Polizeiwache: Jetzt wird es ernst

Noch liegen hier Kühe auf der Wiese, bald könnte an der Rosendahler Straße die neue Polizeiwache entstehen.

Noch liegen hier Kühe auf der Wiese, bald könnte an der Rosendahler Straße die neue Polizeiwache entstehen.

Foto: Stefan Scherer / Stefan Scherer / WP

Gevelsberg.  Der Gevelsberger Stadtrat ebnet den Weg für die Teilnahme an der Ausschreibung für die neue, zentrale Polizeiwache des Kreises.

Als der Gevelsberger Bürgermeister Claus Jacobi und sein SPD-Parteikollege, Landrat Olaf Schade, vor eineinhalb Jahren zu diesem Thema verbal massiv die Klingen kreuzten, war klar: Die Gevelsberger geben ihre Polizeiwache – wie es die Pläne des Innenministeriums vorsehen – nicht kampflos auf. Jetzt hat der Stadtrat den Weg frei gemacht für eine ganz große Lösung.

Arbeitsplatz für 400 Menschen

Bei Enthaltung der Grünen erteilte die Politik einstimmig die Freigabe, ein Bebauungsplanverfahren einzuleiten, das zunächst ein einziges vorrangiges Ziel verfolgt: Die Zentralbehörde der Polizei für den Ennepe-Ruhr-Kreis ohne Witten sowie die Wache für Gevelsberg, Ennepetal, Schwelm und Breckerfeld soll an der Rosendahler Straße entstehen. Wer an der Straße in den Weiden vorbei in Richtung Schwelm fährt und nach links schaut, blickt genau auf die große Wiese, mit der sich die Stadt an der EU-weiten Ausschreibung für die neue Polizeiwache beteiligen will.

Noch liegen dort zwar ganz entspannt die Kühe herum, aber vor dem geistigen Auge von Bürgermeister Jacobi und den Lokalpolitikern ist die Vision des Neubaus längst gereift. Allerdings wird die Sache kein Selbstläufer, denn bereits jetzt steht fest, dass es zumindest einen ernstzunehmenden Konkurrenten im Rennen um den Behördenbau geben wird, in dem ab dem Jahr 2023 knapp 400 Menschen arbeiten werden. Denn auch die Stadt Ennepetal wird sich mit einem Grundstück auf ihrem Stadtgebiet an der Ausschreibung beteiligen und ebenso alles in die Waagschale werfen, um am Ende den Zuschlag zu erhalten. Dieses befindet sich am Strückerberg rückwärtig von McDonald’s in Richtung Strückerberger Straße gelegen.

CDU-Chef erklärt sich für befangen

Nicht zuletzt aus diesem Grund hat sich CDU-Fraktionsvorsitzender Hans-Günther Adrian in der Sache für befangen erklärt; hauptberuflich ist er Pressesprecher der Stadt Ennepetal. Sein Arbeitgeber hat einige wichtige Mitstreiter an Bord: Denn Landrat Olaf Schade – gleichzeitig Chef der Kreispolizeibehörde – und die Politiker auf Ebene des Ennepe-Ruhr-Kreises befürworten den Neubau auf Ennepetaler Stadtgebiet, um die räumliche Nähe zum geplanten Gefahrenabwehrzentrum zu schaffen. Dieses soll inklusive Leitstelle der EN-Feuerwehr auf dem Nachbargrundstück entstehen.

Die Unterstützer der beiden Ideen und deren Ämter sollen aber keinen Einfluss auf das Ergebnis haben, wenn das Innenministerium des Landes Nordrhein-Westfalen über den Gewinner der Ausschreibung befindet. „Unter anderem der Landrat hat mir gegenüber mehrfach persönlich betont, dass alle mit den gleichen Chancen an den Start gehen und es eine absolute Ergebnisoffenheit geben wird“, teilt Claus Jacobi mit.

Und da ist den Gevelsbergern das Hemd näher als die Jacke, wie auch die seltene Einigkeit zwischen dem Bürgermeister und dem stellvertretenden CDU-Fraktionsvorsitzenden Wieland Rahn zeigt, der sagt: „Auch wenn alle Kreistagsfraktionen und der Landrat die Wache nach Ennepetal holen wollen: Wenn uns das gelingt, wäre das ein Meilenstein für die gesamte Stadt Gevelsberg. Sie haben unsere volle Unterstützung, Herr Bürgermeister.“

In puncto Polizeiwache haben das Stadtoberhaupt und seine Verwaltung auch die volle Unterstützung von den Grünen. Den Plan B – dort ein Gewerbegebiet anzusiedeln, falls die Ausschreibung doch andernorts einen Gewinner findet – unterstützen sie jedoch nicht und wollen lieber die Natur erhalten.

Ganz anderer Standort möglich

Denn es ist zumindest theoretisch denkbar, dass das Gebäude auch an einem ganz anderen Standort errichtet wird. Das Innenministerium hat ein Potenzialgebiet festgelegt, aus dem sich jeder, der Grundstück und Investor vorweisen kann, an der Ausschreibung für das Großprojekt beteiligen kann.

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