Schwelm

Polizeibekannte Nazis stecken hinter Attacke auf Syrer

Das Gebäude der kommunalen Unterkunft an der Kaiserstraße (Archivbild). Dort suchten die drei Männer Streit und schlugen auf den Syrer ein.

Das Gebäude der kommunalen Unterkunft an der Kaiserstraße (Archivbild). Dort suchten die drei Männer Streit und schlugen auf den Syrer ein.

Foto: Gruber / WP

Schwelm.  Der brutale Angriff vor der Flüchtlingsunterkunft in Schwelm geht auf das Konto von polizeibekannten Nazis, wie sich jetzt herausstellte.

Der offensichtlich bundesweit in der rechten Szene verankerte Neonazi Robin Z. (24) aus Schwelm sitzt in Untersuchungshaft. Ihm wird ein brutaler Angriff auf einen jungen Syrer (21) vorgeworfen. Die Schlägerei, an der neben dem Hauptbeschuldigten Z. noch zwei weitere Täter beteiligt waren, hatte sich am 11. November, gegen zwei Uhr nachts vor der kommunalen Unterkunft für Asylbewerber an der Kaiserstraße abgespielt.

Dort randalierten zunächst die drei Männer, die nach umfangreichen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Hagen und der Staatsschutzabteilung der Polizei allesamt der rechtsradikalen Polit-Ecke zuzurechnen sind, lautstark. Sie warfen mit Steinen und schlugen mit Stangen auf Verkehrsschilder ein.

Streit provoziert und dann zugeschlagen

Aufmerksam geworden durch den Lärm, ging ein junger Syrer (21), der sich auf dem Gelände der kommunalen Unterbringungseinrichtung – dem ehemaligen Schulgelände – aufhielt, den drei Randalierern entgegen, um nachzuschauen, was dort los sei. Diese beschimpften ihn mit arabischen Schimpfwörtern und provozierten einen Streit, so die Ermittlungen.

Als der Syrer zurück in die Einrichtung flüchten wollte, rannte das Trio hinter ihm her und hielt ihn fest. Einer der Täter nahm ihn in den Schwitzkasten, die beiden anderen schlugen auf ihn ein. Das Opfer konnte sich schließlich mit Hilfe eines Wachmannes in der Unterkunft in Sicherheit bringen.

Als Hauptverdächtiger des brutalen nächtlichen Angriffs auf den jungen Syrer gilt der „durch mehrere dutzend Ermittlungsverfahren überörtlich polizeibekannte“ (so ein Staatsschutz-Sprecher) Neonazi Robin Z. aus Schwelm. Wie erst am Freitag bekannt wurde, erfolgte dessen Verhaftung bereits am Freitag vor einer Woche (13. November). Zivilbeamte des Staatsschutzes nahmen ihn gegen 17 Uhr an seiner Schwelmer Wohnanschrift fest. Er wird sich nun wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten müssen.

Elf Vorstrafen

Das Bundeszentralregister von Robin Z. weist bis jetzt elf Vorstrafen aus – fast ausschließlich politisch motivierte Straftaten, darunter auch schwere und gefährliche Körperverletzungen. Nur wenige Stunden nach der ihm nun frisch vorgeworfenen Prügelattacke vor der Schwelmer Asylunterkunft stand er als Angeklagter vor dem Landgericht Dortmund – und wurde dort zu einem Jahr Gefängnis ohne Bewährung verurteilt (dieses Urteil ist inzwischen rechtskräftig).

Rückblende: Am 4. August 2018 hatte sich Robin Z. vor dem Dortmunder Bahnhof (am Fußballmuseum) mit einer deutschen Frau angelegt, die dort mit mehreren Afrikaner feierte.

„Mit wem hängst du denn da ab?“, pöbelte der aggressive Schwelmer die Frau an und warf der Party-Gruppe einen Becher entgegen. Dann flog eine Glasflasche hinterher, die die Frau hart ins Gesicht traf.

Das rassistische Motiv des angeklagten Schwelmer Neonazis, sei einzig und allein die Hautfarbe des Opfers gewesen, stellten die Richter im Urteil fest. Robin Z. hat aus einer weiteren Verurteilung noch zwei Jahre Haft, die seinerzeit zur Bewährung ausgesetzt worden waren, offen – diese Strafaussetzung droht nun widerrufen zu werden. Außerdem ermitteln die Staatsanwaltschaften Köln und Wuppertal in aktuell vier weiteren Verfahren wegen gefährlicher Körperverletzung gegen ihn. „Grund genug“, so einer der Ermittler, „ihn jetzt endlich mal aus dem Verkehr zu ziehen.“ Seit vorletzten Freitag sitzt Robin Z. in Hagen in Untersuchungshaft.

Ermittelt werden konnte inzwischen auch der zweite mutmaßliche Mittäter der nächtlichen Attacke auf den jungen Syrer vor dem Schwelmer Asylheim: Es handelt sich hier um einen 26-jährigen rechtsgesinnten Kameraden aus der Nazi-Szene, der auch in Dresden in ein polit-kriminelles Strafverfahren verstrickt ist – aber unter einer Anschrift in Schwelm gemeldet ist. Nach dem dritten Täter des Überfalls wird noch gefahndet.

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