Prozess

Pfleger wollte Witwe aus Ennepetal töten – Opfer sagt aus

Der 29-Jährige war als Pflegekraft für den Ehemann der Ennepetalerin eingestellt worden. Anstatt zu helfen, zeigte sich der  Mann säumig, und schließlich entpuppte er sich als heimtückischer, habgieriger Mensch, so die Anklage.

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Der 29-Jährige war als Pflegekraft für den Ehemann der Ennepetalerin eingestellt worden. Anstatt zu helfen, zeigte sich der Mann säumig, und schließlich entpuppte er sich als heimtückischer, habgieriger Mensch, so die Anklage.

Ennepetal/Hagen.   Zum Prozessauftakt am Landgericht sagt das Opfer aus: „Ich hatte bis zuletzt keinen Argwohn. Ich habe doch nicht an einen Mordversuch gedacht.“

Vor dem Hagener Landgericht hat der Prozess wegen versuchten Mordes gegen einen Wuppertaler begonnen. Der 29-Jährige soll eine Ennepetalerin mit einem starken Beruhigungsmittel zunächst betäubt und dann versucht haben, die Wohnung in Brand zu setzen, um sie zu töten. Zum Prozessauftakt schwieg der Mann.

Habgier soll Triebfeder sein

Habgier soll die Triebfeder für die unfassbare Tat gewesen sein. Der 29-Jährige war als Pflegekraft für den schwerkranken Ehemann der Ennepetalerin (69) eingestellt worden. Aber anstatt zu helfen, zeigte sich der junge Mann säumig, und schließlich entpuppte er sich als heimtückischer, habgieriger Mensch, so die Anklage. Er soll im Juni vergangenen Jahres 2000 Euro für ein Auto von der Frau geliehen haben. „Ich versprach mir davon, die Pflege meines Mannes weiter zu gewährleisten“, sagte die 69-Jährige aus, die auch als Nebenklägerin vor Gericht auftritt. Er versprach, ihr das Geld bis zum 31. Juli zurückzuzahlen. In einem weiteren angeklagten Fall soll er heimlich Fotos ihrer Bankdokumente gemacht und ihre Bankkarte genommen haben, mit der er versuchte, sich weitere 2000 Euro zu ergaunern. Das ging jedoch schief, weil er die falsche PIN eingab.

Nach dem Tod des Pflegebedürftigen bestand weiter Kontakt zwischen dem Angeklagten und der Witwe. Ihr ging es weiterhin um die 2000 Euro, die sie ihm im Juni geliehen hatte. Er täuschte erst einmal Fürsorge vor.

Angebliches "Elixier" war starkes Beruhigungsmittel

Anfang August kam er wieder zu ihr. „Und da brachte er mir das Elixier mit. Seine Mutter war auf Weltreise gewesen und hatte es von indischen Mönchen, sagte er mir. Es sollte mir in meiner Trauer helfen“, erklärte die Geschädigte im Zeugenstand. „Es war eine getrübte Flüssigkeit und schrecklich bitter. Ich trank wenige Schlucke und war sofort weg. Später sagte er, er sei selbst erschrocken über die Wirkung des Elixiers gewesen.“

Die Anklage ist überzeugt: Bei dem rätselhaften Gebräu handelte es sich nicht um eine Kräutertinktur, sondern um Midazolam, ein stark wirkendes Beruhigungsmittel.

Am 31. August kam es spätnachmittags zu einem weiteren Treffen in ihrer Wohnung, das ihr beinahe zum Verhängnis geworden wäre. Diesmal gab der Angeklagte an, gute Nachrichten für sie zu haben. Das Geld habe seine Mutter endlich auf ihr Konto überwiesen. „Er wollte darauf einen Wein mit mir trinken. Wir haben zusammen Pflaumenkuchen gegessen. Er ging in die Küche und schenkte uns den Wein ein. Wir haben uns unterhalten und ich habe zwei Schlucke getrunken und war wieder sofort weg.“

Starkes Kopfweh, benommen und taumelig

Als die arglose Frau am nächsten Morgen aufwachte, ging es ihr nicht gut: „Ich hatte starkes Kopfweh, war benommen und taumelig“, erinnerte sie sich. Im Flur machte sie eine seltsame Entdeckung: „Da standen zwei brennende Kerzen auf dem Sideboard. Die linke war ziemlich heruntergebrannt. Da war ein Gästetuch drum gewickelt.“

Kurz darauf bemerkte sie: Alle Rauchmelder bis auf einen waren abmontiert, das Telefonkabel durchtrennt, das Handy weg. Erst nach und nach wurde ihr klar, dass auch insgesamt 9000 Euro von ihren Konten fehlten.

Die Staatsanwaltschaft ist davon überzeugt, dass der Angeklagte das Geld mittels der ihm bekannten Kontodaten und des TAN-Generators der Frau auf sein Konto online überwiesen hat. Die Kerzen soll der Mann angezündet und das Handtuch darum drapiert haben, damit sie herunterbrennen und das Handtuch in Brand setzen. So sollte der Brand schließlich auf die gesamte Wohnung übergehen und die Bewusstlose töten, hieß es in der Anklageschrift.

Brand hätte sich rasend schnell ausgebreitet

Das wäre auch beinahe geschehen: Wie ein Brandsachverständiger vor Gericht erklärte, hätte sich ein Brand rasend schnell ausgebreitet. Mit anderen Worten: Es herrschte akute Lebensgefahr für die Frau und die 26 weiteren Bewohner, die mit ihr in dem Mehrfamilienhaus lebten.

Der Ennepetalerin, die deutlich von den Ereignissen und dem Prozess gezeichnet war, versagte die Stimme: „Ich hatte bis zuletzt keinen Argwohn. Ich habe doch nicht an einen Mordversuch gedacht.“

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