St. Marien

Schwelmer Grundschule profitiert von jungen Sanitätern

Zwölf Schülerinnen und Schüler gehören zum Team des Schulsanitätsdienstes. Lehrerin Melanie Muth (stehend, 3. von links) leitet sie an.

Zwölf Schülerinnen und Schüler gehören zum Team des Schulsanitätsdienstes. Lehrerin Melanie Muth (stehend, 3. von links) leitet sie an.

Foto: Andreas Gruber

Seit Anfang des Schuljahres gibt’s an der Katholischen Grundschule St. Marien in Schwelm den Schulsanitätsdienst – und er hat sich bewährt.

Beide Knie und ein Ellenbogen bluten. Die Schülerin ist beim Fangen spielen auf dem Pausenhof über einen Ball gestolpert und übel gefallen. Wenige Minuten später haben Mitschüler ihre Wunden gereinigt, versorgt und professionell verbunden. Möglich macht’s der Schulsanitätsdienst, den es seit Anfang des Schuljahres an der städtischen Katholischen Grundschule St. Marien gibt. Die Bilanz nach knapp einem Jahr kann sich mehr als sehen lassen.

Schwindelig und schwummerig

„Drei Schüler kamen zu mir und sagten, dass ihnen schwindelig und schwummerig ist“, erzählt Johanna von einem Erlebnis aus den vergangenen Monaten. Was war passiert? Das wusste sie anfangs natürlich auch nicht. Sie fragte aber, wie sie es gelernt hatte, gezielt nach und bekam heraus, dass die drei Schüler gerade aus der Turnhalle kamen, dort Sportunterricht hatten, und „dann fühlten sie sich schlecht“, so Johanna. Sie und ihre beiden Mitstreiter, die an diesem Tag den Schulsanitätsdienst auf dem Pausenhof hatten, beurteilten die Einsatzlage. „Uns war sofort klar, dass wir hier Hilfe herbeirufen mussten“, sagt Johanna. Sie holten eine Lehrerin, die sofort die Eltern informierte, und später beim Arzt stellte sich heraus, dass die drei Schüler zu wenig getrunken hatten.

Zwölf Schulsanitäter im Einsatz

Zwölf Schülerinnen und Schüler machen mit beim Schulsanitätsdienst, den es seit Schuljahresbeginn an der Jahnstraße gibt. Sie wissen, wie man Wunden reinigt, woran man einen Knochenbruch erkennt, wann man kühlt und wann man nicht kühlt, wie man die verschiedenen Pflaster richtig aufbringt, und wann auf jeden Fall schnell ein Erwachsener herbeigerufen werden sollte. Einmal pro Woche nach Unterrichtsschluss treffen sie sich, um zu üben, was für Ersthelfer im Notfall wichtig ist.

Ausgebildete Krankenschwester

Die Idee dazu hatte Lehrerin Melanie Muth bzw. ihr 20 Jahre alter Sohn, wie sie sagt. „Er hatte vor anderthalb Jahren vom Schulsanitätsdienst in Herdecke gehört und mir gesagt: Macht das doch auch.“ Die Empfehlung kam nicht von ungefähr. Die Schwelmerin absolvierte vor ihrer Lehramts-Zeit eine Ausbildung zur Krankenschwester, engagiert sich in ihrer Freizeit in der Freiwilligen Feuerwehr (Löschzug Stadt) und in der kirchlichen Notfallseelsorge. An der Grundschule St. Marien, wo sie seit fünf Jahren unterrichtet, leitet sie die Erste-Hilfe-AG. „Daraus entwickelte sich dann im vergangenen Jahr unser Schulsanitätsdienst“.

Konzept der Johanniter-Jugend

Melanie Muth ging auf die Johanniter-Unfallhilfe Ruhr-Lippe zu, deren Johanniter-Jugend bundesweit den Schulsanitätsdienst organisiert und unterstützt. Die Grunschule bekam Materialien für die Ausbildung und für die Ausrüstung gestellt. Der signal-rote Einsatzrucksack, den die Kinder in ihren leuchtend-roten Pullis bei ihren Pausenhof-Einsätzen immer bei sich haben, ist gefüllt mit Pflaster, Verbandmaterial, Kompressen, Spucktüte, Einweghandschuhen und einigem mehr. Jeder Einsatz wird auf einem speziellen Bogen – auch für den Fall einer nötigen Weiterbehandlung – protokolliert.

Schüler können sogar Reanimation

Ein Höhepunkt der Ausbildung war ein Besuch des Schulsanitätsdiensttages im November vergangenen Jahres in Hennef. Neun Mädchen und drei Jungen nahmen zusammen mit weiteren 400 Schulsanitätern aus NRW an verschiedenen Workshops teil und lernten noch vieles mehr über Erste Hilfe. Selbst Reanimation, Beatmung und Blutdruckmessen sind für die Ersthelfer nichts Neues mehr.

Ihr Einsatz hat natürlich auch Grenzen. Beispielsweise, wenn es stark blutet, bei Atemproblemen und wenn Fehlstellungen auf eine Fraktur hinweisen, wie Melanie Muth erklärt. Dann gilt: Auf jeden Fall einen Erwachsenen herbeirufen. Aber auch dann ist der Einsatz der Ersthelfer noch nicht beendet. Schulsanitäter lernen, immer beim Verletzten zu bleiben, ihn zu beruhigen und zu versorgen, bis Hilfe kommt.

Scheu vorm Helfen abbauen

Für die Schüler bedeutet der Schulsanitätsdienst ein Mehr an Sicherheit. Den jungen Sanitäter selbst bringt es noch mehr. „Sie lernen, dass niemand Angst haben muss vorm Helfen. Sie verlieren ihre Scheu davor und gehen nicht vorbei, wenn jemand Hilfe braucht. Selbst wenn sie nicht wissen, was zu tun ist, wissen sie zumindest, wie man Hilfe ruft und bekommt“, berichtet Melanie Muth. Und noch eine Beobachtung, die die Lehrerin in den vergangenen Monaten machte: So mancher Schüler „taute“ beim Schulsanitätsdienst regelrecht auf und machte die Erfahrung, wie wichtig und wertvoll er ist, auch wenn im Unterricht die Noten nicht immer die besten sind.

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