Neue Mitte

Sparkasse Schwelm plant Einzug für Herbst 2019

Das Erdgeschoss im denkmalgeschützten Patrizierhaus: Später eingebrachte Zwischenwände sind bereits entfernt worden, die zugemauerte Tür im Bild hinten wurde wieder freigelegt. Foto:Bernd Richter

Das Erdgeschoss im denkmalgeschützten Patrizierhaus: Später eingebrachte Zwischenwände sind bereits entfernt worden, die zugemauerte Tür im Bild hinten wurde wieder freigelegt. Foto:Bernd Richter

Schwelm.   Das ehemalige Verwaltungsgebäude der Brauerei Schwelm am Bürgerplatz wird mit Millionenaufwand saniert

Passanten bleiben am Patrizierhaus stehen, stellen sich auf Zehenspitzen, recken ihre Köpfe und versuchen, durch die weit geöffneten Sprossenfenster einen Blick ins Innere des Gebäudes zu erhaschen. Besonders Neugierige stehen auch ganz plötzlich schon mal mitten in der Abbruchzone. Die Schwelmer sind eben neugierig, was mit ihrem historischen Gebäude am Bürgerplatz passiert. Seitdem es die Städtische Sparkasse zu Schwelm vor gut zwei Monaten von der Stadt gekauft hat, hat sich im Inneren der Immobilie einiges getan. Fast täglich sind Arbeiter damit beschäftigt, den historischen Kern freizulegen.

Nach Rückbau wieder Neuaufbau

„Wir müssen erst mal alles zurückbauen, was nicht denkmalgeschützt und erhaltenswert ist. Mit dem Objekt ist in den zurückliegenden Jahrzehnten nicht gut umgegangen worden“, spricht Michael Lindermann, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse, die Bausünden an, die bereits viele Jahrzehnte zurückliegen. Es wurden beispielsweise Stahlträger eingezogen, die ursprünglich dort nichts zu suchen hatten, Wände versetzt und Holzvertäfelungen und Badezimmer eingebaut.

Auch Architekt Klaus Lange ist entsetzt über das, was Generationen zuvor mit dem Denkmal gemacht wurde. Sein Büro im Ibach-Haus ist mit der Sanierung und dem Umbau des geschieferten Fachwerkhauses beauftragt worden. Das Augenmerk des gebürtigen Schwelmers gilt erst einmal dem sorgfältigen Rückbau, ohne dass Schäden verursacht werden. „Wir haben alte, um das Jahr 1900 erstellte Pläne. Die geben allerdings nicht die heutigen Gegebenheiten wieder und haben nichts mit dem jetzigen Grundriss zu tun oder wie er einmal gewesen sein muss“, sagt Lange.

Nachträglich eingezogene Zwischenwände werden herausgebrochen, eine alte Türöffnung ist wieder freigelegt worden. So ist auch die alte Kornflasche wieder zum Vorschein gekommen, die vor 44 Jahren in eine Wand eingemauert worden war. In ihr verborgen ein Schriftstück. Die damals tätigen Handwerker müssen rechte Spaßvögel gewesen sein, hatten sie sich doch auf einem Stück Raufaser mit folgenden Worten verewigt: „Ende März 1974 wurde diese Wohnung renoviert. Es wurde bis zur Verlegung des Bodens getrunken: 3 Liter Whisky und 3 Liter Klarer und etliche Flaschen Bier. Daran waren beteiligt: Felix der Schreckliche, Dieter der Sanfte, Jürgen der Vielfraß.“

Alle Arbeiten erfolgen in enger Abstimmung mit den Denkmalbehörden. Da kommt dem Schwelmer Architekten seine langjährige Erfahrung in der Sanierung von Baudenkmälern zugute. Klaus Lange verantwortete u.a. bereits den Anbau/die Sanierung von Haus Martfeld mit Torturm und Nordflügel (2002), das Projekt Brennerei Saure in Gevelsberg (2012) und die „Alte Schmiede“ in der Mittelstraße in Gevelsberg (2017).

Ein entscheidender Termin für das Projekt am Bürgerplatz steht an diesem Mittwoch an. Um 14 Uhr hat sich Dipl.-Ing. Danae Votteler angekündigt. Sie ist im Referat Praktische Denkmalpflege bei der LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen/Münster auch zuständig für Schwelm. Mit ihr werden Architekt und Bauherr gemeinsam das weitere Vorgehen abstimmen.

Provinzial-Agentur und LBS

„Die Planung erfolgt baubegleitend“, so Klaus Lange. Zügig sollen in den nächsten Wochen die Ausschreibungen vorbereitet werden, so dass der handwerkliche Wiederausbau Anfang November starten kann. Für die Sparkasse ist die Sanierung des ehemaligen Verwaltungsgebäudes der Brauerei Schwelm, das vermutlich um 1701 gebaut worden ist und ursprünglich als Wohnhaus genutzt wurde, eine Herzensangelegenheit. „Wir werden sicherlich mehr als eine Million Euro investieren müssen“, sagt Michael Lindermann, der auf eine Fertigstellung im Herbst 2019 hofft.

Die Sparkasse will dort ihre Provinzial-Agentur und die hauseigene LBS unterbringen. Noch befindet sich in der Hauptstelle alles unter einem Dach. Michael Lindermann hatte im Stadtrat im Juli von einer „Raum-Not“ gesprochen. Die Ausgliederung der Geschäftsbereiche in die unmittelbare Nachbarschaft schaffe im Haupthaus nicht nur wieder mehr Platz, sondern biete an neuer Stelle ausreichend Bürofläche für weitere Expansionen.

Ein weiterer Vorteil aus Sicht der Sparkasse: Das Patrizierhaus bekommt eine eigene Datenleitung. Damit kann dort eine Notkasse eingerichtet werden, für den Fall, dass – wie in diesem Jahr geschehen – ein Bagger die Leitung zur Hauptstelle kappt. Ein barrierefreier Zugang entsteht am jetzigen Hintereingang des Denkmals, der in Zukunft wohl mehr als Hauptportal wahrgenommen wird, sobald das neue Rathaus eröffnet ist. Auf dem Hof will die Sparkasse eine E-Tankstelle einrichten.

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