Bürgerbad

Schwelmer sollen Bäderzukunft mitbestimmen

Ernst-Walter Siepmann (stehend) stellt den Bericht des Vorstandes über das letzte Jahr vor. Dabei kritisiert er die lokale Politik. Foto:Luca Samlidis

Ernst-Walter Siepmann (stehend) stellt den Bericht des Vorstandes über das letzte Jahr vor. Dabei kritisiert er die lokale Politik. Foto:Luca Samlidis

Schwelm.  Änderungen in der Bäderlandschaft bestimmen Diskussion in der Jahreshauptversammlung des Trägervereins Schwelmebad.

Eine überfüllte Jahreshauptversammlung des Trägervereins Schwelmebad und eine überraschend deutliche und kritische Positionierung gegenüber der lokalen Politik waren das Resultat der Zusammenkunft in der Kölner Straße. „Die haben keinen Bock, irgendetwas mit uns zu machen“, lautet der ernste Vorwurf des ersten Vorsitzenden Ernst-Walter Siepmann, dessen Einladung fast 50 Mitglieder in die Gaststätte El Gecco gefolgt waren. Die aufgeheizte Stimmung wurde in der Kernforderung der Mitglieder deutlich: Sie wollen Druck aufbauen und bei den Planungen und Gesprächen „mit am Tisch sitzen“.

Weiterhin kritische Situation

Die Jahreshauptversammlung des Vereins fand nach mehrmaliger Vertagung statt. Noch immer ist unklar, in welche Richtung sich die Bäderlandschaft in Schwelm entwickeln soll. Zur Debatte stehen Sanierungen des Hallen- und Freibades oder der Bau eines neuen „Kombibades“. Siepmann wirbt für die Verschiebung der Jahreshauptversammlung um Verständnis: „Wir haben die Versammlung von Monat zu Monat verschoben und gewartet, dass eine Entscheidung aus dem Rathaus an der Hauptstraße kommt“.

Till Grüber leitete das Zusammentreffen der Mitglieder. Der Geschäftsführer eines Wermelskirchener Unternehmens ist selbst kein Schwelmer und wurde unter anderem vorgeschlagen, um „so neutral wie möglich“ durch den Abend zu führen.

Den Bericht über die letzten zwei Jahre übernahm jedoch der erste Vorsitzende Ernst-Walter Siepmann und er führte aus, dass das Schwelmer Freibad am Ländchen sich nach wie vor in einer sehr kritischen Situation befinde: „Eine Badesaison hat 2017 definitiv nicht stattgefunden“. Die Zuschüsse der Stadt würden nicht reichen, um diesen Umstand zu kompensieren – das wurde auch schon im Sportausschuss im Oktober so kommuniziert und hatte eine hitzige Diskussion in der Politik der Stadt hervorgerufen. „Was fehlt sind 600 bis 700 zahlende Mitglieder“, beklagt Ernst-Walter Siepmann. Zugleich zeigt er, wie stolz man auf Schwelm sein kann: „Im Jahr 2016 hat uns eine einzelne Dame gerettet. 2017 hat uns die Solidarität der Schwelmer durch ihre Spendenbereitschaft gerettet“, motiviert er unter Applaus. Im Kassenbericht wird deutlich, dass rund 22 000 Euro an Spenden zusammengekommen waren. Dadurch, dass das hohe Spendenaufkommen zu einer „schwarzen Null 2017“ geführt hatte, sind die Voraussetzungen für eine Öffnung des Bades im Sommer 2018 geschaffen. Das ist auch vielen Spendern ein Herzensanliegen gewesen, wie Ernst-Walter Siepmann berichtet. Dabei gehen einige Bürger sogar so weit zu sagen, dass „das Schwelmer Freibad genauso zu Schwelm gehört wie die Christuskirche und das Schloss Martfeld“. Die Mitglieder des Trägervereins sind sich einig: das sei ein Zeichen dafür, dass man weiter für den Fortbestand – in welcher Form auch immer – kämpfen müsse. Mehrere Mitglieder sehen im Entscheidungsprozess Schwierigkeiten auf politischer Ebene: „Viele Politiker kommen nicht aus Schwelm und können das deshalb nicht nachvollziehen“.

Schulparkplätze nutzen

Die kontinuierliche Gewährleistung von Schwimmangeboten im Schul- und Vereinssport war ebenfalls Thema. „Der Verwaltung ist eigentlich klar, dass ein Schwelmer Hallenbad unverzichtbar ist“, sagt ein Gast. Es besteht die Sorge, dass Sportangebote in der Übergangszeit von möglichen Neubauten oder Sanierungen längerfristig ausgelagert werden müssten. Das sei in den Augen des Vereins allerdings nicht machbar.

Sollte es zum Bau eines Kombibads, also einer Zusammenführung von Hallen- und Freibad auf dem Gelände des aktuellen Freibades Ländchen in der Nähe der Dietrich-Bonhoeffer-Realschule kommen, müsse auch die Parkplatzsituation bedacht werden. Außerhalb des Schulbetriebs wird angeregt, bestehende Bereiche der Realschule dafür zu nutzen.

Mehr Mitbestimmung gefordert

In spätestens drei Monaten soll die nächste Versammlung der Mitglieder stattfinden. Bis dahin ist angestrebt, eine Bürgerinformationsveranstaltung durchzuführen, um „unabhängig von der Politik eine Meinungsbildung zu betreiben“, stellt Vorstand Ernst-Walter Siepmann vor. Von der Verwaltung wurde eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Die Anwesenden reagieren im Hinblick auf die nächste Zeit kämpferisch. Es müsse öffentlicher Druck aufgebaut werden, bis der Verein politisch stärker involviert sei.

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