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Schwelmer Sport Club geht Tabu-Thema offensiv an

Vinz Uhlmann (hinten, rechts), Fachberater beim Landessportbund, berät den Vorstand des SSC, inwieweit Strukturen im Verein angepasst werden müssen, damit man am Ende sicher sein kann, dass das Thema sexualisierte Gewalt und Gewalt gegen Kinder im SSC keine Chance hat. 

Vinz Uhlmann (hinten, rechts), Fachberater beim Landessportbund, berät den Vorstand des SSC, inwieweit Strukturen im Verein angepasst werden müssen, damit man am Ende sicher sein kann, dass das Thema sexualisierte Gewalt und Gewalt gegen Kinder im SSC keine Chance hat. 

Foto: Privat / Verein

Schwelm.  Darum hat der Schwelmer Sport Club den Ehrenkodex des Landessportbunds unterzeichnet.

Missbrauch von Schutzbefohlenen im Sport: Für den Schwelmer Sport Club (SSC) ist das kein Tabuthema. Das Gegenteil ist vielmehr der Fall. Der traditionsreiche Verein, der in diesem Jahr eigentlich sein 125-jähriges Gründungsjubiläum groß feiern wollte und wegen Corona die Geburtstagsparty in das kommende Jahr verlegt hat, geht dieses Thema offensiv in seinen Reihen an. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die mit Kindern, Jugendlichen und/oder jungen Erwachsenen arbeiten oder sie betreuen, haben bereits den Ehrenkodex des Landesportbundes NRW unterzeichnet bzw. werden dies noch tun. Wegen den Auswirkungen der Corona-Pandemie ist der Fahrplan zu diesem Thema leider etwas ins Stocken geraten.

Erweitertes Führungszeugnis

„Wir wollen weiterhin ein Verein sein, in dem sich Familien mit Kindern wohl fühlen. Damit das auch so bleibt, hat sich der Schwelmer Sport Club dieser Initiative des Landessportbunds angeschlossen, die letztendlich für mehr Sicherheit der Kinder sorgen will“, sagt Vereinsvorsitzender Carsten Otschakowski im Gespräch mit dieser Zeitung.

Es gehe um das Vertrauensverhältnis zwischen Trainer und Kindern, den Umgang mit dem anderen Geschlecht und darum, sexuellen Übergriffen vorzubeugen. „Alle Trainer des SSC haben ein erweitertes Führungszeugnis. Darüber hinaus haben alle entsprechende Schulungen mit dem Landessportbund besucht“, sagt der Vereinschef. Deshalb rückt der SSC den Schutz vor sexuellen Übergriffen im Sportverein auch aktiv in den Vordergrund.

Der Schwelmer Sport Club hat sich in seinem 125-jährigen Jubiläumsjahr auf den Weg zur Mitgliedschaft im Qualitätsbündnis zum Schutz vor sexualisierter Gewalt im Sport, eine Initiative des Landessportbunds (LSB), gemacht. Nachdem es im vergangenen Jahr bereits eine Auftaktveranstaltung mit allen Übungsleitern und Helfern des SSC gegeben hatte, geht es in diesem Jahr darum, inwieweit Strukturen im Verein angepasst werden müssen, damit man am Ende sicher sein kann, dass das Thema sexualisierte Gewalt und Gewalt gegen Kinder im SSC keine Chance hat.

Neben dem Beitritt zum Qualitätsbündnis werden alle Vorstandsmitglieder, alle Übungsleiter und Mitarbeiter als weiteren Eckstein in der Vereinsarbeit den LSB Ehrenkodex unterzeichnen. „Zusätzlich dazu werden wir Arbeitsgruppen und ein Team ,Kinder und Jugendschutz‘ installieren. Dieses wird dann an den Vorstand angedockt, um zu gewährleisten, dass gerade dieses sensible Thema bei uns im Familien-Verein mit im Vordergrund steht, es kompetente Ansprechpartner gibt und somit potenzielle Täter keinerlei Nährboden im SSC finden können“, so der 1. Vorsitzende Carsten Otschakowski. Dabei sei die Einbeziehung der Eltern, nicht nur bei diesem Thema, ein wichtiger Baustein für den SSC, der sich als Familienverein sehe und das Präventionsprogramm des LSB als Mittel für eine erfolgreiche nicht nur sportliche Zukunft begreife.

„Die Schulung durch den Landessportbund war für alle in unserem Verein eine sehr wichtige und informative Veranstaltung, denn nur durch Transparenz, Kontrolle, Klarheit, Regeln, Verhalten und Fortbildung innerhalb unseres Sportvereins kann weitgehend gewährleistet werden, das potenzielle Täter bei uns im SSC keinen Nährboden für ihre Taten finden können“, so der 1. Vorsitzende Carsten Otschakowski. Eigentlich wollte der SSC dazu Anfang des Jahres zusammen mit dem Landessportbund ein Präventionskonzept speziell für den Schwelmer Sport Club erstellen. Doch wegen Covid-19 und den daraus resultierenden Kontaktbeschränkungen sei dies zeitlich nicht möglich gewesen. „Wir wünschen uns, dass der Schwelmer Sport Club auch bei seinem 150-jährigen Jubiläum mit seinem Sportangebot immer noch eine feste Größe in Schwelm ist und auch weiterhin das gemeinsame Miteinander in unserem Familienverein unseren Nachfolgern ebenso viel Spaß bereitet“, so Otschakowski.

125 Jahre SSC: Ausstellung im Haus Martfeld geplant

Der Schwelmer Sport Club will sein Jubiläum wegen Corona erst im kommenden Jahr feiern. Für diesen Herbst ist allerdings eine Ausstellung im Haus Martfeld geplant, die einen Rückblick auf 125 Jahre Vereinsgeschichte geben und künftige Entwicklungen aufzeigen soll. Am 22. November soll die Schau in einer Feierstunde mit geladenen Gästen eröffnet werden. Vom 23. November 2020 bis 17. Januar 2021 ist die Ausstellung dann für jedermann zu besuchen. So ist jedenfalls der Plan. „Bisher durften wir noch 50 Leute einladen“, sagt Vorsitzender Carsten Otschakowski. Was künftig erlaubt sein wird, sei ungewiss. „Es hängt alles vom Verlauf der Pandemie ab. Wenn‘s funktioniert, machen wir’s.“

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