Wilhelm Erfurt

Schwelm ehrt seinen Ehrenbürger

Ein Orden aus Hefeteig für jemanden, der schon alles hat: Bürgermeisterin Gabriele Grollmann hat ihn Wilhelm Erfurt im Haus Martfeld überreicht. Rechts: Ehefrau Rosemarie Erfurt.

Foto: Bernd Richter

Ein Orden aus Hefeteig für jemanden, der schon alles hat: Bürgermeisterin Gabriele Grollmann hat ihn Wilhelm Erfurt im Haus Martfeld überreicht. Rechts: Ehefrau Rosemarie Erfurt. Foto: Bernd Richter

Schwelm.   „Geht nicht, gibt’s nicht.“ Das war immer die Lebensphilosophie von Wilhelm Erfurt. Die Stadt einen Empfang für ihren Ehrenbürger ausgerichtet.

„Rede nicht, tu was“ und „Geht nicht, gibt’s nicht.“ Mit diesen kurzen Sätzen hat Wilhelm Erfurt am Donnerstagmorgen im Haus Martfeld seine Lebensphilosophie erläutert. Bürgermeisterin Gabriele Grollmann hatte in Schwelms gute Stube eingeladen, um den 86-jährigen Ehrenbürger nachträglich feierlich im Namen der Stadt zur Verleihung des Verdienstordens des Landes Nordrhein-Westfalen zu gratulieren. Ministerpräsidentin Hannelore Kraft hatte dem heimischen Unternehmer und Gründer der gemeinnützigen „Wilhelm-Erfurt-Stiftung für Kultur und Natur Schwelm“ für sein gesellschaftliches Engagement mit dieser hohen Auszeichnung bedacht und sie ihm im Januar im Düsseldorfer Kunstpalast überreicht.

1970 Stunde Null für Haus Martfeld

Wilhelm Erfurt durfte sich die Gästeliste selbst zusammenstellen. Auf ihr fanden sich Weggefährten, die ihm nahestehen und die Personen, die seine Auszeichnung angeregt und unterstützt hatten. Darunter auch der ehemalige Sozialdemokrat und das heutige Linke-Ratsmitglied Jürgen Feldmann – ein Wegbegleiter in Sachen Natur, Umweltschutz und Denkmalpflege, wie Wilhelm Erfuhrt in seinem Grußwort hervorhob. Erfurt erinnerte an das Jahr 1970, als „das Schloss Martfeld absolut zur Disposition stand“.

Die Stadt habe am Erhalt von Martfeld kein Interesse mehr gehabt und sei erst durch den Bürgerprotest „wach gerüttelt worden“. „Ich habe immer gesagt, Martfeld ist ein Juwel, ein ungeschliffener Diamant. Man kann etwas daraus machen, muss es nur wollen. Und plötzlich flossen die Gelder“, so der Ehrenbürger. Wilhelm Erfurt erinnerte auch an die Gründung seiner Stiftung vor 21 Jahren. „Aus den Beiratsmitgliedern ist ein Kreis guter Freunde geworden.“

Lob durch die Bürgermeisterin

Etwas Wehmut kam auf, als Wilhelm Erfurt an den vergeblichen Kampf um die Ansiedlung der Biologischen Station des Kreises im Martfeld-Park erinnerte. „Manche Dinge werden vollbracht und manche eben nicht.“

„Sie sind in unglaublicher Bescheidenheit unterwegs, haben sich herausragend um das Wohl der Bürger dieser Stadt verdient gemacht“, lobte Bürgermeisterin Gabriele Grollmann das jahrzehntelange Wirken von Wilhelm Erfurt. Sein Engagement als Privatmann für das Schloss Martfeld gehe in die Hunderttausende. Zuletzt habe er die neue Bestuhlung von Haus Martfeld finanziert, ermögliche seit Jahren die anspruchsvolle kammermusikalische Konzertreihe „Martfeld Klassik“ mit Künstlern der Spitzenklasse, ihm sei der Leseraum Historischen Bibliothek und die Anschaffung von Rollregalen für das Stadtarchiv und die Rettung des Schwelmer Haferkastens aus dem Jahr 1583 als bedeutsames Kulturgut der Region zu verdanken.

Als Privatmann fördere Wilhelm Erfurt Seniorinnen und Senioren eines Altenheims, denen er seit Jahren den geliebten Malunterricht bezahlt. Er habe zudem die Dokumentation „Jüdisches Leben“ der Schwelmer Stolpersteingruppe finanziert und Schülerinnen und Schülern Studienfahrten in die Gedenkstätte des Konzentrationslagers Auschwitz ermöglicht. Hegering, Verein für Heimatkunde, Arbeitsgemeinschaft Umweltschutz, die Nachbarschaften und die Stiftung Lebenshilfe Hagen/EN würden ebenso von seinem Engagement profitieren wie Schwelmer Kinder durch die Waldjugendspiele und die fahrbare Waldschule.

Was kann man einem Menschen schenken, der alles hat? Bürgermeisterin Gabriele Grollmann hatte die rettende Idee und überreichte einen schmackhaften, überdimensionalen Orden: eine Medaille aus Hefeteig, die ein Stadtwappen und das Wort „Danke“ ziert.

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