Betrug

Schwelmer verkauft gefälschtes Smartphone

Foto: dpa Picture-Alliance / Britta Pedersen

Schwelm.   Ein junger Schwelmer verkaufte ein gefälschtes Smartphone im Internet. Während der Verhandlung brauchte seine schwangere Freundin einen Notarzt.

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Ein Schwelmer bot ein Smartphone der Marke Samsung Galaxy S7 im Internet an. Bei dem Schnäppchenpreis von 300 Euro Mindestgebot biss ein 38-jähriger Mann aus Dortmund an. Der bezahlte nach Ende der Bieterfrist brav 411 Euro an den Schwelmer. Der Dortmunder erhielt zwar die Ware, aber es war kein Original-Smartphone, das wenige Monate zuvor Anfang 2016 neu am Markt erschienen war und rund 700 Euro kostete.

Selbst vor Gericht wunderte sich der 38-jährige Diplom-Kaufmann, was für ein entsetzlicher Ramsch zum Vorschein gekommen war, als er das Paket öffnete: „Alles, was das Gerät an technischem Schnick-Schnack ausmachte, fehlte oder war schlecht. Die Optik war nur ein schöner Schein. Alles Plastik!“

Notarzteinsatz für Schwangere

Aber auch die Naivität des Verkäufers war bemerkenswert. Denn er selbst hatte das angebliche Super-Smartphone für einen Spottpreis eingekauft. Als er gut gelaunt mit einem Gewinn aus einer Spielhalle marschierte, sprach ihn ein Fremder an, der ihm den Abklatsch eines Smartphones schließlich für 150 Euro andrehte.

Als der Mann seine Geschichte vor dem Schwelmer Amtsgericht erzählte, gab er freimütig zu: „Ich glaube, das war so ein Drogensüchtiger, der dringend Geld brauchte.“ Auf die Idee, dass mit dem Telefon etwas nicht stimmen könnte, kam der junge Mann nicht – behauptete er zumindest.

Die Sache war bereits im Mai vergangenen Jahres verhandelt worden. Er hätte nur die 411 Euro an den Kunden zahlen müssen, dann wäre das Verfahren eingestellt worden. Aber er nahm die Angelegenheit auf die leichte Schulter und kümmerte sich nicht weiter darum. Der junge Schwelmer zahlte dem Dortmunder nichts und ließ die sechsmonatige Frist, die das Gericht dafür gesetzt hatte, verstreichen.

Nun plauderte er munter auf die Richterin ein: „Bald habe ich bestimmt einen Job! Dann kann ich es zurückzahlen! Bitte geben Sie mir eine Chance! Und meine Freundin, Sie sehen doch, sie ist schwanger!“ Als wäre das ihr Stichwort gewesen, verdrehte die werdende Mutter, die im Publikum saß, die Augen, fing an, schwer zu atmen. Der Notarzt musste kommen und sie aus dem Gerichtssaal tragen.

900 Euro Geldstrafe wegen Betrugs

Als sich die Lage im kleinen Gerichtssaal des Schwelmer Amtsgerichts wieder etwas beruhigt hatte, fiel das Urteil. Das Gericht verdonnerte den Schwelmer zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je 15 Euro. Das Fazit: „Sie haben billigend in Kauf genommen, dass das Telefon entweder illegal erworben oder ein Plagiat war. Da war Betrugsabsicht dabei. Und wären Sie sicher gewesen, dass es sich um ein Original handelt, hätten Sie einen viel höheren Preis genommen.“

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