Radverkehr

Radfahrer geben Gevelsberg ein „Ausreichend plus“

Georg Schäfer vom Fachforum Radverkehr am Ennepebogen. Im Hintergrund ist die Brücke Jahnstraße zu sehen. Das Fachforum wünscht sich eine Fortsetzung der „Ennepe-Runde“ unter der Brücke hindurch.

Georg Schäfer vom Fachforum Radverkehr am Ennepebogen. Im Hintergrund ist die Brücke Jahnstraße zu sehen. Das Fachforum wünscht sich eine Fortsetzung der „Ennepe-Runde“ unter der Brücke hindurch.

Foto: Max Kölsch

Gevelsberg.   Radfahrer bewerten Gevelsberg beim ADFC-Fahrradklima-Test entgegen dem Bundestrend besser als zuvor. Es gibt aber auch Anregungen.

Radfahrer haben der Stadt Gevelsberg zuletzt ein gutes Zeugnis für ihre Fahrradfreundlichkeit ausgestellt. Das verrät ein Blick in den ADFC-Fahrradklima-Test 2018. Während die Zufriedenheit bundesweit leicht zurückging, ist sie in Gevelsberg leicht gestiegen. Georg Schäfer, Sprecher des Fachforums Radverkehr, bestätigt dieses Ergebnis. „Die Zusammenarbeit mit der Stadt läuft gut“, konstatiert er. Trotzdem sieht das Fachforum an einigen Stellen noch Verbesserungsbedarf.

82 Radfahrerinnen und Radfahrer konnten im Zuge des ADFC-Fahrradklima-Tests Fragebögen ausfüllen und die Situation in Gevelsberg bewerten. Die Auswertung ergab: Gesamtnote 3,7, sprich ein „Ausreichend (plus)“. Das Ergebnis von 2016 konnte damit verbessert werden. Damals wurde Gevelsberg als bundesweit zweitbeste Aufsteigerstadt in der Stadtgrößenklasse von 20.000 bis 50.000 Einwohnern ausgezeichnet.

Positiv hervorgehoben wird insbesondere, dass in Gevelsberg in jüngster Zeit viel für den Radverkehr getan worden sei. Zudem gebe es nur selten Konflikte zwischen Radfahrern und Fußgängern. Die Radwege befänden sich in gutem baulichem Zustand. Auch die Gradlinigkeit und Ausschilderung der Radverkehrsführung werden gelobt. Radfahren in Gevelsberg mache eher Spaß, als dass es Stress bedeute.

Erreichbarkeit der Innenstadt

Bemängelt werden die unzureichende Radverkehrsführung an Baustellen, die fehlende Falschparkerkontrolle auf Radwegen und die schlechte Erreichbarkeit der Innenstadt. Die Befragten wünschen sich, dass mehr Einbahnstraßen für Radfahrer in Gegenrichtung geöffnet werden.


Auch sollten überall komfortable und sichere Abstellmöglichkeiten geschaffen werden und mehr Werbung fürs Radfahren stattfinden. Negativ hervorgehoben wird im Fahrradklima-Test auch, dass in Gevelsberg eher nur bestimmte Gruppen mit dem Fahrrad unterwegs seien. Radfahren sei nicht in der Breite der Bevölkerung verankert. Auch die Familienfreundlichkeit wird in diesem Zusammenhang negativ bewertet: Selbst größere Kinder könne man kaum mit gutem Gewissen allein mit dem Fahrrad fahren lassen.


„Ich bin 1980 nach Gevelsberg gekommen, damals gab es hier nichts für Radfahrer“, erinnert sich Georg Schäfer. „Seitdem hat sich hier einiges getan.“ Seit 2011 beziehungsweise 2012 fahre das Fachforum Radverkehr die Routen in der Stadt regelmäßig ab. „Richtung Vogelsang geht schon einiges“, sagt Schäfer. Ein Knackpunkt seien die letzten Meter der „Ennepe-Runde“ in die Innenstadt.

Die letzten Meter der „Ennepe-Runde“

Der Radweg hat seinen Start- und Zielpunkt am Ennepebogen. Er verläuft entlang der Ennepe nach Süden bis kurz vor die Ennepetalsperre südwestlich von Breckerfeld. Von dort geht es wieder Richtung Norden über Oberbauer nach Haspe und dann zurück in das Gevelsberger Zentrum – genauer bis zur Jahnstraße.

Das Fachforum wünscht sich, dass die „Ennepe-Runde“ unterhalb der Brücke Jahnstraße bis zum Vendômer Platz fortgeführt wird. Diese Anregung wurde als „Kernproblem“ in den Entwurf für das Integrierte Entwicklungs- und Handlungskonzept (IEHK) „Gevelsberg Zentrum 2030“ aufgenommen.

Das Problem dabei: Durch einen Radweg würde die Ennepe an dieser Stelle zu schmal. „Wir müssen dabei auf Hochwasser achten“, erklärt Björn Remer, Fachbereichsleiter Stadtentwicklung und Umwelt der Stadt Gevelsberg. „Die Ennepe ist bei Starkregen schnell überlastet.“ Außerdem würden dann auf Kopfhöhe Kanäle herausragen – ein noch schwerwiegenderes Problem. „Technisch geht alles, preislich ist das eine andere Frage“, erteilt Remer dieser Überlegung eine Absage.


Angedacht sei, den Radverkehr künftig über den Kreisverkehr Jahnstraße/Gartenstraße und weiter auf den geplanten Kreisverkehr Wasserstraße zu führen. Momentan befinde man sich aber noch in der Konzeptionsphase, so Remer weiter.

Verbesserungsbedarf an Königsburg

Die letzten Meter der „Ennepe-Runde“ sind nur einer von mehreren Punkten, an dem das Fachforum noch Verbesserungsbedarf sieht. Schwierig sei unter anderem auch die Situation für Radfahrer und Fußgänger am Kreisverkehr „Königsburg“. Hier sieht der IEHK-Entwurf eine zukünftige Vorfahrtsregelung als Kreisverkehr vor. „100 Prozent auflösen werden wir den kritischen Punkt ,Königsburg’ nicht können“, gibt Björn Remer zu. „Aber es wird besser.“

Georg Schäfer beurteilt die Fahrradfreundlichkeit in Gevelsberg grundlegend positiv. „Es gibt immer was zu tun“, sagt er. „Der Zeitgeist steht im Moment nicht gegen uns.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben