Wohnungslos

Seniorin aus Schwelm will nicht im Hotel leben

Renate Path wohnte 40 Jahre im Brandhaus Möllenkotter Straße 1 nun ist sie wohnungslos und in den Altdeutschen Bierstuben untergekommen. Sie sucht nach einer neuen Wohnung

Renate Path wohnte 40 Jahre im Brandhaus Möllenkotter Straße 1 nun ist sie wohnungslos und in den Altdeutschen Bierstuben untergekommen. Sie sucht nach einer neuen Wohnung

Foto: Bernd Richter / WP

Schwelm.  Vor sechs Wochen ist ein Mehrfamilienhaus am Neumarkt in Schwelm ausgebrannt. Renate Path (79) hat dadurch nach 40 Jahren ihr Zuhause verloren.

Gewöhnlich verbinden die meisten Menschen den Aufenthalt im Hotel mit guten Gefühlen, mit Urlaub, eben mit den schönsten Zeiten des Jahres. Nicht so Renate Path. Die 79-Jährige hat durch das Großfeuer am 29. Mai im Haus Möllenkotter Straße 1/Neumarkt ihr Dach über dem Kopf verloren. Doch auch jetzt, sechs Wochen später, hat die Seniorin, keine neues Zuhause gefunden und muss weiterhin im Hotel wohnen (wir berichteten). Renate Path fühlt sich von den Behörden im Stich gelassen, ist verzweifelt. „Ich möchte aus dem Hotel weg, dort kann ich nicht einmal meine Wäsche waschen“, sagt sie. Für ein Leben im Hotel sei sie einfach nicht geschaffen.

„Frau Path ist ein Einzelfall“

Ist der Fall von Renate Path ein Einzelfall? Wie ist die Wohnsituation von alten Menschen hier im Südkreis? Gibt es genug Wohnungen für Menschen, die sich nicht die Miete im schicken Neubau leisten können? Unsere Zeitung hat mit Heike Orth, Leiterin der Beratungsstelle für Wohnungslose vom Diakonischen Werk mit Sitz in der Sedanstraße, gesprochen. Für die Fachfrau ist der Fall von Renate Path zwar traurig, aber glücklicherweise ein Einzelfall. „Senioren wie sie, die eine Wohnung verloren haben, sind bei uns eher die Ausnahme. Wir haben zwar Menschen über 60 Jahre, die auf der Suche nach einer Wohnung sind, aber die Gründe für den Wohnungsverlust sind andere“, sagt sie. Fälle wie in Großstädten, in denen große Wohnungsgesellschaften Objekte hochwertig sanierten und anschließend die Miete um 30 Prozent oder mehr anheben würden und die Altmieter sich ihre Wohnungen dann nicht mehr leisten könnten, sind ihr aus dem Südkreis nicht bekannt.

Vor Ort gebe es keine Wohnungsnot, sagt Heike Orth, schränkt jedoch gleichzeitig ein: „Es fehlt an bezahlbaren Wohnungen.“ 384 Menschen haben in 2018 die Hilfe der Beratungsstelle in Anspruch genommen. 27 Prozent der Klienten sind weiblich. „Unsere Kunden werden immer jünger“, so das Fazit der Leiterin, die seit 27 Jahren im Beruf ist. „Früher verloren Menschen im mittleren Alter ihre Wohnungen, weil sie sich von ihren Partnern getrennt hatten, in Scheidung lebten oder durch Jobverlust. Heute kommen Menschen zu uns, die oft noch gar nicht Fuß im Leben gefasst haben, ohne Schulabschluss und Ausbildung sind, aus schwierige familiären Verhältnissen kommen oder von den Eltern rausgeschmissen werden.“ Diese Männer und Frauen leben in der Regel nicht unter Brücken oder müssen auf der Parkbank schlafen. Sie sind meist bei Freunden, Bekannten oder Familienmitgliedern untergekommen. Ihre Anzahl steigt. Für 225 von ihnen ist die Beratungsstelle auch der Briefkasten für die persönliche Post. „Die Wohnungssuche dauert heute länger als früher“, hat Heike Orth festgestellt. Wo Wohnungen leerstehen, bekommt die Beratungsstelle nur in Ausnahmefällen mit. „Leerstände können gerne bei uns gemeldet werden“, sagt Heike Orth. Mangelware sind Wohnungen von ca. 50 qm, die Miete für Singles darf maximal 361 Euro inklusive Nebenkosten betragen, zuzüglich verbrauchsabhängige Kosten wie Strom, Wasser und Heizung.

Mit der Wohnung allein seien die Schwierigkeiten für ihr Klientel aber nicht behoben. Heike Orth spricht vom betreuten Wohnen und meint damit das auf Freiwilligkeit basierende Angebot der Wohnungslosenhilfe, den neuen Mietern für gewisse Zeit zur Seite zu stehen, „damit sie ihre Wohnung nicht in wenigen Wochen wieder verlieren“, sagt sie.

Zurück zu Renate Path, die Seniorin vom Neumarkt, die nach 40 Jahren ihr Dach über den Kopf verloren hat. Heike Orth steht deshalb in engen Kontakt zur Schwelmer und Soziale Wohnungsgenossenschaft in Schwelm.

Wenn Privatpersonen Renate Path helfen wollen und eine Wohnung haben, stellt Heike Orth auch gerne den Kontakt her: 36/6001.

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