Umgestaltung

Schwelmer Martfeld-Kapelle in neuem Glanz

Schöner denn je präsentiert sich die Kapelle Martfeld nach ihrer Umgestaltung: Dr. Bärbel Jäger vom Museum Martfeld  steuert mit ihrem Vortrag allerlei Geschichtliches zur Kapelle bei.

Schöner denn je präsentiert sich die Kapelle Martfeld nach ihrer Umgestaltung: Dr. Bärbel Jäger vom Museum Martfeld steuert mit ihrem Vortrag allerlei Geschichtliches zur Kapelle bei.

Foto: Bernd Richter

Schwelm.  Nach der Umgestaltung dankt der Verschönerungsverein mit einer Feier allen Unterstützern – und überrascht mit einer kleinen Sensation.

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Schöner denn je präsentiert sich die Kapelle Martfeld nach ihrer Umgestaltung. Zu verdanken hat das der Verschönerungsverein als Eigentümer des denkmalgeschützten Gebäudes auch vielen Unterstützern. Diese hatte der Vorstand um Michael Lindermann und Ralf Stoffels zu einer Dankesfeier mit Programm an und in die Kapelle eingeladen.

Ralf Stoffels konnte an diesem Abend sogar mit einer kleinen Sensation aufwarten. Er präsentierte historische Dokumente aus den frühen Jahren des Verschönerungsvereins. Diese Papiere, teilweise in Sütterlin abgefasst und von Max Klein, dem einstigen Ehrenbürger der Stadt Schwelm, hatte ein Freund von ihm, Burkhard Lambeck, beim Aufräumen in seinem Keller gefunden.

Dazu muss man wissen, dass Burkhard Lambeck der Enkel von Ernst Lambeck ist. Und dieser war einst nicht nur ehrenamtlicher Bürgermeister der Stadt Schwelm, sondern stand als 1. Vorsitzender früher auch dem Verschönerungsverein vor. Dieser Zufallsfund erweckte natürlich auch der Interesse von Anne Peter. Die 1. Vorsitzende des Vereins für Heimatkunde lieh sich die Dokumente, darunter Originalsatzungen von 1899 und Satzungsänderungen vom 6. September 1918, gleich zwecks intensiverer Sichtung aus.

50 Gäste bei Dankesfeier

Zu Beginn des Abends richtete Vorsitzender Michael Lindermann Worte des Dankes an die bei bestem Sommerwetter gekommenen rund 50 Gäste. Sie hatten alte Schlösser in der Kapelle repariert, Türen gängig gemacht, eine Videoüberwachung installiert, Sitzkissen gefertigt, Kirchenbänke transportiert, aufgearbeitet und hergerichtet, aufgeräumt und geputzt, die Einfriedung überarbeitet, das Dach ausgebessert und die Außenanlagen gepflegt.

Der Dank des Vorstands galt auch Till Mundorf von der Gastronomie Haus Martfeld, der für die Bewirtung sorgte, Daniel Hinzmann für den musikalischen Rahmen der Feier und Dr. Bärbel Jäger vom Museum Martfeld und Anne Peter vom Verein für Heimatkunde, die allerlei Geschichtliches in Vorträgen zur Kapelle beisteuern konnten.

Bürgermeisterin Gabriele Grollmann findet die Kapelle „einfach wunderbar“, schätzt sie als Rückzugsort. Ihr Dank galt den „vielen Ehrenamtlichen, die sich mit Leib und Seele engagieren.“ Ihr Fazit: „Gemeinsam sind wir stark.“

Ein wichtiges Projekt, dem sich der Verein widmen will, ist die Verbesserung der Ausschilderung der Wanderwege. Mehr als 46 Hektar Wald gehören dem Verschönerungsverein, viel Fläche, die zukünftig noch attraktiver gestaltet werden soll. Matthias Kampschulte sicherte im Namen des Schwelmer Sport Clubs bereits Unterstützung zu. Hier wird auch der Schulterschluss zu weiteren Schwelmer Sportvereinen, Institutionen und Clubs gesucht, um dieses Projekt zu voll­enden.

Sitzbänke werden instand gesetzt

Vereinsvorsitzender Michael Lindermann hat sich als Wegeauszeichner vom SGV entsprechend schulen lassen. Auch die Sitzbänke längs der Wanderwege sollen auf Vordermann gebracht werden.

Die Martfeld-Kapelle soll Schauplatz für viele unterschiedliche Anlässe werden 

Der Verschönerungsverein blickt auf eine lange und bewegte Geschichte zurück. 1896 gegründet, hat die Initiative für ein schönes und schützenswertes Stadtbild viele Veränderungen und Verbesserungen in Schwelm angestoßen. Seit dem Herbst 2017 stehen die Zeichen auf Neustart. Mit einem kompletten Vorstandswechsel hat sich der Verein einiges vorgenommen.

Trauungen sind in der Kapelle möglich

Mehr in den Mittelpunkt rücken soll die Martfeld-Kapelle, die seit 1995 im Besitz des Vereins ist. Der romantische Ort wird für Empfänge nach Hochzeiten genutzt. Auch die Öffnung für kirchliche Trauungen beider Konfessionen ist mittlerweile möglich. Lesungen, Konzerte, kulturelle Veranstaltungen: Der Verein wünscht sich, dass die Martfeld-Kapelle Schauplatz für viele unterschiedliche Anlässe wird.

