Jugend stärken

Schwelmer Schulschwänzer wieder in die Schule zurückholen

„COMBO: Jugend stärken im Quartier ist ein Angebot für Kinder und Jugendliche zur Berufsorientierung und Lebensplanung. Die Stadt stellt es vor (von links): Yasemin Doganay-Domnik, Jugendamt, Koordinierungsstelle „Jugend stärken“, Hildegard Peters, Leiterin des Fachbereichs Familie, Jugend und Soziales, Olaf Menke, Leiter des Jugendamtes und von der Arbeiterwohlfahrt Christopher Muschalla und Gertrud Osadnik.

„COMBO: Jugend stärken im Quartier ist ein Angebot für Kinder und Jugendliche zur Berufsorientierung und Lebensplanung. Die Stadt stellt es vor (von links): Yasemin Doganay-Domnik, Jugendamt, Koordinierungsstelle „Jugend stärken“, Hildegard Peters, Leiterin des Fachbereichs Familie, Jugend und Soziales, Olaf Menke, Leiter des Jugendamtes und von der Arbeiterwohlfahrt Christopher Muschalla und Gertrud Osadnik.

Foto: Bernd Richter / WP

Schwelm.  Auch in vielen Familien in Schwelm ist nicht mehr „heile Welt“ angesagt. Kinder schwänzen die Schule. COMBO will den Teufelskreis durchbrechen.

Die Kinder gehen zur Schule. Die Mutter ist zu Hause und der Vater verdient den Lebensunterhalt. Und abends und an den Wochenenden wird gemeinsam etwas unternommen oder zusammen am Küchentisch „Mensch ärgere Dich nicht“ gespielt. Diese „heile Welt“ war einmal.

Zurückholen in die Gesellschaft

Die Lebenswirklichkeit sieht in vielen Familien heute anders aus. Beide Elternteile gehen arbeiten und haben morgens keine Zeit. Oder Mütter bzw. Väter sind alleinerziehend für die Kinder verantwortlich. Oder es sind Hartz-IV-Haushalte in dritter Generation und die Kinder stehen wie die Eltern erst gar nicht mehr morgens auf. Oder, oder, oder… Immer häufiger vernachlässigen Eltern ihre Erziehungsauftrag mit der Folge, dass die Kinder nur unregelmäßig oder gar nicht mehr zur Schule gehen. Die Folge: Die Kinder kommen, salopp gesagt, auf dumme Gedanken, schwänzen die Schule, geraten im schlimmsten Fall mit dem Gesetz in Konflikt.

Hier setzt ein Projekt der Stadt in Kooperation mit der AWo an, dass jetzt in die zweite Phase geht: „Combo: Jugend stärken im Quartier“ – ein niederschwelliges Angebot zur Berufsorientierung und Lebensplanung für Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 12 und 26 Jahren.

Diese Personen versucht die Stadt bereits im frühen Stadium einzufangen und wieder auf den richtigen Weg zu bringen, um sie in die Gesellschaft zu integrieren. Angefangen werden muss in frühen Jahren, denn sonst werden die Probleme ins Erwachsenendasein transferiert. Wer als Schulschwänzer unterwegs ist, setzt seinen Schulabschluss aufs Spiel, bekommt keine Lehrstelle und läuft Gefahr, aus dem gesellschaftlichen System auszusteigen und zum Dauerempfänger für ALG-II-Leistungen zu werden. Aktuell betreuen die beiden Projekt-Mitarbeiterinnen Sabine Meiser und Gertrud Osadnik 20 Jugendliche, 80 Prozent davon sind Jungen. Sie gehen in die Familien und holen im schlimmsten Fall die Kinder morgen aus dem Bett.

Mit „COMBO Schwelm“ gibt es eine Anlaufstelle für junge Menschen im Jugendzentrum. Die Ratsuchenden erhalten individuelle Beratung und langfristige Begleitung, um Beeinträchtigungen oder soziale Benachteiligung abzubauen. Auch den Erziehungsberechtigten steht das Team „COMBO Schwelm“ bei allen Fragen rund um Schule und Berufseinstieg zur Seite. Das Projekt, das von Yasemin Doganay-Domnik koordiniert wird, will junge Menschen in ihrer sozialen und beruflichen Integration stärken. Ziele sind eine langfristige Stabilisierung der Schulbesuche sowie eine Vorbereitung auf die Aufnahme von schulischer/beruflicher Bildung bzw. berufsvorbereitenden Maßnahmen und Arbeit.

„Wir leisten Erziehungsarbeit“, bringt es Gertrud Osadnik , auf den Punkt. Für die Erziehungs- und Sozialwissenschaftlerin ist es schon ein Erfolg, wenn ihre Schützlinge regelmäßig in ihr Büro im Jugendzentrum kommen und die Angebote wahrnehmen. Wichtig sei auch, dass sie ihre eigenen Strukturen aufbauen würden und erlernen, was sie selbst tun können und wo sie Hilfen bekommen, sagt Yasemin Doganay-Domnik. Alternativen zu Arbeit mit Combo sehen die Fachleute nicht. „Wenn wir nichts tut, haben wir die Jugendlichen schon verloren“, sagt Jugendamtsleiter Olaf Menke. Und Hildegard Peters, Leiterin des Fachbereichs Familie, Jugend und Soziales ergänzt: „Unser Resümee der ersten drei Jahre lautet: Das Projekt macht Sinn. COMBO ist ein Bauteil unser Präventionsmaßnahmen.“

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