Innenstadt

Schwelmer Politik vertagt Brauereibeschlüsse

Gastronomie oder Kulturzentrum? Die politischen Fraktionen sind sich uneinig über die künftige Nutzung des Kesselhauses.

Gastronomie oder Kulturzentrum? Die politischen Fraktionen sind sich uneinig über die künftige Nutzung des Kesselhauses.

Foto: Stefan Scherer

Schwelm.   Künftige Nutzung für Kesselhaus und Patrizierhaus wird am 5. Juli im Stadtrat entschieden. Vier Büros wollen die Generalplanung für Rathaus-Bau.

Der erste Schritt im Vergabeverfahren zum Bau des neuen Schwelmer Rathauses ist getan und nun steht auch fest, welche Zeitschiene geplant ist. Bis spätestens 30. November 2021 soll das neue Verwaltungszentrum der Kreisstadt auf dem ehemaligen Brauereigelände stehen.

Rathausbau

Die Suche nach einem Generalplaner läuft derzeit auf Hochtouren. Am vergangenen Donnerstag, 14. Juni, hat die Stadt Schwelm vier Planungsbüros darüber informiert, dass sie zu Vergabegesprächen eingeladen werden. Diese sind aktuell angesetzt für Montag, den 10., und Dienstag, den 11. September. Konkret bewerben sich die Büros als Generalplaner darauf, „ein neues Rathausgebäude inklusive Tiefgarage mit Fläche für eine Ladenpassage im Erdgeschoss“ zu realisieren. Der Vertrag soll am 29. Oktober beginnen und ohne die Option auf eine Verlängerung bis zu 30. November 2021 laufen.

Die Kriterien, die bei der Auswahl angesetzt sind, gründen sich nicht vorrangig auf den Preis. Die Planungsbüros müssen nachweisen, dass sie bereits Erfahrung bei Planungen für Büro- und Verwaltungsgebäude dieser Größenordnung haben, über ausreichend qualifizierte Mitarbeiter verfügen. Am 27. September ist die Sitzung des Stadtrats, in der die Entscheidung gefällt werden könnte.

Kulturzentrum

Bislang galt es als gesetzt, dass die Villa X-tra Dry an der Römerstraße abgerissen wird, um an dieser Stelle ein Kulturzentrum zu errichten, das Musikschule, Bücherei und Volkshochschule beherbergt. Der Antrag der SWG/BfS-Fraktion, alle Planungen dahingehend einzustellen und statt dessen zu prüfen, ob sich Kesselhaus und Patrizierhaus für dieses Projekt eignen, hat jedoch neue Bewegung in die Sache gebracht (wir berichteten).

BfS-Mann Dr. Christian Bockelmann sieht mehrere Gründe für eine Abkehr vom geplanten Kulturzentrum. Er glaube entgegen der Versicherung des Beigeordneten Ralf Schweinsberg nicht, dass der Neubau stattfindet, ohne dass Parkplätze am Wilhelmplatz verloren gehen. „Das Parkplatzthema könnte uns noch vor die Füße knallen. Ich glaube nicht, dass die Tiefgarage ausreicht. Auch wenn Halteverbote eine gute Einnahmequelle sind, meine ich, dass wir eher mehr als weniger Parkraum auf dem Wilhelmplatz benötigen.“

Nächster Knackpunkt: Die Stadt will das Patrizierhaus und das Kesselhaus in Eigenregie renovieren. „Bei beiden Gebäuden ist die Substanz erschütternd. Und ob wir sie vermietet bekommen, sei einmal dahin gestellt.“ Er plädiere für einen Abriss und den Neubau als Kulturzentrum. Zustimmung bekam er von der FDP, die Linken würden die Gebäude am Liebsten verkaufen, der Rest der Fraktionen sieht das Risiko nicht in dem Maße wie die Wählergemeinschaften. Am Ende vertagten die Politiker ihre Entscheidung in die Sitzung des Stadtrats am 5. Juli – ebenso wie die Beschlussvorlage der Verwaltung, die Bestandsgebäude auf dem Brauereigelände zu entwickeln.

Patrizierhaus und Kesselhaus

Diese Bestandsgebäude sind das Patrizierhaus und das Kesselhaus. Insgesamt sah die Verwaltungsvorlage vor, dass die Stadt Schwelm 7,4 Millionen in die Renovierung der Gebäude investiert (650 000 Euro Patrizierhaus, 6,75 Millionen Euro Kesselhaus). Den Politikern fehlt jedoch ein ausgearbeitetes Konzept. Nun soll die Verwaltung die lebenserhaltenden Maßnahmen für die Gebäude beziffern, in der Ratssitzung am 5. Juli benennen. Dort sollen dann auch die von der Verwaltung geforderten „richtungsweisenden Beschlüsse“ gefasst werden, in welche Richtung weitergeplant werden solle.

Am Ende taten sich mehrere Lager im Hauptausschuss auf: Da ist einerseits die Meinung der Wählergemeinschaften, andererseits das Verkaufsplädoyer der Linken. Für die CDU beispielsweise ist die Gastronomie nicht verhandelbar, sie soll das Kesselhaus prägen. Dafür, so teilte Beigeordneter Ralf Schweinsberg mit, gebe es Interessenten. „Ich war mit einem Interessenten bereits vor Ort, ein weiterer wird sich zeitnah erklären.“ Er forderte die Politik auf, die Grundsatzbeschlüsse so schnell wie möglich zu fassen, um dementsprechend arbeiten zu können.

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