Kommentar

Schwelmer Verwaltung nennt „alternative Fakten“

Kommentiert die aktuellen Aussagen zum „Journal für Schwelm“: Redakteur Bernd Richter

Kommentiert die aktuellen Aussagen zum „Journal für Schwelm“: Redakteur Bernd Richter

Foto: Volker Speckenwirth

Wer mit Zahlen argumentiert, der muss alle Zahlen auf den Tisch legen. Auch die, die ihm nicht ins Konzept passen.

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Wer mit Zahlen argumentiert, der muss alle Zahlen auf den Tisch legen. Auch die, die ihm nicht ins Konzept passen. Sonst muss er sich Meinungsmache vorwerfen lassen.


Doch genau solch eine objektive Aufarbeitung mit Zahlen ist im Kulturausschuss nicht passiert. Das aus Sicht von Bürgermeisterin Gabriele Grollmann nicht mehr in die Zeit passende „Journal für Schwelm“ wurde von ihr durch anteilige Einbindung der Personalkosten von Stadt-Pressesprecherin Heike Rudolph (15 107 Euro/Jahr) bewusst schlecht gerechnet, so dass am Ende der Beamer-Präsentation ein in roter Schrift plakativ herausgearbeitetes jährliches Defizit von fast 13000 Euro stehen blieb.


Ganz anders verfuhr sie bei der Vorstellung der von ihr ins Leben gerufenen neuen Veranstaltungsreihe „Matinee am Sonntag“ im Haus Martfeld. Die sicherlich informative Neuerung, hinter der die Stadt mit ihren Mitarbeitern als Veranstalterin stehen, wurde von ihr mit vielen Worten noch schöner geredet. Aber exakte Angaben über die Kosten der Veranstaltung blieb die Bürgermeisterin schuldig. Der Ausschuss erfuhr nur, dass diese bereits in die Etats der eingebundenen Fachbereiche eingerechnet seien.


Auch das Modell des Ennepetaler Heimatbriefs, das für den Verwaltungsvorstand vorbildlich ist, hat Schwelm bei näherer Betrachtung schon lange umgesetzt. Stephan Langhard ist als Fachbereichsleiter Bürgerdienste der Klutertstadt automatisch auch Geschäftsführer des Heimatbundes. Und in dieser Eigenschaft koordiniert er auch in seiner Arbeitszeit die Entstehung des Heimatbriefs, ähnlich wie Heike Rudolph bisher in Schwelm.


Und dass die Aussetzung des Journals seitens der Stadt schon im März 2016 angekündigt worden sei, ist wohl eher Wunschdenken entsprungen. Darüber soll in einem privaten Beitrag auf Facebook spekuliert worden sein. Eine offizielle Mitteilung aus dem Rathaus sieht ganz gewiss anders aus.


Wer solch ein Vorgehen als Aufarbeitung eines Vorgangs unter Nennung von Fakten versteht, der begibt sich in die Nähe von „alternativen Fakten“, wie sie US-Präsident Donald Trump scheinbar hoffähig gemacht hat. Für mich ist das eher der Versuch, eine übereilt über die Köpfe der Mitglieder des Kulturausschusses getroffene Entscheidung im Nachhinein zu rechtfertigen. Zur Erinnerung: Die Aussetzung des Journals hatte der Verwaltungsvorstand der Stadt ausschließlich mit den Kosten begründet. Als Stärkungspaktkommune sei die Stadt gehalten, die freiwilligen Leistungen zurückzufahren.

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