Irish Folk

„Paddyhats“ aus Gevelsberg: Zwischen Jobs und Musikkarriere

„The O'Reillys and the Paddyhats“, wie die Band vollständig heißt, bei ihrem Auftritt auf dem "Wacken Open Air".

„The O'Reillys and the Paddyhats“, wie die Band vollständig heißt, bei ihrem Auftritt auf dem "Wacken Open Air".

Foto: Band

Gevelsberg.   Die Gevelsberger Band „Paddyhats“ geht mit neuer Platte auf Deutschland-Tour. Band-Mitglieder opfern für die Musik ihren Jahresurlaub.

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Eine Plattenfirma, das zweite Album innerhalb von nur neun Monaten, das in ganz Europa und den USA vertrieben wird, große Festivals, auf denen die Truppe im Sommer spielen wird, vorher noch eine Tour durch Deutschland und die Schweiz in Hallen für bis zu 4000 Besucher – die Gevelsberger Band „The O’Reillys and the Paddyhats“ nimmt die Stufen auf der Karriereleiter gerade im gestreckten Galopp. Das zeigt, dass sich Ehrgeiz, harte Arbeit und der Glaube an sich selbst auszahlen, lässt die Mitglieder der Irish-Folk-Punkband aber manchmal auch an Scheidewege der individuellen Lebensplanung gelangen.

Wenn Co-Frontmann Tim Herbig die vergangenen zwölf Monate Revue passieren lässt, kann er die Rasanz und die vielen Dinge, die um die Musiker parallel passierten kaum glauben. „Wir waren ja schon überglücklich, dass wir unser Album ,Seven Hearts One Soul’ in den legendären Principal-Studios, wo auch die Toten Hosen schon aufgenommen haben, einspielen konnten. Doch dann ging es erst richtig ab.“

Heißt: Zunächst kam die Band an einen Vertrieb, der dafür sorgte, dass die Platte seit dem Frühjahr in ganz Europa auch bei großen Ketten wie dem Media-Markt oder Saturn sowie bei allen bedeutenden Online-Portalen und im führenden Musikvertrieb EMP erhältlich war.

Neue Platte, neue Geigerin

Das professionelle Musikvideo zum Lied „Barrels of Whiskey“ haben sich auf Youtube mittlerweile knapp 500.000 Leute angesehen, die Auftritte im Sommer beim weltgrößten Metal-Festival „Wacken Open Air“ vergrößerten die Fangemeinde erheblich. Es folgte ein Platten-Deal mit „Metalville Records“. Die Firma schickt die Band nun im Februar mit den Deutsch-Rockern „Kärbholz“ auf Tour durch die ganze Republik und die Schweiz.

„Dafür sollten wir eine neue Platte einspielen, mussten zwischendurch noch den Proberaum wechseln“, sagt Herbig. Die Gevelsberger sprudelten vor Ideen, gingen wieder in die Principal-Studios und werden am Donnerstag, 2. Februar, ab 20 Uhr mit einem Konzert im Wuppertaler „Underground“ ihren neuen Silberling „Sign of the Fighter“ vorstellen. Irgendwie dazwischen hat auch noch Jessica Keuter die Band verlassen und wurde an der Geige durch Jessica Kohlmetz ersetzt, die am 2. Februar erstmal mit der mit auf der Bühne steht.

Der Aufstieg soll weitergehen

Stakkato für die „Paddyhats“, bei denen die Freude über diese unglaubliche Entwicklung immens ist, die dafür aber auch Opfer bringen. Denn Tim Herbig stellt klar: „Das ganze Team umfasst elf Leute. Es ist aktuell vollkommen unmöglich, dass wir von der Musik leben können.“ Gleichwohl wollen Mieten, Autos und das restliche Leben bezahlt werden, was manchmal mit dem steigenden Zeitaufwand für die Band kollidiert. Für die Studenten sei das noch vergleichsweise einfach zu handhaben, aber diejenigen, die in Lohn und Brot stehen, haben es manchmal schwierig. „Einige nehmen ihren kompletten Jahresurlaub, um mit der Band unterwegs zu sein, schieben Überstunden, damit sie die für die Musik abfeiern können“, sagt Tim Herbig.

Ein Aufwand, den alle gern betreiben. Das wird ganz deutlich, als sich Band und Helfer um den Tisch versammeln, um einen ganz besonderen Moment zu zelebrieren. Der erste Karton mit den frischen Pressungen von „Sign of the Fighter“ ist eingetroffen. Wer in die Augen der „Paddyhats“ schaut, in dem Moment, als sie die CD erstmals in den Händen halten, der kann dort deutlich lesen: Das soll für sie noch lange nicht das Ende des Aufstiegs sein. Tim Herbig: „Die Ideen werden uns sicherlich nie ausgehen.“

Rezension: „Paddyheats“ sind auf „Sign of the Fighter“ deutlich gereift 

Obwohl die Platte zwischen Tür und Angel entstanden ist, haben die Gevelsberger alles andere als einen Schnellschuss abgeliefert, der sich kompositorischer Standards bedient. Im Gegenteil: Die sieben Multi-Instrumentalisten zeigen sich auf „Sign of the Fighter“ musikalisch deutlich gereift, ohne ihre Wurzeln zu verlieren.

Die Melodien fräsen sich über den Gehörgang ins Hirn und bleiben direkt dort hängen. Einige der Stücke werden live garantiert zünden. Allerdings hat die Combo mehr Tiefgang als auf dem Vorgänger und erst recht als auf ihrem 2012er Debüt. Auch nach mehrfachem Hören gibt es Neues zu entdecken, denn Komposition und Produktion zeichnen sich große Detailverliebtheit aus. Die Paddyhats gehen rhythmisch anspruchsvoller und kompositorisch erwachsener zu Werke als jemals zuvor.

Dadurch bleibt zwar die ungeschliffene Punk-Attitüde der Vergangenheit ein wenig auf der Strecke, das zeigt aber auch deutlich: Das Septett weitet seinen Horizont aus. Es bedient sich musikalischer Zitate aus etlichen Stilrichtungen. Für die Puristen der ersten Stunde haben die Sieben ihre Band-Hymne „Paddyhats“, die bereits auf dem Debüt erschienen war, neu aufgenommen.

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