Männergesangverein

„Sangeslust“ Königsfeld verstummt nach 105 Jahren

Der 1912 gegründete MGV „Sangeslust“ Königsfeld verstummt nach 105 Jahren. Hier die Sänger bei ihrem letzten Auftritt unter Leitung von Günther Quett im Pflegeheim Helvita an der Loher Straße in Altenvoerde.

Foto: Hans-Jochem Schulte

Der 1912 gegründete MGV „Sangeslust“ Königsfeld verstummt nach 105 Jahren. Hier die Sänger bei ihrem letzten Auftritt unter Leitung von Günther Quett im Pflegeheim Helvita an der Loher Straße in Altenvoerde. Foto: Hans-Jochem Schulte

Ennepetal.   Mit einem weihnachtlichen Konzert im Helvita Seniorenzentrum endete die 105 Jahre lang Geschichte des MGV „Sangeslust“ Königsfeld.

„Habt Dank für diese schöne Zeit. Wir müssen leider gehen, habt Dank, auf Wiedersehen!“ Das waren die letzten Liedzeilen, die der 105 Jahre alte Männergesangverein „Sangeslust“ Königsfeld sang. So endete am Montagnachmittag eine lange, schöne Vereinsgeschichte im Pflegeheim Helvita an der Loher Straße in Altenvoerde.

Mehr als eine Stunde lang hatte der Chor Weihnachtslieder gesungen, die Bewohner des Hauses zum Mitsingen eingeladen. Als das Konzert endete und eine Zugabe herbeigeklatscht wurde, ließ Chorleiter Günther Quett noch anstimmen: „Habt Dank!“ Quett, der auch durch das Programm führte, und der 2. Vorsitzende Richard Urban traten dann nach vorn und verkündeten mit bewegten Worten, dass der Chor nie mehr auftreten werde.

Jüngstes Mitglied ist 70 Jahre alt

„Unser jüngstes Mitglied ist 70 Jahre alt. Wir können keine Konzerte mehr geben“, sagten Urban und Quett. Wo es vorher noch Beifall in fröhlicher, weihnachtlicher Stimmung gab, war es plötzlich ganz still. Dann dankte Dagmar Pinschmidt, die Leiterin des Sozialen Dienstes, den Sängern für die „wunderbaren Auftritte im Heim“. Der Chor sei immer bei den Menschen im Haus willkommen gewesen. „Diese Mitteilung macht uns sehr traurig. Für uns sind sie ein toller Gesangverein.“

Zur internen Weihnachtsfeier werden sich die Sänger noch einmal mit ihren Frauen am morgigen Freitag, 8. Dezember, im Vereinsheim am Spreeler Weg treffen, auch um ihren Frauen Dank zu sagen für die Mithilfe bei zahlreichen Veranstaltungen. So lud der Chor seit 1972 jeweils am ersten Advent die älteren Mitbürger aus Königsfeld zur Feier ins Vereinsheim ein. Es gab eine Kaffeetafel und natürlich wurde viel gesungen. „In diesem Jahr konnte die Tradition schon nicht mehr weitergeführt werden“, bedauerte Richard Urban im Beisein des 1. Vorsitzenden Ernst Gromm im Gespräch mit dieser Zeitung. Urban, der seit dem Jahr 1963 zweiter Vorsitzender ist, weiß: „Die Bürgermeister Ewald Rettberg, Harald Wolf, Friedrich Döpp, August Born, Gerd Dessel, Michael Eckhardt und Wilhelm Wiggenhagen sowie Bürgermeisterin Imke Heymann waren alle bei den Feiern für die Senioren bei uns zu Gast.“

1963 wieder aktiviert

Im Jahr 1912 wurde der Chor in der damaligen Gaststätte Dürholt gegründet. Ganz spontan hätten sich 13 Mitglieder in die Mitgliedsliste eingetragen. 1. Vorsitzender wurde Walter Zuschlag. Der Mann aus Königsfeld war auch aktiv in der Löschgruppe Külchen der Freiwilligen Feuerwehr. Zuschlag war es auch, der 1963 den Chor wieder aktivierte. In den Kriegs- und Nachkriegsjahren war eine Chorarbeit in Königsfeld nicht möglich gewesen. Chorleiter wurde Klaus Brux, der auch die Volksschule Stucken in Königsfeld führte. Den Vorsitz des Chors führte Willi Osenberg. Die Mitgliederzahl stieg. Als das 60-Jährige in einem Festzelt auf Königsfeld gefeiert wurde, zählte der Chor 42 Sänger. Richard Urban erinnert sich: „Wir gaben Konzerte, waren in der Konzertreihe Sang- und Klang im Hülsenbecker Tal dabei, sangen in den verschiedensten Alten- und Pflegeheimen, traten auch in unserer Partnerstadt Vilvoorde auf. Noch vor fünf Jahren gaben wir zum 100-jährigen Bestehen ein großes Konzert in der Klinik Königsfeld.“

Günther Quett, der als 2. Bass im Chor sang, wurde nach dem Tode von Peter Wolff im Jahr 2014 offiziell Chorleiter. Schon vorher war er Vize-Dirigent und stand dem auch Chor vor, als Peter Wolff wegen einer Erkrankung nicht zur Verfügung stand. Wolff hatte in den 90er-Jahren das Amt in Königsfeld übernommen. Er dirigierte damals auch den Männergesangverein „Sängerbund“ Radevormwald. Seit dem Engagement von Peter Wolff in Königsfeld unterstützten sich auch beide Chöre.

INFO:

1972 wurden die Sänger des MGV „Sangeslust“ auch handwerklich tätig. Sie bauten sich neben der Schule Stucken das Vereinsheim. „Das Grundstück haben wir von der Stadt gepachtet“, erklärt Richard Urban. „Zum 31. März des kommenden Jahres werden wir das Vereinsheim der Stadt übergeben.“

Bevor das Vereinsheim stand, hatten die Sänger in der Gaststätte Heitmann am Külchen geprobt.

Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik