem Geschichte durch konkrete Erinnerungen an den Alltag von Frauen vor Jahrzehnten festgehalten ist. Der Film wird auch im Museum gezeigt. Zweites Projekt war das Kochbuch „Was war in den Henkelmännern“ (wir berichteten jeweils).

Zu Beginn des Jahres erhielt der Arbeitskreis die Schlüssel für den Raum im 2. OG des Backsteinbaus an der Neustraße 41-57. Nachdem dort noch lagernde Exponate des Industriemuseums ausgeräumt waren, konnten die Akteurinnen vor etwa einer Woche mit dem Aufbau beginnen. Nach der Eröffnung wird die Ausstellung „Iämpeströäter Frulüü“ (Plattdeutsch für „Ennepesträßer Frauen“) künftig regelmäßig an den Tagen der offenen Tür des Industriemuseums (von April bis November immer am ersten Sonntag eines Monats) zu sehen sein. Die Öffnungszeit werde sich voraussichtlich an den Museumsführungen, die an diesen Tagen stattfinden, orientieren, so Sabine Hofmann. Man müsse schauen, was mit den ehrenamtlichen Kräften leistbar sei.

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