Interview der Woche

Riesenauswahl an Bewerbern für Voerder Kirmes in Ennepetal

Sie werben für die „Kirmes mit Herz“ in Voerde: Heimatvereinsvorsitzender Hans Martin Heimhardt (links) und Schaustellersprecher Andreas Alexius.

Sie werben für die „Kirmes mit Herz“ in Voerde: Heimatvereinsvorsitzender Hans Martin Heimhardt (links) und Schaustellersprecher Andreas Alexius.

Foto: Hartmut Breyer

Ennepetal.   Heimatvereinschef Hans Martin Heimhardt und Organisator Andreas Alexius über Vorbereitung, Besonderheit und Perspektive der Voerder Kirmes.

Am kommenden Samstag, 25. Mai, beginnt mit dem traditionellen Festzug über die „Blaukittelallee“ die Voerder Kirmes. Vier Tage lang geht es dann wieder auf der Lindenstraße und dem Kirmesplatz rund. Schaustellersprecher Andreas Alexius und der Vorsitzende des Heimatvereins Voerde, Hans Martin Heimhardt, äußern sich im Gespräch über die Vorbereitungen, die Besonderheiten der Kirmes in Voerde und die Zukunftsperspektiven des Volksfestes.

Die Voerder Kirmes findet in diesem Jahr schon Ende Mai statt wie gewohnt am zweiten Juni-Wochenende statt. Warum gibt es den frühen Termin?

Hans Martin Heimhardt: Der reguläre Termin fällt in diesem Jahr auf Pfingsten. Daher haben wir die Kirmes vorgezogen. Das ist aber nichts Neues, zuletzt war das 2014 der Fall.

Andreas Alexius: Es gibt andernorts Pfingstkirmesveranstaltungen. Es ist wichtig, den gewerblichen Betreibern, die ihr Geld damit verdienen, die Chance zu geben, bei möglichst vielen Veranstaltungen dabei zu sein. Da gibt es aber auch viel Einsicht bei der Stadtverwaltung.

Heute in einer Woche beginnt der Kirmestrubel? Haben Sie die Vorbereitungen schon abgeschlossen?

Heimhardt: Nach der Kürung des Ehrennachtwächters Olaf Steinhaus (am vergangenen Freitagabend, d. Red.) sind wir als Heimatverein fast fertig.

Alexius: Zu 90 Prozent bin ich als Platzveranstalter auf dem Weg. Der Rest folgt dieses Wochenende, wenn ich die Bordsteinkanten für die Betriebe markiere, und bei der Platzverteilung am Donnerstag. Dann sind wir zu 99 Prozent durch, anschließend folgt noch die Sperrung der Straße am Freitag.

Wann beginnen Sie denn in der Regel mit den Planungen?

Alexius: Nach der Kirmes ist vor der Kirmes. Wir publizieren die Voerder Kirmes in zwei Fachzeitschriften, um sie in die Köpfe zu bekommen. Die Ausschreibung erfolgt etwa Anfang September. Dann gehen bei der Stadtverwaltung die Bewerbungen ein. Mitte Dezember steht fest, wer dabei ist und ab Mitte Januar beginnen die konkreten Vorbereitungen.

Heimhardt: Die Auswahl der Schausteller wird bei einer Sitzung im Rathaus vorgenommen. Da ist der Heimatverein mit eingebunden.

Alexius: Die Stadt ist ja Veranstalter, der Heimatvereins für die Rahmenveranstaltungen und den Zug zuständig und ich bin von der Stadtverwaltung als Marktmeister für die Kirmes bestellt. Die Schaustellerei ist mein tägliches Brot. Bei der Auswahl versuche ich daher auch, zum Beispiel auf kurze Reisewege für die Schausteller zu achten.

Greifen Sie lieber auf bewährte Schausteller zurück, oder ist Ihnen Abwechslung wichtiger?

Alexius: Bei den Imbiss-, und Süßwarenbetrieben greifen wir gerne auf Altes und Bewährtes zurück, weil die Besucher im Laufe der Jahre eine persönliche Beziehung zu den Anbietern aufbauen. Bei den Fahrgeschäften sind der Autoscooter und auch der Musikexpress nicht wegzudenken. Aber bei den anderen Attraktionen sehen wir zu, dass wir einen guten Mix haben. Die Voerder Kirmes ist eine familienfreundliche Kirmes, da geht es nicht vorrangig um höher, schneller, weiter. Wer in den letzten Jahren den Kirmesplatz besucht hat, hat gemerkt, dass wir dort rotieren. Bis auf den Autoscooter wechseln die Fahrgeschäfte von Jahr zu Jahr die Standorte. Bei den „Randgeschäften“, also den Buden am Straßenrand, ist Kontinuität wichtig. Da muss der Besucher wissen: Wo kriege ich meine Wurst, wo mein Schaumeis?

Ist das Schaustellerinteresse an der vergleichsweise kleinen Voerder Kirmes denn groß? Oder haben Sie Mühe, eine ausreichende Zahl an Schaustellern zusammenzustellen?

Heimhardt: Wir haben immer eine Riesenauswahl. Sabrina Reddemann, die sich im Rathaus um die Bewerbungen kümmert, hat jedes Jahr große Stapel auf dem Tisch.

Alexius: Blicken wir mal 15 Jahre zurück, haben wir seitdem sicher 500 Prozent Zuwachs bei den Interessenten. Ich betreue fast jede Veranstaltung im Ennepe-Ruhr-Kreis. Viele Schausteller sprechen mich persönlich an, viele sprechen untereinander, es gibt viel positives Feedback. Die beste Werbung ist Mund-zu-Mund-Propaganda. Wir haben mit dem Kirmesplatz, der 2005 neu gestaltet wurde, auch ein Supergelände, um eine Kirmesveranstaltung zu platzieren.

In Voerde sind einige Vereine – TV Altenvoerde, Königsangler, die Jugendabteilung von BW Voerde, Original Sauerländer Musikanten, MGV „Eintracht“ Kotthauser Höh und die Löschgruppe der Freiwilligen Feuerwehr – mit Getränkeständen vertreten. Wäre es wünschenswert noch mehr Vereine einzubinden?

Heimhardt: Im Gegenteil. Wir denken eher darüber nach, vielleicht einen Stand weniger zu besetzen. Aber die Vereine sind natürlich ein Frequenzbringer. Sie sind übrigens alle unter dem Dach des Heimatvereins auf der Kirmes und bieten alle eine einheitliche Biermarke, einheitliche Preise, Pfandpreise und Glasgrößen an.

Die Kirmes dauert – im Unterschied zu den Volksfesten in der Nachbarschaft – nur vier Tage. Wird es auf absehbare Zeit dabei bleiben?

Heimhardt: Ich glaube, dass vier Tage vollkommen ausreichend sind. Wir haben mal diskutiert, die Kirmes Freitag beginnen zu lassen und sie bis Montag zu veranstalten. Aber das wäre schwierig.

Alexius: Die Straßensperrung wäre dann komplizierter und ein Festzug zum Auftakt am Freitag wäre für die Aktiven aus den Vereinen auch ungünstig. Übrigens hat auch das Schwelmer Heimatfest bis 2004 nur vier Tage gedauert, ebenfalls von Samstag bis Dienstag.

Die Tradition der Voerder Kirmes reicht mehr als 200 Jahre zurück. Haben Sie die Sorge, dass sich ein solches Fest überlebt?

Heimhardt: Im Moment sehe ich nicht, dass sich das überleben könnte. Ich habe nur die Befürchtung, dass es von außen kaputt gemacht werden könnte. Es gibt immer neue Auflagen, durch die man eine solche Veranstaltung kaum noch durchführen kann.

Alexius: In der Umgebung sind schon einige kleinere Kirmesveranstaltungen verschwunden. Aber wenn bei so traditionellen Veranstaltungen wie in Voerde Vereine dahinter stehen und sich Menschen mit Enthusiasmus dafür einsetzen, werden sie am Leben bleiben. Und hier sagt ja auch die Verwaltung klar: Wir wollen Kirmes! Eine Kirmes ist nicht zuletzt ein Aushängeschild für eine Stadt.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben