Ärger

War’s das jetzt mit dem Gestank der Schwelmer Knochenmühle?

Die Firma Schmidt und Geitz hat sich über diverse Verbote und Richtlinien hinweggesetzt. Jetzt muss sie die Konsequenzen tragen.

Die Firma Schmidt und Geitz hat sich über diverse Verbote und Richtlinien hinweggesetzt. Jetzt muss sie die Konsequenzen tragen.

Foto: Archiv

Gevelsberg/Schwelm.   Nach den illegalen Einleitungen müssen die Abwässer abgefahren werden. Die Stadt Gevelsberg prüft die Notwendigkeit einer Kanalreinigung.

Die beharrlichen Ermittlungen und Überprüfungen der Knochenmühle durch den Ennepe-Ruhr-Kreis scheinen sich für die Bürger gelohnt zu haben, bringen aber gleichzeitig die Firma Schmidt und Geitz, die an der Gevelsberger Straße täglich bis zu 160 Tonnen tierischer Abfälle verwerten darf, in arge Bedrängnis: Illegale Einleitungen von ungeklärten Abwässern ins Kanalnetz über Rohre, die auf keinen Plänen eingezeichnet sind, haben für das komplette Einleitungsverbot von Abwässern in die öffentlichen Kanalnetze gesorgt (wir berichteten).

Bereits einige Tage zuvor stand der Betrieb still, nachdem die Immissionsschutzbehörde festgestellt hatte, dass die Kläranlage der Firma praktisch nutzlos ist, weil sie kaum noch eine Reinigungsleistung erbringt. Als die Aufsichtsbehörde feststellte, dass die Firma, die jede Einleitung ihrer Abwässer ins öffentliche Kanalnetz bei der Stadt Schwelm melden musste, dies nicht tat und trotzdem kräftig Abwasser einleitete, war der Ehrgeiz der Behörde geweckt.

Nicht genehmigte Rohre genutzt

Im Zusammenspiel mit den Technischen Betrieben der Stadt Schwelm fand man heraus: „Es gibt Wasser, das an der Kläranlage vorbei in die Kanalisation gelangt“, wie Wolfgang Flender, Leiter des Sachgebietes Wasserwirtschaft und Immissionsschutz, deutlich macht. Heißt im Klartext: Die Firma hat Rohre zur direkten Einleitung ihrer Abwässer in den Schwelmer Kanal genutzt, von denen die Behörden gar keine Kenntnis hatten. Eine Erklärung, wie dies denn sein könne, blieb die Firma bislang schuldig. Ebenso weshalb Schmidt und Geitz illegal Abwässer in einen ehemaligen Kühlteich einleitete, von wo aus die stinkende Brühe Ende März in ein Regenrückhaltebecken der Stadt Schwelm gelangte.

Sehr wohl aber reagierte der Ennepe-Ruhr-Kreis und untersagte der Firma die Einleitung von Abwässern ins öffentliche Kanalnetz komplett. Doch der Zustand des Kanalnetzes kann für Schmidt und Geitz eventuell noch zu einer teuren Geschichte werden. Denn: Aus den Schwelmer Abwasserkanälen ist die Brühe weiter nach Gevelsberg geflossen und dort unter der Mittelstraße bis hin zum Rocholz in die Kläranlage. „Dass wir Anhaftungen in unserem Kanalnetz haben, die von der Knochenmühle her rühren, steht außer Frage“, teilt Bürgermeister Claus Jacobi auf Nachfrage dieser Zeitung mit. „Wir werden prüfen, ob eine Reinigung notwendig ist. Sollte dies der Fall sein, werden wir selbstverständlich alles tun, um uns diese Kosten von der Firma Schmidt und Geitz zurück zu holen.

Konsequent schriftliche Beschwerden

Diese teilt auf ihrer Internetseite mit, dass die Stadt Gevelsberg noch nie das Gespräch mit ihr gesucht hätte. Damit konfrontiert schüttelt der Bürgermeister nur den Kopf: „Wir haben sie zu unserer Bürgerversammlung eingeladen. Sie haben abgesagt.“

Das Engagement der Bürger, die konsequenten schriftlichen Beschwerden, die hervorragende Zusammenarbeit zwischen den Städten Schwelm und Gevelsberg sowie des Ennepe-Ruhr-Kreises und der stetig steigende öffentliche Druck hätten am Ende dazu geführt, dem Leichengeruch in Gevelsberg zumindest aktuell einen Riegel vorzuschieben.

Abluft wird weiter beobachtet

Denn seitdem der Betrieb zunächst ruhte und nun der Kreis die Untersagung ausgesprochen hat, können die Menschen in Gevelsberg und Schwelm wieder ohne Würgereiz ihre Zeit unter freiem Himmel genießen. Das heißt aber nicht, dass die Knochenmühle nun aus dem Fokus rückt. Denn: Die Abwässer sind nicht die einzige Quelle, von der aus der Gestank durch die Straßen zieht. „Der Luftpfad ist weiterhin offen und wir erwarten, dass die selbe Konsequenz wie beim Wasser auch bei den technischen Vorkehrungen zur Luft an den Tag gelegt wird“, sagt Jacobi, der betont: „Wir wollen der Firma Schmidt und Geitz nicht schaden. Wir wollen lediglich, dass es in unserer Stadt nicht mehr stinkt.“

Gleichwohl hat die Immissionsschutzbehörde des Kreises die Abluftanlagen seit Langem im Blick. „Über eingebaute Temperatursensoren und laufende Datendokumentation wird die Funktion des Luftkondensators überwacht. Gegebenenfalls sind weitere Maßnahmen erforderlich“, teilt der Ennepe-Ruhr-Kreis mit.

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