Prozess

Schwelmer wird für Geliebte zum Drogendealer

Justitia hat Recht zu sprechen, diesmal im Fall des 30-Jährigen, der sich vorm Landgericht wegen Drogenhandels verantworten muss.

Justitia hat Recht zu sprechen, diesmal im Fall des 30-Jährigen, der sich vorm Landgericht wegen Drogenhandels verantworten muss.

Foto: David-Wolfgang Ebener

Schwelm.   Der 30-Jährige dealt und wird von einem Kunden verpfiffen. Bei der Durchsuchung findet die Polizei aber noch viel mehr als nur Drogen.

Für seine neue Freundin wurde ein Schwelmer zum Dealer. Vor dem Landgericht in Hagen hat der 30-Jährige zugegeben, ein halbes Jahr lang Drogen verkauft zu haben. Nur einen Tag, bevor die Polizei seine Wohnung durchsuchte, hatte er noch einmal richtig eingekauft.

Start mit 200 Gramm Amphetamin

Um seiner anspruchsvollen neuen Freundin etwas bieten zu können, mischte sich ein Schwelmer unter die Drogendealer. Durch seine Verteidigerin Heike Michaelis gab er zu, 16 Mal Amphetamin an einen Mann verkauft zu haben, der ebenfalls von der Hagener Justiz verfolgt wird. Gestartet war der 30-Jährige mit rund 200 Gramm Amphetamin, aus denen er die Verkäufe tätigte. „Was angeklagt wird, ist prinzipiell richtig. Die Verkäufe begannen aber anders als in der Anklage dargelegt, erst zu Beginn dieses Jahres. Das, was bei der Hausdurchsuchung gefunden wurde, war zum weiteren Abverkauf bestimmt.“ So räumte der Schwelmer ein, zwei Mal 40 Gramm an den anderen verkauft zu haben, ansonsten seien es fünf bis zehn Gramm Amphetamin gewesen.

In der Nähe der Drogenvorräte hatte er aber noch zwei Schreckschusspistolen und einen Elektroschocker, wie er in der Viehwirtschaft eingesetzt wird. Die bewahrte er in der Küche und dem Wohnzimmer seiner Wohnung auf, die sich mehr und mehr in eine Drogenhöhle verwandelt hatte. Er bestritt durch seine Verteidigerin, jemandem damit geschadet zu haben. „Er hat keine Leute bedroht und es ist nie zum Einsatz der Waffen gekommen.“ Es stellte sich heraus, dass eine der Waffen nicht funktionstüchtig war.

Die andere lagerte auf dem Küchenschrank und war dort mehr oder weniger vergessen worden, „ein Geschenk von einem alten Kumpel. Die Pistolen waren eher Sammlerstücke“, wie der 30-Jährige angab.

Besonders tragisch aus Sicht des Angeklagten: Einen Tag, bevor die Polizei am 11. Mai bei ihm aufschlug, um seine Wohnung auf den Kopf zu stellen, hatte er noch einmal richtig eingekauft und 500 Gramm Amphetamin erworben. Die hatte er mit 200 Gramm Koffein strecken wollen. Dazu hatte er noch 195 Ecstasy-Tabletten besorgt. Die Durchsuchungsbeamten fanden noch gut 100 Gramm Marihuana und ein Gramm Kokain – „für meinen Geburtstag“.

Sein einziger und bester Käufer hatte ihm den Besuch der Polizei eingebrockt. Er war selbst wegen eines Delikts und mit Drogen in der Tasche von einer Streife aufgegriffen worden und hatte auf der Wache plötzlich angefangen zu plaudern. Eine Polizeibeamtin, die gerade Dienst hatte, erinnerte sich: „Er hatte enormen Redebedarf. Er erzählte in der Folge, dass er beim Angeklagten kaufen würde. Es gebe eine regelrechte Drogenküche.“

Als die Richter den Angeklagten zu seinen Gründen befragten, sagte der Schwelmer verlegen: „Ich weiß, es hört sich blöd an. Ich hatte eine neue Freundin. Sie war noch in der Ausbildung und hatte ein Pferd. Mein Job reichte da nicht aus. Da habe ich uns quasi etwas dazuverdient.“

Beziehung ging danach in die Brüche

Gelohnt hat sich der „Liebesdienst“ nicht – und zwar in doppelter Hinsicht: Die Freundin war sofort nach der Festnahme des Schwelmers weg. Seinen Gewinn bezifferte der Mann auf gerade einmal 20 Cent pro Gramm.

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