Umwelt

Solaranlagen sind auf Dächern der Stadt Ennepetal tabu

   Von links: Lars Ole Daub von der Energie Agentur NRW, der Vorsitzende der Bürger-Energie-Genossenschaft Ennepe-Ruhr, Rolf Weber, Karl-Heinz Henkel vom Verein Umweltfreundliche Energien, Stefan Mayer-Stoye, Petra Backhoff (beide Bündnis 90/Die Grünen) und Peter Asmuth von der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie. Foto: Hans-JOchem Schulte

   Von links: Lars Ole Daub von der Energie Agentur NRW, der Vorsitzende der Bürger-Energie-Genossenschaft Ennepe-Ruhr, Rolf Weber, Karl-Heinz Henkel vom Verein Umweltfreundliche Energien, Stefan Mayer-Stoye, Petra Backhoff (beide Bündnis 90/Die Grünen) und Peter Asmuth von der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie. Foto: Hans-JOchem Schulte

Ennepetal.  Die Bürger-Energie-Genossenschaft im Ennepe-Ruhr-Kreis hat eine Erfolgsgesichte hingelegt. Doch die Dächer der Stadt Ennepetal sind für sie tabu.

Als Rolf Weber, Vorsitzender der Bürger-Energie-Genossenschaft im Ennepe-Ruhr-Kreis, mit Hilfe von Folien die Arbeit des Vereins vorstellte, stutzten die Besucher der Veranstaltung im Haus Ennepetal. 3353 Euro Gewerbesteuer hatte die Bürger-Energie-Genossenschaft an die Stadt Ennepetal gezahlt, aber nicht einen Cent an Miete. Wie kommt das? Rolf Weber: „Wir können keine städtischen Gebäude für Solaranlagen nutzen, leider!“ Dennoch ist die Genossenschaft in Ennepetal mit ihren Solaranlagen vertreten. „Sie produzieren Strom auf 19 Häusern der Baugenossenschaft ,die Voerder’!“ schilderte Rolf Weber in der gemeinsamen Veranstaltung von der Partei Bündnis 90/Die Grünen, dem Verein Umweltfreundliche Energien Ennepe-Ruhr und der „Zukunftskünstler Ennepetal“ zum Thema „Energiewende“.

Öffentliche Dächer sind tabu

Dass die Bürger-Energie-Genossenschaft in Ennepetal keine städtischen Dachflächen zur Verfügung gestellt bekommen (gegen Miete), bezeichnet der Vorsitzende des Vereins Umweltfreundliche Energien, Karl-Heinz Henkel, als ein Trauerspiel. Schon in der Amtszeit von Bürgermeister Wiggenhagen hieß es: „Tut mir leid. Meine Fachleute sagen mir, wir haben keine geeigneten Flächen“, berichtete Henkel. Jetzt komme im Jahr 2019 die gleiche falsche Antwort von der Bürgermeisterin, „die wunderschöne Reden und Fotoshootings zum Klimawandel hält“.

Ganz aktuell: Ein Energieberater schlage eine Machbarkeitsstudie für das Rathaus vor. Henkel in seinem Vortrag: „Wollt ihr wieder Tausende Euros für Planungsstudien ausgeben? Es genügt eine Person, die weiß, wo im Neubau die Stromzähler sind und dann lasst euch von Rolf Weber sagen, wie effizient das Dach solar genutzt werden kann. Holt euch eine Zweitmeinung von einem Solateur aus Schwelm, der mehr als 3 MW PV-Anlagen installiert hat!“ Henkel warnt die Stadtbetriebe, selbst tätig zu werden und begründet: „Ihr habt keine Manpower, ihr kriegt nicht einmal ein Energiecontrolling für die wichtigsten Gebäude hin!“

Peter Asmuth (Breckerfeld) von der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie ist sich sicher, dass die Sonnenenergie derzeit unterschätzt wird. „Unsere Dächer und Fassaden reichen aus. Nutzen wir die Dächer“, so sein Appell. Für ihn ist die Sonnenergie die billigste Form der Stromerzeugung. Lars Ole Daub von der Energie Agentur NRW stellte die verschiedensten Möglichkeiten vor, in Gruppen etwas für die Energiewende zu tun. „Menschen, die etwas zusammen machen, seien außerordentlich wichtig für die Energiewende. Man muss treiben, nicht aufhören“, riet Daub. Die Energie Agentur NRW gebe Hilfe z. B. bei der Suche nach der Rechtsform.

Alle Vortragenden erhielten als ein kleines Dankeschön ein Insektenhotel am Stock und Wein, überreicht durch Petra Backhoff und Stefan Mayer-Stoye von den Grünen. Backhoff, die auch Vizechefin der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Rat der Stadt ist, sagte zu den Aussagen Henkels: „Wir wollen, dass es gut wird, vielleicht sogar ohne Gutachten.“ Vor dem Tagungsraum im Haus Ennepetal waren Karikaturen zu sehen unter dem Motto: „Wir sind zwar hier, und wir sind nicht laut und deshalb wird unserer Kinder Zukunft geklaut.“

Laut war es in der Veranstaltung nicht, aber engagiert und auch mal emotional, so beim Vortrag von Karl-Heinz Henkel, der übrigens Sozialdemokrat ist.

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