Ennepe-Ruhr.

Schulen brauchen schnelles Internet

Bislang hat kaum einen Schule im Ennepe-Ruhr-Kreis eine Glasfaseranbindung. Das soll sich schleunigst ändern.

Bislang hat kaum einen Schule im Ennepe-Ruhr-Kreis eine Glasfaseranbindung. Das soll sich schleunigst ändern.

Foto: Friso Gentsch / dpa

Ennepe-Ruhr.   Viele Stolpersteine und Fallen auf dem Weg zur Breitbandanbindung der Schulen im EN-Kreis. Bundesförderprogramm ist für Kommunen unattraktiv.

Der Satz ist zwar eine Phrase, über deren Korrektheit besteht jedoch Einigkeit: Die Zukunft ist digital. Diejenigen, die diese Zukunft maßgeblich gestalten sollen, werden jedoch recht analog ausgebildet. Nur sechs von 105 Schulstandorten im EN-Kreis verfügen über Glasfaseranbindung. „Das muss sich ändern“, sagt Breitbandbeauftragter Ulrich Schilling, dessen Bericht zu diesem Thema die Kreispolitik am Mittwoch, 12. Juni, im Ausschuss für Kreisentwicklung, Wirtschaft, Verkehr und Demografie beschäftigen wird. Ziel: In wenigen Jahren sollen alle Schulen eine Gigabit-Infrastruktur haben. Probleme: Gibt es auf dem Weg dorthin noch einige.

Aktuelle Lage

Derzeit arbeiten alle neun Kommunen und der Kreis selbst mit eigenen Konzepten, sind unterschiedlich weit und detailliert aufgestellt. Im Zuge von Modernisierungsarbeiten sollen bis Ende 2021 alle Schulen mit Technik ausgestattet sein, die ein Arbeiten im Gigabitbereich erlaubt. Bei etwa 90 Prozent ist das aktuell bereits der Fall. Geholfen hat dabei unter anderem das Programm „Gute Schule 2020“.

Das Problem fängt außerhalb der Gebäude an: Diese sind nämlich nicht an Glasfaserkabel angeschlossen, die einzig dazu in der Lage sind, diese Geschwindigkeiten zu übertragen. Die Telekom und Net Cologne haben bislang auch kein Interesse daran, und erst seit 2014 über das Vectoring-Verfahren ihre Kupferleitungen beschleunigt. Der Gigabitbereich ist mit damit jedoch nicht möglich. Die Stadt Gevelsberg hat deshalb aus eigener Initiative heraus Richtfunkstrecken zu sieben ihrer neun Schulen eingerichtet, um zeitgemäßes Lernen zu ermöglichen.

Wünsche der Städte

Es gibt grundsätzlich zwei Möglichkeiten, die kommunalen Gebäude an das Glasfasernetz anzubinden. Variante eins: Jedes Gebäude bekommt einen eigenen Anschluss mit eigener Servertechnik und einem eigenen Vertrag, der bezahlt werden muss. Variante zwei: Es gibt – vereinfacht gesagt – Zentralstandorte, wie das Rathaus. Hier sind Servertechnik, die Firewall und so weiter installiert. Von hier aus können Glasfaserleitungen zu den städtischen Gebäuden wie den Schulen gezogen werden.

Weil Variante zwei deutlich günstiger und pflegeleichter ist – vor allem was die Folgekosten anbelangt – ist das die Lösung, die die Kommunen befürworten. „Diese Lösung macht Sinn, sie ist von Telekom und Co. aber nicht gewollt, weil es hier deutlich weniger zu verdienen gibt“, sagt Ulrich Schilling.

Chaos bei der Förderung

Parallel existieren zwei Förderprogramme des Landes (seit Februar 2019) und des Bundes (seit August 2018), die den Städten helfen sollen, diese immensen Investitionen zu stemmen. Nach den Förderkriterien ist eine Bundesförderung bei fast allen Schulen im Kreis möglich und eine Landesförderung wegen des Subsidiaritätsprinzips damit ausgeschlossen. Problem ist, dass die Bundesförderung im Gegensatz zum Landesprogramm keine Förderung der zentralen Städtenetze – wie von den Kommunen forciert – erlaubt. Heißt: Mit Fördergeldern könnte nur eine Art Ausbau bezahlt werden, den niemand will. „Der Ennepe-Ruhr-Kreis schätzt die Einsparung bei Einrichtung, Wartung, Pflege und Administration des zentralistischen Systems gegenüber den durch den Bund geförderten Einzelanbindungen während der ersten sieben Jahre der Zweckbindung auf 15 bis 30 Prozent ein. Nach der Zweckbindung wird eine Ersparnis von rund 80 Prozent erwartet“, heißt es dazu in der Vorlage.

Nun will Ulrich Schilling kreativ werden: „Das Landesförderprogramm bietet eventuell einen Weg an, die Anbindung aller Schulen im Kreis doch über die Landesförderung zu ermöglichen. Die Voraussetzung hierfür ist ein kreisweites Schulanbindungskonzept“, teilt er mit.

In enger Zusammenarbeit der Schulämter und IT-Abteilungen der Städte habe der Kreis ein entsprechendes Papier erarbeitet. Dieses werde in enger Abstimmung mit der Bezirksregierung, Abteilung Gigabit.NRW, Geschäftsstelle Arnsberg, dem Land NRW vorgelegt. „Sollte dieses Konzept vom Land befürwortet werden, ist eine außerordentliche Förderung aller Schulen im Kreis in einem überschaubaren Zeitraum möglich und finanzierbar“, heißt es in der Vorlage für den Ausschuss. Mit einer Antwort des Landes wird in den nächsten Tagen gerechnet.

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