Restless-Legs-Syndrom

RLS: Gevelsberger Selbsthilfegruppe feiert Geburtstag

Wenn die Beine immer in Bewegung sind. Restless leg Foto: Dirk Bauer / WAZ

Wenn die Beine immer in Bewegung sind. Restless leg Foto: Dirk Bauer / WAZ

Foto: Bauer Dirk

Gevelsberg.   Die Selbsthilfegruppe „Unruhige Beine“ in Gevelsberg bietet Betroffenen seit zehn Jahren eine Anlaufstelle. Eine Feier ist für Mai geplant.

Ein Kribbeln in den Beinen, starker Bewegungsdrang, schlaflose Nächte – wer unter dem Restless-Legs-Syndrom (RLS) leidet, hat mit dauerhaften Schlafstörungen zu kämpfen. Die ziehen Tagesmüdigkeit und Leistungsminderung, später möglicherweise auch Arbeitsunfähigkeit und persönliche Isolation nach sich. Karin Sell hat diese Erfahrungen selbst gemacht. Die 72-Jährige leitet die Selbsthilfegruppe „Unruhige Beine“, die Betroffenen regelmäßig eine Anlaufstelle in Gevelsberg bietet. In diesem Jahr feiert die Gruppe ihr zehnjähriges Bestehen.

„Das ist doch nicht schlimm, dann laufen sie eben ein bisschen im Wohnzimmer herum und gucken Fernsehen“, habe ein Arzt mal zu ihr gesagt, erinnert sich Sell. Das sie nicht ernst genommen würden, sei ein weiteres Problem, das von RLS Betroffene hätten. Häufig seien es Männer, von denen solche Sprüche kämen, schildert die Hagenerin. Die neurologische Erkrankung betreffe überwiegend Frauen. „Es gibt sogar Ehepartner, die das nicht ernst nehmen“, ärgert sich Sell. Das könne dazu führen, dass RLS-Kranke anfingen, sich aus dem gesellschaftlichen Leben zurückzuziehen. „Man traut sich nirgendwo mehr hin, weil man Angst hat, ausgelacht zu werden, weil man rumzappelt“, sagt Sell. Das könne sogar zu Depressionen führen, ebenfalls eine Erfahrung, die Karin Sell gemacht hat.

Diagnose im Jahr 2004

Bei ihr wird das Restless-Legs-Syndrom 2004 von einem Neurologen aus Hagen bestätigt. Ein anderer Arzt hatte zuvor den Verdacht geäußert, nachdem mehrere Ärzte mit den Symptomen nichts anzufangen wussten. Richtig ausgebrochen war die Krankheit bei ihr schon Jahre zuvor, nachdem sie zwei Operationen hatte. „Bestimmte Narkosemittel können RLS verstärken“, erklärt Sell. Das Kribbeln in den Beinen und der unwiderstehliche Drang, sich zu bewegen, rauben ihr den Schlaf.

Damals arbeitet sie bei der Evangelischen Kirchengemeinde in Gevelsberg. Medikamente lindern ihr Leiden zwar. Trotzdem wird es ihr 2010 zu viel. Karin Sell hört auf zu arbeiten, geht früher in Rente. „Ich war den Anforderungen nicht mehr gewachsen“, sagt sie. Zu dieser Zeit hatte sie die Selbsthilfegruppe in Gevelsberg schon gegründet. „Ich habe gehört, dass es eine Selbsthilfegruppe für RLS gab, die sich aufgelöst hat“, blickt Sell zurück. Daraufhin habe sie mit der Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfe (Kiss) EN-Süd gesprochen und gesagt, dass sie eine Gruppe gründen wolle.

Nach einer großen Veranstaltung im Rathaus wurde ein Termin ausgemacht und dann ging es los. „Ich wollte mein Wissen an Menschen weitergeben, damit sie besser mit ihrer Krankheit umgehen können“, erklärt Sell, die heute dank Medikamenten keine RLS-Symptome mehr aufweist, ihre Intention.

Die Kiss begleitet das Angebot, gibt Tipps, unterstützt und stellt Räume zur Verfügung. Seit April 2009 treffen sich dort nun regelmäßig Menschen, die ab 50 Jahren aufwärts bis hin zu 90 Jahren alt sind. Im Schnitt nehmen zehn Menschen an den Treffen in Gevelsberg teil. „Wir waren auch schonmal mehr“, sagt Sell.

Möglichkeit des Austauschs

In der Gruppe haben die Betroffenen die Möglichkeit, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen, Erkenntnisse weiterzugeben und Freundschaften zu knüpfen. „Das ist eine familiäre Gruppe“, unterstreicht die Leiterin. „Man ist hier nicht allein und man wird ernst genommen mit seiner Krankheit.“ Einmal im Jahr finden zusätzlich zu den Gruppen-Treffen Fahrten zu Fachvorträgen von Ärzten und Professoren statt.

Das zehnjährige Bestehen von „Unruhige Beine“ soll am Samstag, 4. Mai, nachmittags bei der Kiss, Kölner Straße 25, in Gevelsberg gefeiert werden. Mitglieder der Gruppe bringen Kuchen mit. Dazu findet ein Rückblick mit Fotos von Veranstaltungen der vergangenen zehn Jahre statt. Auch ein musikalisches Rahmenprogramm ist geplant.

„Menschen, die früher mal in der Gruppe waren und heute nicht mehr sind, sind auch eingeladen“, betont Karin Sell. Ebenso könne jeder gern kommen, der sich über RLS und die Selbsthilfegruppe informieren wolle.

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