Interview

Hotel-Chef: Sabotage führte zur Schwelmer Brauerei-Insolvenz

Dr. Rolf Lohbeck und seine Frau Heidrun Lohbeck. Sie sind seit mittlerweile 53 Jahren verheiratet und haben mit der Unternehmensgruppe Lohbeck ein Familienimperium von Schwelm heraus aufgebaut.

Dr. Rolf Lohbeck und seine Frau Heidrun Lohbeck. Sie sind seit mittlerweile 53 Jahren verheiratet und haben mit der Unternehmensgruppe Lohbeck ein Familienimperium von Schwelm heraus aufgebaut.

Foto: Stefan Scherer

Schwelm.   Dr. Rolf Lohbeck spricht zum 40. Geburtstag seiner Hotelgruppe über Geld, Bier und seine Heimatstadt Schwelm.

Hotelier, Besitzer zahlreicher Seniorenresidenzen, Verleger des Schwelmer Stadtanzeigers sowie letzter Inhaber der Schwelmer Brauerei, Schriftsteller und Familienmensch – der Unternehmer Dr. Rolf Lohbeck prägte die Stadt Schwelm über viele Jahre maßgeblich mit. Der Millionär polarisierte, doch während der vergangenen Jahre ist es still geworden um ihn in seiner Heimatstadt. Pünktlich zum 40. Geburtstag seiner Hotelkette spricht er über seinen Werdegang, seine Heimatstadt und darüber, was man eigentlich mit 124 Millionen Euro anstellt.

Nachdem Sie lange sehr präsent in der Schwelmer Öffentlichkeit waren, ist es still um Sie geworden. Eine bewusste Entscheidung?

Ich biete einfach nicht mehr so viel Angriffsfläche, von daher war dies mit Sicherheit ein wenig bewusst. In den vielen anderen deutschen Städten, in denen ich tätig bin, werden Investoren aber auch ganz anders willkommen geheißen als in Schwelm. Da freuen sich die Bürgermeister, zu denen wir oft einen hervorragenden Draht haben. Die neue Bürgermeisterin von Schwelm kennen wir noch gar nicht.

In die Kritik vieler Schwelmer gerieten Sie, als Sie Insolvenz für die Brauerei anmeldeten.

Ich sage heute ganz klar: Wäre die Brauerei nicht durch eine bewusst herbeigeführte Verschlechterung der Qualität des Bieres von meinen eigenen Mitarbeitern sabotiert worden, gäbe es sie noch heute. Als ich sie im Jahr 2001 von Veltins kaufte, hatte ich mir sehr viel vorgenommen. Das war eine hoch emotionale Sache für mich, schließlich war der Neumarkt mein Spielplatz. Bald steigerten wir den Ausstoß von 38 000 auf 80 000 Hektoliter.

Was ist dann passiert?

Plötzlich traf uns ein riesiges Übel. Die Bierqualität ließ nach. Das Bier schäumte. Unser Braumeister konnte nichts finden. Wir investierten Millionen in neue Technik, Weihenstephan und Fresenius fertigten Gutachten an. Alles ohne Befund. Dann stellte sich heraus, dass das Bier in längst ausgemusterte Tanks gefüllt worden war. Das war ein Akt der Sabotage. Ich habe mich in Folge dessen mit dem Betriebsrat gestritten. Durch diesen Streit und den Mengenverlust wegen des schadhaften Bieres habe ich dann Insolvenz eingereicht. Insgesamt habe ich in der Brauerei 14,5 Millionen Euro verbraten. Dass wir eine Brauerei führen können, zeigen wir schließlich mit der Landskronbrauerei in Görlitz; und dass, obwohl ich überhaupt kein Bier trinke.

Ihr unternehmerischer Erfolg gründet aber eigentlich auf Hotels. Wie kam es dazu?

Das war ein Zufall. Im Jahr 1977 hatte ich gute Gewinne durch Immobilienverkäufe getätigt und die ehemalige Sparkasse in Ennepetal-Milspe gekauft. Ich habe keine Ahnung mehr warum, aber ich wollte dort unbedingt ein Pflegeeinrichtung eröffnen. Das wollte die Stadt Ennepetal aber auf keinen Fall. Sie wollte keine Schlafstadt Milspe, fragte mich stattdessen, ob ich nicht ein Hotel eröffnen wolle. Ich habe dann meinen Hotelfachmann gemacht, meine Frau Heidrun ist Restaurantfachfrau geworden und am 1. September 1978 haben wir das Parkhotel Ennepetal eröffnet.

Das dann doch noch zur Pflegeeinrichtung wurde.

Das stimmt. Die Verantwortlichen in der Stadt Ennepetal hatten mittlerweile gewechselt, wir haben dann 1984 unsere erste Pflegeeinrichtung eröffnet. Qualität und höchstes Niveau standen für uns dabei ganz oben. Die Etablierten wie die AWo haben unsere zum Schluss elf Residenzen gefürchtet wie der Teufel das Weihwasser. Als wir aber von einer norwegischen Gruppe das Angebot bekamen, für 124 Millionen Euro die Seniorenresidenzen zu verkaufen, haben wir eingewilligt.

Was macht man mit so viel Geld?

Schulden bezahlen und vor allem investieren. Wir haben uns fast ausschließlich auf die Hotels konzen­triert. Das Familienunternehmen mit Sitz in Schwelm betreibt inzwischen 17 First-Class-Hotels in drei Ländern und auf zwei Kontinenten, ein weiteres Hotel entsteht derzeit in Florida. Wir haben 2300 Betten und 1000 Mitarbeiter. Außerdem haben wir vier Kinder, 13 Enkel und eine Urenkel und sehen zu, dass sie alle eine gute Zukunft durch unser Unternehmen haben können. Es wäre verantwortungslos, das, was wir geschaffen haben, nicht in gute Hände zu legen.

Sie sind nun 78 Jahre alt, hegen Sie Gedanken, sich zur Ruhe zu setzen?

Was ist ein Mensch ohne Aufgabe? Meine Frau und ich sind täglich im Büro, wenn wir in Schwelm sind. Jetzt geht es erstmal nach Florida für zwei Monate, dort werde ich wie stets schreiben. Außerdem bin ich weiterhin ein Abenteurer. Erst vor Kurzem habe ich mir einen Jugendtraum erfüllt und bin mit meiner Frau 30 000 Kilometer mit dem Auto durch Mittel- und Südamerika gefahren. Auch über diese außergewöhnliche Reise werde ich ein Buch schreiben. Es steht also nicht zur Debatte, dass ich mich zeitnah zur Ruhe setzen werde.

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