Generell soll mehr Öffentlichkeit für die Arbeit der Verschönerungsvereins geschaffen werden. Hier ist auch die tatkräftige Unterstützung der Bürger Schwelms gefragt. Jede Hilfe, Anregungen und Impulse sind herzlich willkommen.

Ein besonderes Anliegen ist es auch, junge Leute mit ins Boot zu holen, um sich für die Verschönerung und für die langfristige Erhaltung ihrer Heimatstadt einzusetzen. Der Verein wird dazu spezielle Angebote für Jugendliche und junge Erwachsene schaffen.

In den vergangenen sechs Jahren musste der Verein 45 400 Euro für die Kapelle aufwenden, 21 800 Euro davon wurden alleine in Reparaturen gesteckt, mit dem Rest wurden die laufenden Kosten gedeckt. Vor allem die Entfeuchtung im Inneren kostet Geld und viel Engagement.

Das tägliche Leeren des Wasserbehälters gehört glücklicherweise der Vergangenheit an. In Absprache mit der Oberen Denkmalbehörde in Münster konnte eine Lösung gefunden werden, die das Wasser des Entfeuchters direkt nach draußen leitet.

Die Kapelle soll zu einem Ort für kulturelle und festliche Anlässe werden. Als Schmuckstück direkt neben dem Schloss Martfeld bildet sie gemeinsam mit der gepflegten Grünanlage einen wunderschönen Rahmen für Ausstellungen, Trauungen oder Konzerte. Durch die benachbarte Gastronomie „Im Martfeld“ ist auch für kulinarische Abrundung von Events gesorgt.

Die Aufgaben des Schwelmer Verschönerungsvereins 

Der Verein für Heimatkunde hat die Geschichte des Verschönerungsvereins Schwelm aufgeschrieben. Ein Auszug:

Die Aufgaben

„Der Verschönerungsverein Schwelm e.V. blickt auf eine mehr als 120-jährige Geschichte zurück. Seit seinem Gründungsjahr 1896 zählen bis heute zu seinen satzungsmäßigen Aufgaben „Verschönerungen aller Art, namentlich solche Anlagen und Wege im Bezirke der Stadt Schwelm und Umgegend selbstständig herzustellen oder deren Ausführung anzuregen, zu fördern und zu unterstützen, welche zur Annehmlichkeit, Bequemlichkeit und Erholung des Publikums beitragen können.“

So erwarb der Verein im Laufe der Jahrzehnte Grundstücke, Grünland und Wälder, sorgte kontinuierlich für Aufforstung, Baumpflanzungen und eine nachhaltige Forstwirtschaft. Wanderwege wurden angelegt und an besonderen Aussichtspunkten oder Wegen Ruhebänke zur Erholung aufgestellt. Mit persönlichen Spenden, mit Darlehen der Bürger und Finanzhilfen seitens der Stadt entstand ein zusammenhängendes Naherholungsgebiet im Südwesten der Stadt zwischen Winterberg und Ehrenberg, das heute 46 Hektar umfasst.

Die Waldlust

1907 kam es zum Ankauf eines Anwesens mit Wohnhaus und Fabrikraum auf dem Ehrenberg. Aus diesem Gebäude entstand die vereinseigene Gaststätte mit Schankbetrieb „Waldlust“, die am 27. Mai 1908 eingeweiht wurde und bis zum Jahre 1996 ein zentraler Ort für den Verein bleiben sollte. Sie wurde verkauft und wird heute als Wohnhaus genutzt. Am nahegelegenen Hang richtete der Verschönerungsverein eine Rodelbahn ein, die 1980 der Schwelmer Skiclub mit einem Schlepplift ausstattete. Sportbegeisterte werden sich sicherlich noch an die dort ausgetragenen Stadtmeisterschaften erinnern.

Die Gedenksteine

Gedenksteine, die der Verein an markanten Punkten aufstellte, erinnern an Persönlichkeiten, die sich besonders für die Schwelmer Kulturlandschaft verdient gemacht hatten.

Die Spenden

Der Verein unterstützte auch solche Projekte, die allgemein zur Verschönerung oder zur Attraktivität der Stadt beitrugen. So leistete er eine größere Geldspende 1970 für die Errichtung des Schwelmer Hallenbades, richtete 1972 einen Kinderspielplatzes am Ehrenberg ein oder ließ 1993 eine Bronzetafel in das Straßenpflaster ein, die an die alte Stadtmauer erinnert.

Die Kapelle

1995 fiel eine zukunftsweisende Entscheidung des Vorstands. Man beschloss, die Waldlust zu verkaufen, da eine Kernsanierung des Gebäudes für die finanziellen Möglichkeiten des Vereins nicht tragbar war. Den Verkaufserlös investierte der Verein zusammen mit Mitteln des Landes NRW und der Nordrhein-Westfalen-Stiftung in ein neues Gebäude und rettete es damit vor dem Verfall: Die im neugotischen Stil erbaute Kapelle im Martfelder Park.

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