Neues Buch

So erlebten die Schwelmer beide Weltkriege

Der Schwelmer Autor und Heimartforscher Klaus Peter Schmitz hat mit „Lieb Vaterland magst unruhig sein“ ein neues Buch geschrieben.

Der Schwelmer Autor und Heimartforscher Klaus Peter Schmitz hat mit „Lieb Vaterland magst unruhig sein“ ein neues Buch geschrieben.

Foto: Bernd Richter

Schwelm.  Der Schwelmer Klaus Peter Schmitz erzählt die deutsche Geschichte anhand einer eigenen Familienchronik. Das Buch wäre fast nicht fertig geworden.

„Dass etwas in der Luft lag, das spürten wir auch in Schwelm schon Tage vorher“, erinnerte sich Opa Paul an den September im Jahre 1938. Mit dem Beginn des Monats begann auch der Zweite Weltkrieg. Schon Tage vorher habe es nur noch begrenzt Treibstoff für Autos gegeben. Fünf Liter seien das Maximum gewesen. Die Tankstellenbesitzer hätten das Benzin für die in Schwelm stationierten Militärfahrzeuge zurückhalten müssen.

Dieser kurze Einblick in eine der dunkelsten Zeiten der Geschichte ist nur eines von vielen Fragmenten, die der Schwelmer Autor und Heimatforscher Klaus Peter Schmitz aus dem Leben seines Großvaters festgehalten hat. Anhand von Gesprächen, vorhandener Dokumente und persönlicher Aufzeichnungen hat er dessen Leben rekonstruiert. Ein Leben, in das die Kaiserzeit, der Erste Weltkrieg, die Weltwirtschaftskrise, der Zweite Weltkrieg und noch mehr fielen. Unter dem Titel „Lieb Vaterland magst unruhig sein“ lässt Schmitz diese weltverändernden Ereignisse somit aus der Sicht eines Zeitzeugen erlebbar werden. Sein neuestes Werk ist damit gleichzeitig eine Familienchronik, deren Aufarbeitung dem Autor selbst zwischenzeitlich schwer fiel.

„Haben wir oder die Reichen und Mächtigen dieser Welt aus den damaligen Geschehnissen irgendetwas gelernt?“ – es war diese Frage, die Klaus Peter Schmitz sich stellte, nachdem er die Vita seines Großvaters kennengelernt und die letzte Seite seines Buches geschrieben hatte. Die letzte von insgesamt 317 Seiten, die eine Zeitspanne von 100 Jahren deutscher Geschichte umfassen. 1850 bis 1950. „Ich habe mir die Aufgabe gestellt, diese Jahre aufzuarbeiten“, sagt Schmitz. „Die Berichte, Bilder und Dokumente meines Großvaters ,Opa Paul’ Wagner waren dabei für meine Recherchen besonders wertvoll.“

So behandelt Schmitz das Leben seiner Vorfahren zur Zeit der Entstehung des deutschen Kaiserreichs und beschreibt die Geschehnisse unmittelbar vor Beginn des Ersten Weltkrieges. Dabei gewinnen die Leser auch immer wieder Einblicke in das Leben der Schwelmer von damals, zwischen Monarchie und der ersten Deutschen Republik, der Weimarer Republik. Im weiteren Verlauf des Buches wird deutlich, wie die Menschen in der Kreisstadt die Weltwirtschaftskrise erlebten und schließlich die Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933.

„Opa, hast Du die Nazis gewählt?“, fragte Schmitz seinen Opa damals und zitiert dessen Antwort in seinem Buch: „Ich wusste nicht, wie ich mich verhalten sollte, stand vor einer fast unlösbaren Entscheidung. Ich wusste nur eins, dass diese Entscheidung mein Leben beeinflussen würde. Ja, ich hatte die NSDAP gewählt und trat am 1. April 1933 der Partei bei.“ Für den Leser wird ersichtlich, wie Schmitz’ Großvater begann, den Reden und Versprechungen Adolf Hitlers zu glauben. Es ist von Nazi-Aufmärschen auf dem Schwelmer Neumarkt die Rede. Vom brutalen und unmenschlichen Umgang der Gestapo mit den Juden in der Stadt. Aber auch vom damaligen Pastor Müller, der immer wieder gegen die NSDAP wetterte.

Vom Tod des eigenen Vaters

Klaus Peter Schmitz greift alle wichtigen Ereignisse des Zweiten Weltkriegs auf. Bis zu einem Punkt, an dem er das Buch eigentlich gar nicht mehr weiterschreiben wollte. So berichtet er, wie Opa Paul ihm einige Briefe übergab, die er seit Kriegsende 1945 gut verwahrt hatte. Die Korrespondenz handelte vom Tode Ernst Schmitz’, des Vaters von Klaus Peter Schmitz. Dieser war am 1. Mai 1945 in Schöneweide bei Luckewalde gefallen. Schmitz selbst wurde am 20. März 1944 geboren, hatte seinen Vater somit nie wirklich kennengelernt.

„Das hat mich so aufgewühlt, dass ich nicht weiterschreiben wollte“, sagt der Autor. Seine Tochter habe ihn ermutigt, es doch zu tun. Außerdem: „Es ist zu schade, von einem, der dabei war und es belegen kann, nicht zu berichten“, begründet der Autor. „Mein Opa Paul hat das alles erlebt, das ist einmalig.“ Schmitz spannt den Bogen sogar noch weiter und zieht Parallelen zu heute und den politischen Diskussionen, die in Deutschland und der ganzen Welt aktuell geführt werden. „Kollektives Schweigen der Erwachsenen und die Unkenntnis geschichtlicher Abläufe bei der jungen Generation ließen mich dieses Buch schreiben“, liest es sich auf der Rückseite von „Lieb Vaterland magst unruhig sein“. Schmitz ist wichtig, dazu beizutragen, dass sich die Geschehnisse von damals niemals wiederholen.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben